Immer wieder machen sich Tiere an der Lindenheide über den Grabschmuck her.

Mettmann. Die Gäste kommen ungebeten und bringen meist viel Hunger mit. "Die wissen, dass es hier gutes Futter gibt", sagt Claudia Ludwig. Ihre Gärtnerei liegt direkt am Friedhof Lindenheide.

Aus nächster Nähe bekommt sie mit, wenn Hasen und sogar Rehe sich über den Grabschmuck hermachen - oder Ludwig sieht zumindest die Folgen der Besuche, wenn ihre Arbeit zerstört ist, die Blumen rausgerissen sind. Eine Situation, die nicht nur die Gärtnerin, sondern auch die Angehörigen der Bestatteten seit langem ärgert.

"Wenn jemand sein Grab pflegt, sitzen die Hasen dabei und gucken zu."

Claudia Ludwig, Chefin der Friedhofsgärtnerei Filu

"Das sind ja auch keine Kaninchen oder kleine Häschen, sondern richtige Hasen, Kavenzmänner", sagt Ludwig. Mittlerweile seien die sogar fast zutraulich. "Wenn jemand sein Grab pflegt, sitzen die Hasen dabei und gucken zu. Nur fangen lassen sie sich nicht."

Zwar ist der Friedhof umzäunt, doch die Tiere finden trotzdem ihre Schlupflöcher, um an den für sie reich gedeckten Tisch zu kommen. Und dann helfen hin und wieder Chaoten auch noch nach. Zuletzt Ende März, als unbekannte Täter mit einem Bolzenschneider ein Loch in den Zaun schnitten.

Neue Zäune sollen die tierischen Nachbarn künftig abhalten

"Im Rat ist über dieses Thema schon gesprochen worden", erklärt Otto Kahm, der Leiter des Grünflächenamtes, und kündigt Abhilfe an. Neue Zäune sollen die tierischen Nachbarn abhalten. An einigen Stellen des Friedhofs wird der sogenannte Knotengeflechtzaun durch einen Stabgitterzaun ersetzt.

Seit Jahren ist der Wildfraß durch Hasen und Rehe ein Problem auf dem Friedhof Lindenheide. Die Tiere gelangen durch Schlupflöcher im Zaun auf das Gelände. Dort finden sie Nahrung und Unterschlupf.

Falkner Johann Seemayer schickte regelmäßig seinen Steinadler in die Lüfte, der die Hasen erschrecken (im Fachjargon "vergrämen") soll. Nach einer Pause wird der Greifvogel nun wieder im Einsatz sein.

Die Forderung, den Zaun zu erneuern, gibt es schon länger. Zuletzt stellte die SPD einen Antrag. Im Herbst sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

In Richtung Westen, also Stadt, in die der Friedhof in den nächsten Jahren wachsen wird, erhöhen die Arbeiter den Geflechtzaun von jetzt 1,60 Meter auf zwei Meter. "Der Auftrag ist bereits ausgeschrieben worden", so Kahm. Im Herbst soll der Neu- und Ausbau beendet sein.

Das dürfte auch Claudia Ludwig freuen. "Vor allem die Hasenplage ist wieder schlimmer geworden", sagt die Gärtnerin. "Das ist für mich schon ein finanzieller Schaden." Viele Kunden könnten gar nicht glauben, dass Tiere die Gräber verunstalten. "Die denken sogar, ich mache das." Auch Otto Kahm räumt ein: "Beschwerden gibt es noch."

Eigentlich sollte sich um die Hasen der Falkner Johann Seemayer kümmern. Der Mettmanner ließ seinen Steinadler sporadisch in den frühen Morgenstunden über das Gelände fliegen. "Der Greifvogel ist der natürliche Feind der Hasen. Seine Silhouette erschreckt die Tiere", erklärt Seemayer. Die Hasen nehmen reißaus. Eine Maßnahme, die erfolgreich war: die Zahl sank.

Das letzte Reh soll sich bereits "vom Acker gemacht haben"

In letzter Zeit durfte der Adler aber nicht fliegen, erst kürzlich bekam Seemayer die erneute Genehmigung. Nun soll der Vogel wieder seiner "Arbeit" nachgehen. "Er ist so dressiert, dass er die Hasen nicht jagt oder fängt. Das wäre auf dem Gelände auch gar nicht möglich."

Seemayer ist sich sicher, dass fast alle Hasen vertrieben werden können, wenn der Zaun steht. Wenn der Adler dann fliegt, werden die Schlupflöcher kurzzeitig geöffnet und die Tiere fliehen - so der Plan.

Und auch das letzte Reh soll sich bereits "vom Acker gemacht haben" - mit freundlicher Nachhilfe. Das Tier, das vermutlich auf dem Gelände lebte und praktisch eingeschlossen war, wurde buchstäblich rausgeschmissen. "Wir haben den Zaun an einer Stelle geöffnet, dann mit Kollegen das Reh herausgelockt, und gesehen, wie es durch das Loch raus ist", so Otto Kahm.

Wenn der Zaun im Herbst steht, sollen mit Hilfe des Steinadlers nach und nach auch alle anderen ungebetenen Gäste vertrieben werden - und Reh und Hase müssen sich neue Futterplätze suchen.

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