Integration: Der geistig behinderte Bernd Müllers hat den Sprung auf den Arbeitsmarkt geschafft.

Bernd Müllers und seine Chefin Claudia Ludwig pflanzen Primeln.
Bernd Müllers und seine Chefin Claudia Ludwig pflanzen Primeln.

Bernd Müllers und seine Chefin Claudia Ludwig pflanzen Primeln.

Stefan Fries

Bernd Müllers und seine Chefin Claudia Ludwig pflanzen Primeln.

Mettmann. "Hallo Claudia", ruft Bernd Müllers (46) schon von weitem, als er seine Chefin Claudia Ludwig (42) sieht. "Guten Morgen Bernd", ruft sie zurück. Bernd Müllers hat es geschafft. Nach 16 Jahren in der Gärtnerei des Benninghofs, eine Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung, hat er den Sprung auf den Arbeitsmarkt geschafft.

Seit einem halben Jahr arbeitet er als Garten-Helfer in der Gärtnerei Filu am Friedhof Lindenheide. Bernd Müllers ist einer von drei festen Mitarbeitern für den Bereich Friedhofsgärtnerei. Mit seinen Kollegen erledigt er alles, was anfällt: Gräber pflegen, Hecken schneiden, Pflanzen setzen. Claudia Ludwig ist mit ihrem neuen Mitarbeiter zufrieden. "Er ist pünktlich, zuverlässig - er zieht mit", sagt seine Chefin.

Der kleine Betrieb, der 1986 von Claudia Ludwigs Vater Horst-Dieter Fischer gegründet wurde, arbeitet schon seit längerem mit der Gärtnerei des Benninghofs zusammen. Claudia Ludwig: "Dort werden für uns Pflanzen produziert und wir bekommen schon mal Mitarbeiter, die uns bei den Vorarbeiten der Grabpflege helfen."

Grünes Licht von Hephata und Integrationsfachdienst

Bei einem Praktikum ist ihr Bernd Müllers positiv aufgefallen. "Er hat alles sehr gut erledigt. Und der Bernd hat immer so fröhlich gelächelt." Für Claudia Ludwig stand dann fest, dass sie ihn gerne beschäftigen würde. Die evangelische Stiftung Hephata, die den Benninghof betreibt, stimmte zu. Und auch vom Integrationsfachdienst aus Düsseldorf gab es für Bernd Müllers neuen Job grünes Licht.

Claudia Ludwig: "Wir haben im Vorfeld über unseren neuen Mitarbeiter gesprochen. In einem kleinen familiären Betrieb klappen Dinge nur, wenn sie vorher besprochen werden." Niemand hatte Berührungsängste. "Und inzwischen schätzen alle den Bernd wegen seiner angenehmen Art. Er passt gut in unser Team"

So wie Bernd Müllers haben in den vergangenen zwei Jahren im Rheinland 50 Menschen mit Behinderung den Übergang von der Werkstatt auf den Arbeitsmarkt geschafft. Unternehmen, die Menschen mit Behinderungen beschäftigen, werden vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) finanziell über fünf Jahre unterstützt. Der Integrationsfachdienst steht den Unternehmen zudem mit Rat und Tat zur Seite.

Der LVR finanziert Rheinland-weit rund 27 000 Werkstatt-Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Im Schnitt kostet ein Arbeitsplatz rund 15 000 Eurojährlich. Jede Vermittlung auf den Arbeitsmarkt, so der LVR, spart Sozialkosten und damit Steuergelder.

Die evangelische Stiftung Hephata begleitet derzeit mehr als 2500 Menschen mit Behinderung in 23 Orten in NRW, unter anderem in Mettmann, mit Angeboten zum Wohnen, zum Arbeiten sowie zur Bildung und Beratung. Auf dem Benninghof unterhält die Stiftung Werkstätten, eine Gärtnerei und einen landwirtschaftlichen Betrieb, in denen Menschen mit Behinderungen arbeiten.

Dass sie für ihren neuen Mitarbeiter vom Landschaftverband Rheinland (LVR) finanzielle Hilfe bekommt, ist hilfreich. "Für ein Kleinunternehmen ist das ein guter Weg, dass man so unterstützt wird."

Um mehr Werkstatt-Beschäftigten mit Behinderung in eine Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen, fördert der LVR solche Maßnahmen nicht nur finanziell, sondern steht den Betrieben auch beratend und begleitend zur Seite. Der Arbeitgeber erhält drei Jahre lang monatlich einen 400-Euro-Zuschuss zu den Personalkosten, im vierten und fünften Jahr gibt es dann noch jeweils 200 Euro.

"Mit diesem Projekt verfolgen wir ein doppeltes Ziel", sagt Martina Hoffmann-Badache, Sozialdezernentin beim LVR: "Erstens wollen wir die Teilhabe von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt fördern. Zweitens können wir Steuermittel bei Werkstatt-Arbeitsplätzen einsparen, wenn die berufliche Integration gelingt."

Bernd Müllers wohnt in einer Außenwohngruppe des Benninghofs an der Bahnstraße in Mettmann. Bevor er sich morgens in den Bus setzt, um zur Arbeit zu fahren, trinkt er auf der Poststraße erst einmal einen Kaffee. Die Arbeit an der frischen Luft schätzt er besonders, erzählt er. "Ich mag die Arbeit mit Blumen und Pflanzen. Am liebsten schneide ich Hecken", so Müllers. Er fühlt sich einfach pudelwohl in der Gärtnerei Filu.

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