Seit sieben Jahren lebt Siegfried Ellsiepen mit einem Spenderherz. Er weiß, wie es Menschen geht, die Organe brauchen. Daher schenkt er jetzt herzkranken Kindern ein Stück Freiheit.

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Siegfried Ellsiepen (70) setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Menschen einen Organspendeausweis haben.

Siegfried Ellsiepen (70) setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Menschen einen Organspendeausweis haben.

Fries

Siegfried Ellsiepen (70) setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Menschen einen Organspendeausweis haben.

Mettmann. Als Siegfried Ellsiepen vor 25 Jahren zum Arzt ging, weil er sich nicht gut fühlte, da ahnte er noch nicht, dass er ein krankes Herz hat. Ein halbes Jahr musste sich der damalige Geschäftsführer des Schreibwarengeschäfts Bovensiepen nach der Diagnose Herzmuskelentzündung schonen, dann kam die erlösende Nachricht. "Sie können wieder arbeiten. Alles ist in Ordnung."

Doch 20 Jahre, nachdem der heute 70-Jährige dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen war, holte ihn die Vergangenheit wieder ein. Siegfried Ellsiepen war gerade in der Innenstadt unterwegs, als er starkes Herzrasen bekam. Mit letzter Kraft schleppte er sich in sein nur wenige hundert Meter entferntes Geschäft in der Mühlenstraße. "Heute weiß ich, dass wir sofort einen Notarzt hätten rufen sollen", sagt Ellsiepen. Doch erst am Abend, als sein Sohn den Ernst der Lage erkennt, kommt der Geschäftsmann ins Krankenhaus.

"Mein Immunsystem ist herabgesetzt. Ich gebe daher niemandem die Hand. Besonders schlimm ist, dass ich auch meine Enkelkinder nicht anfassen darf. Das ist der Preis dafür, dass ich eine zweite Chance bekommen habe."

Siegfried Ellsiepen (70) über das Leben nach der Tarnsplantation

Siegfried Ellsiepen wird in eine Spezialklinik in Bad Oeynhausen (Ostwestfalen) gebracht. Dort implantieren die Ärzte ihm einen Defibrilator, der mit Stromschlägen dafür sorgt, dass sein Herz bei einer Rhythmusstörung wieder im Takt schlägt. Ein halbes Jahr lebt er mit dem Gerät in seiner Brust, das ihn wieder ins Leben zurückholt. Dann kommt der alles entscheidende Anruf. Es gibt ein Spenderherz.

Doch Siegfried Ellsiepen schafft es nicht schnell genug in die Klinik, kommt ein paar Stunden zu spät. "Das Herz muss vier Stunden nach der Entnahme wieder schlagen, ich brauchte sechs Stunden", sagt Ellsiepen. Ein paar Wochen später passt dann aber alles. Er bekommt ein Spenderherz eingesetzt, darf schon drei Wochen später wieder nach Hause. Liebevoll nennt er das Organ "Anita".

Das Leben nach der Transplantation ist ein anderes. "Mein Immunsystem ist herabgesetzt. Ich gebe daher niemandem die Hand. Besonders schlimm ist, dass ich auch meine Enkelkinder nicht anfassen darf. Das ist der Preis dafür, dass ich eine zweite Chance bekommen habe." Unterstützung findet er in einer Selbsthilfegruppe für Organtransplantierte, die sich alle sechs Wochen in Mettmann trifft.

Die Kinder werden optimal versorgt, leben aber in völliger Isolation

Die jüngste Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Organ- und Gewebespende zeigt eine positive Entwicklung des Anteils derer, die einen Organspendeausweis besitzen. Hatten im Jahr 2001 noch 12 Prozent der Befragten einen Organspendeausweis ausgefüllt, waren es im Jahr 2008 17 Prozent. Diese Zahl steht aber immer noch Gegensatz zu dem Wunsch, im Notfall ein Organ für sich haben zu wollen. 98 Prozent der Bundebürger würden nämlich ein Organ in Anspruch nehmen.

1991 wurde die erste Selbsthilfegruppe für Transplantierte und deren Angehörige für den Raum Düsseldorf gegründet. Heute ist die Gruppe bundesweit organisiert.

Heute, sieben Jahre nach der Transplantation, führt Siegfried Ellsiepen ein fast normales Leben. Zwar hat sein Sohn mittlerweile die Geschäftsführung des Unternehmens übernommen, dennoch ist er fast jeden Tag im Büro.

Halbjährlich muss er noch in die Klinik zur Untersuchung. Und dort sieht er all die Kinder, die auf ein Organ warten. Viele sind auf eine Herz-Lungen-Maschine angewiesen, die durch einen Schlauch im Bauch das Blut in die kleinen Körper pumpt.

"Medizinisch werden die Kinder optimal betreut, aber sie leben ja in völliger Isolation", sagt Ellsiepen. Zu seinem 70. Geburtstag in diesem Jahr wünschte er sich daher statt Geschenken von Freunden und Bekannten Spenden für die Kinder. Über 1000 Euro kamen zusammen. "Ich wünsche mir, dass die Kinder damit die Möglichkeit bekommen, auch mal ein Eis essen zu gehen", sagt Ellsiepen.

Denn trotz aller Betreuung in der Klinik, gehören Ausflüge nicht zum Programm. "Das ist ja ein enormer Aufwand, der zusätzliches Geld kostet", sagt Ellsiepen. Und noch etwas ist ihm ein Anliegen. "Mir ist geholfen worden. Daher appelliere ich an alle, sich einen Spenderausweis zuzulegen. Denn wer nichts gibt, kann auch nichts verlangen."

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