Bürgermeister Bernd Günther lässt Kritik an sich abprallen. Er sieht den Schuldenabbau als seine große Aufgabe an.

Mettmann. Dass seine Schonzeit nach den ersten 100 Tagen im Amt abgelaufen ist, sieht Bürgermeister Bernd Günther (59) nicht. "Das ist doch Quatsch. Diese Zahl hat irgendwann mal jemand erfunden." In 100 Tagen könne nichts bewegt, höchstens angestoßen werden, sagt Günther im WZ-Gespräch. Er brauche ein Jahr, um in die Arbeit richtig reinzukommen, "um die Gefüge und Beziehungen im Rathaus zu erkennen".

Zurzeit macht er eine Bestandsaufnahme

Deshalb lässt er Kritik unbeeindruckt abprallen, wenn ihm vorgehalten wird, er habe bislang zu wenig bewegt. Zurzeit läuft seine Bestandsaufnahme. "Wenn das abgeschlossen ist, können Ziele formuliert werden, können wir im Rathaus etwas nach vorne bewegen", sagt Günther. Dass in der Verwaltung mit rund 450 Mitarbeitern etwas geändert werden müsse, steht für ihn fest. Alle wichtigen Entscheidungen will er mit den Mitarbeitern treffen.

"Sie müssen mitgenommen werden, müssen Veränderungen verinnerlichen." Konkreter wird der Bürgermeister nicht. Nur so viel: Den Bürokratismus in den Amtsstuben des Rathauses will er abbauen.

Die Konsolidierung und der Abbau von Schulden sieht Bürgermeister Günther als seine große Aufgabe. "Das sind genau die Herausforderungen, die ich liebe, und weshalb ich angetreten bin." Ein Patentrezept, wie Mettmanns Finanzsituation verbessert werden könnte, hat er (noch) nicht.

"Die Gestaltungsmöglichkeiten sind derzeit eingeschränkt, aber wir müssen versuchen, den Stillstand abzuwenden." Personalabbau will er moderat betreiben, um die Kosten zu senken. Betriebsbedingte Kündigungen lehnt er ab.

Klaus Müller, Fraktionsvorsitzender der FDP: "Bürgermeister Günther hat sich in die Aufgabe reingekniet. Er braucht aber eine intensivere Einarbeitungszeit, weil er vorher weder in einer Stadtverwaltung noch in der Kommunalpolitik tätig war."

Hans Günther Kampen, Fraktionsvorsitzender der UBWG: "Immerhin hat sich Günther in 100 Tagen recht gut eingearbeitet. Er wird es in den nächsten Jahren aber schwer haben, seinen Stand und seinen Willen durchzusetzen."

Berthold Becker, Fraktionsvorsitzender der SPD: "Günther muss kommunikativer und zielorientierter werden, deutlicher sagen, wo die Reise hingehen soll. Die SPD ist bei konstruktiven Vorschlägen zur Zusammenarbeit bereit."

Eckhard Scholz, Ratsmitglied Die Linke: "Günther ist sehr konziliant. In seinen Entscheidungen ist er relativ zurückhaltend und bemüht, in die Zukunft zu gucken." Nils Lessing, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen: "Wir kommen mit Bernd Günther gut klar. Aber es hat sich in Mettmann noch nichts geändert."

Ute Stöcker, Fraktionsvorsitzende der CDU: "Eine gewaltige Aufgabe, die Günther da vor sich hat. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Haushalte, die er mit den Fachbereichen stemmen muss, auch in den nächsten Jahren ein Defizit aufweisen werden."

Die interkommunale Zusammenarbeit will Günther forcieren, ein Baubetriebshof für Mettmann und Wülfrath sowie eine kulturelle Partnerschaft beider Städte kann er sich vorstellen. In der nächsten Woche trifft er sich mit mehreren Kollegen zum Gespräch.

Mettmann soll das Attribut kinderfreundlich bekommen

Seine Heimatstadt Mettmann möchte der Bürgermeister zum Mittelpunkt des Kreises machen, in die auch Menschen von auswärts gerne kommen. Günther: "Dafür brauchen wir ein besonders Einkaufserlebnis, das wir mit dem Königshof-Karree und der Königshof-Galerie bekommen. Die Innenstadt muss attraktiver werden, mit einer Oberstadt, in der Restaurants und Antiquitätenläden Kunden anlocken. Aber auch kulturell muss viel mehr gemacht werden." Außerdem möchte Günther die Stadt mit dem Attribut "kinderfreundlich" schmücken. Deshalb sei es wichtig U-3-Plätze zu schaffen. Erhöhungen der Kindergartengebühren lehnt er wie seine Partei ab.

Die Bürger sollen stärker eingebunden werden

Die Zusammenarbeit mit den Politikern und den Mitarbeitern im Rathaus beurteilt Günther als sehr gut. "Ich bin ein sehr offener und kommunikativer Mensch." Da nehme er sich auch mal Zeit für ein Pläuschchen im Rathausflur. Aber auch für Bürger, die Ideen für Mettmann haben. Überhaupt will Günther die Bürger stärker in wichtige Entscheidungen einbinden. Deshalb habe er keine Rede bei der Einbringung des Haushaltsplans 2010 gehalten - wofür er scharf kritisiert wurde. "Ich wollte nicht einfach eine Rede für den Rat halten. Ihm schien es wichtiger, "dass alle Mettmanner erfahren, was ich zu sagen habe". Das habe er mit seinem Grußwort zum neuen Jahr getan.

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