San Felice Circeo und Mettmann fundamentieren auf ihren bedeutenden Knochenfunden eine Städtepartnerschaft.

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Bürgermeister Vincenzo Cerasoli (l.) und Bürgermeister Bodo Nowodworski haben den Weg für eine neue Städtepartnerschaft besiegelt.

Bürgermeister Vincenzo Cerasoli (l.) und Bürgermeister Bodo Nowodworski haben den Weg für eine neue Städtepartnerschaft besiegelt.

Stefan Fries

Bürgermeister Vincenzo Cerasoli (l.) und Bürgermeister Bodo Nowodworski haben den Weg für eine neue Städtepartnerschaft besiegelt.

Mettmann. Von der Küste des Tyrrhenischen Meeres, aus dem italienischen Städtchen San Felice Circeo, sind Bürgermeister Vincenzo Cerasoli und eine kleine Delegation aus Politik und Verwaltung angereist, um eine Freundschaft mit Mettmann zu begründen, die auf Knochen gebaut werden soll. Aber nicht auf irgendwelchen Knochen, sondern auf den Überresten des Neandertalers.

"Ich habe gefühlt, dass in San Felice Circeo und in der Grotte, in der unser Neandertaler gefunden wurde, jemand gelächelt hat."

Vincenzo Cerasoli, Bürgermeister von San Felice Circeo, nachdem er die Erklärung zur künftigen Zusammenarbeit unterschrieben hat.

83 Jahre nach dem spektakulären Neandertaler-Fund an der Düssel entdeckten im Jahre 1939 Arbeiter in einer Grotte nahe San Felice Circeo einen gut erhaltenen, rund 50 000 Jahre alten Schädel des Homo neanderthalensis.

Vor einem guten Jahr wurde an Bürgermeister Bodo Nowodworski erstmals der Wunsch aus San Felice Circeo herangetragen, aufgrund der bedeutenden Neandertalerfunde in beiden Städten eine Paten-, wenn nicht gar eine Partnerschaft einzuleiten.

Die anfänglich mitteleuropäische Zurückhaltung gegenüber dem italienischem Wunsch ist mittlerweile einer südländischen Euphorie gewichen. Nachdem im Mai dieses Jahres eine Stadtdelegation aus Rat und Verwaltung in San Felice Circeo weilte, sind alle Zweifel ausgeräumt, und der Weg für eine Partnerschaft besiegelt worden.

Im Rathaus umarmten sich am Freitag Morgen Bürgermeister Cerasoli und Horst-Dieter Fischer, Mettmanns stellvertretender Bürgermeister, wie alte Freunde. Die knöcherne Brücke des Neandertalers, die beide Städte verbinden soll, trägt schon. "Dort unten ist es traumhaft", schwärmen Fischer und UBWG-Chef Hans-Günther Kampen sowie Nils Lessing, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, immer noch von ihrer Reise im Mai ans Tyrrhenische Meer, die sie aus eigener Tasche gezahlt haben.

San Felice Circeo ist eine kleine Stadt (8000 Einwohner) in der Provinz Latium, direkt am Tyrrhenischen Meer. Die Kleinstadt liegt rund 99 Kilometer südlich von Rom. Im Circeo-Nationalpark gibt es rund 60 Grotten und Höhlen, in denen Knochenfunde von Neandertalern gemacht wurden. Der Schädelfund von 1939 stammt von einem rund 50 000 Jahre alten Neandertaler. Circeo geht auf die Zauberin Circe aus der griechischen Mythologie zurück, die in San Felice die Mannschaft von Odysseus in Schweine verwandelt haben soll.

Die Grotte, in der die Überreste des italienischen Neandertalers entdeckt wurden, "sie existiert immer noch und ist wunderschön", sagt Bürgermeister Nowodworski. In San Felice Circeo gibt es jedoch nur ein kleines, privat geführtes Neandertaler-Museum, "das kaum an unser altes Museum heranreicht", so Nowodworski. Gleichwohl, so hat Gerd-Christian Weniger, Leiter des Mettmanner Neanderthal Museums, bestätigt, ist der Fund aus San Felice Circeo "wissenschaftlich sehr bedeutsam".

Bürgermeisterkette und Schärpe in den italienischen Farben

Von der Partnerschaft mit Mettmann erhoffen sich die Italiener nicht nur einen kulturellen, sondern auch einen touristischen und wirtschaftlichen Aufschwung für ihre 8000 Einwohner zählende Stadt, die rund 100 Kilometer südlich von Rom liegt.

Für die feierliche Unterzeichnung über die künftige Zusammenarbeit im festlich geschmückten Sitzungssaal des Rathauses hatte Bürgermeister Nowodworski die Bürgermeisterkette und sein Amtskollege Cerasoli eine Schärpe in den italienischen Farben Grün, Weiß, Rot, angelegt.

Danach wurde gearbeitet. Die Gäste entsandten neben ihrem Bürgermeister noch Nicola Ceccato (stellvertretender Bürgermeister), Giuseppe Federici (Ratsmitglied), Roberto Cicconi (Fremdenverkehrsamt) und Giuseppe Stolfa (Nationalparkverwaltung) in eine deutsch-italienische Arbeitsgruppe, die am Freitag erstmals zusammenkam. Für Mettmann sitzen unter anderem Gerd-Christian Weniger und Bernd Günter vom Stadtmarketing-Arbeitskreis "Neanderthal-Stadt Mettmann" in dem Gremium.

Der Besuch des Heimatfestes stand natürlich Freitag Abend auf dem Programm der italienischen Gäste.

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