Eine Spielekonsole bereichert den Alltag der Bewohner und fördert die Motorik.

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So wird’s gemacht: Nils (4) erklärt Felicitas Przyklenk (82, l.) und Marlies Ingenhoven (79) die Wii.

So wird’s gemacht: Nils (4) erklärt Felicitas Przyklenk (82, l.) und Marlies Ingenhoven (79) die Wii.

Stefan Fries

So wird’s gemacht: Nils (4) erklärt Felicitas Przyklenk (82, l.) und Marlies Ingenhoven (79) die Wii.

Mettmann. Felicitas Przyklenk (82) drückt die Fernbedienung. Gleich geht das Kegeln los. "Warte ich helfe Dir", ruft der vierjährige Nils, "du musst die Taste A drücken".

Gesagt, getan. Der Kegel rollt und Felicitas Przyklenk trifft. "Gut", rufen Roland Spazier, der stellvertretende Einrichtungsleiter des Caritas Stifts an der Schumannstraße, und Nina Maas, Ehrenamtliche und Gründungsmitglied des Vereins Lebensherbst, dem der große Bildschirm mit der Spielkonsole zu verdanken ist.

Der 2005 in Berlin gegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich für ältere und pflegebedürftige Menschen einzusetzen. "Das Caritas Altenstift hat von Anfang an deutlich den Bedarf an einem seniorengerechten Computer signalisiert", sagt Nina Maas. Weihnachten 2006 hat Lebensherbst den Bewohnern des Mettmanner Altenstifts einen Senioren-Computer geschenkt.

Der Senioren-PC trainiert die Feinmotorik und macht die Nutzung der Computertechnologie für Senioren und Menschen mit Alzheimer und anderen Formen von Demenz erfolgreich möglich.

"Das Spiel fördert die soziale Gemeinschaft."

Roland Spazier, stellvertretender Stiftsleiter

Jetzt überreichte Nina Maas den Bewohnern eine Wii-Spielekonsole und einen Flachbildschirm im Gemeinschaftsraum des Altenstifts. Beide Geräte wurden gesponsert. "Mein Neffe Nils erklärt den Senioren spielerisch, wie sie das Gerät bedienen", sagt Maas.

Die Bezeichung Wii ist aussprachegleich mit dem englischen "we" (zu deutsch "wir"). Es soll auch bedeuten, dass "wir" spielen - Senioren mit Enkeln.

Der Verein wurde 2005 in Berlin gegründet. Schirmherrin ist die Schauspielerin Mariella Ahrens, die sich für pflegebedürftige Menschen einsetzt.

Das Stift wird im nächsten Jahr 30 Jahre alt. Dann ist ein Umbau der Cafeteria vorgesehen. Gedacht ist, durch die Vergrößerung einen Mittagstisch auch für alle Interessierten, vor allem für die benachbarten Hausbewohner, anzubieten.

Zu Felicitas Przyklenk gesellt sich Marlies Ingenhoven (79). Sie hat früher einmal im Jahr zu Nikolaus gekegelt, im Klub ihres Mannes Hermann. "Ich habe auch mal alle Neune getroffen, war aber mehr Zufall", sagt sie lachend.

Das virtuelle Kegeln macht ihr Spaß. Derweil erklärt Nils: "Immer auf A drücken, noch mal, noch mal", ruft er aufgeregt und springt vor dem Flachbildschirm hin und her. Elisabeth Strucksberg (78) hat ihre helle Freude an dem Jungen. "Jetzt drücken Sie mal die beiden Knöpfe auf einmal, lassen sie los und schwingen den Arm nach vorn", sagt Nina Maas.

Elisabeth Strucksberg packt der Ehrgeiz. Sie wirft in die Vollen, die plötzlich nicht neun, sondern 100 Pins umfassen. Ein Kegel nach dem anderen fällt. "Das sind 95 Pins", ruft Nils. "Ganz toll", sagen Nina Maas und Roland Spazier, "jetzt räumen Sie den Rest noch ab". Die 78-Jährige schlägt sich wacker. "Das macht Spaß."

Spazier sagt: "Das Spiel fördert die soziale Gemeinschaft. Die Teilnehmer müssen sich absprechen." Zweimal in der Woche gibt es spezielle Übungszeiten. "Das Spiel strengt nicht an, man kann eine Tasse Kaffee dabei trinken", sagt Nina Maas. Es geht auch um Gedächtnistraining und die Förderung der Motorik.

Der große Bildschirm wird nicht nur zum Spielen genutzt. "Wir können hier Filme zeigen", sagt Spazier, "und Monsignore Theodor Buter zeigt hier seine Dias über Indien. Da freuen sich die Senioren und der Pastor sehr drauf".

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