Die Ausladung Andersgläubiger zur Eucharistiefeier durch Kaplan Büthe sorgt für Ärger.

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Pfarrer Christian Kreuzberg, Pfarrer Ernst Schmidt und Pfarrer Winfried Motter (v.l.) beim Neujahrsgottesdienst in St.Lambertus. Von 2000 bis 2006 haben katholische und evangelische Christen dort einen Gottesdienst gefeiert. Dann wurde diese Mettmanner Tradition vom Erzbistum Köln untersagt, weil nach einem Beschluss der deutschen Bischofskonferenz keine ökumenischen Gottesdienste gefeiert werden dürfen. (Archiv

Pfarrer Christian Kreuzberg, Pfarrer Ernst Schmidt und Pfarrer Winfried Motter (v.l.) beim Neujahrsgottesdienst in St.Lambertus. Von 2000 bis 2006 haben katholische und evangelische Christen dort einen Gottesdienst gefeiert. Dann wurde diese Mettmanner Tradition vom Erzbistum Köln untersagt, weil nach einem Beschluss der deutschen Bischofskonferenz keine ökumenischen Gottesdienste gefeiert werden dürfen. (Archiv

Jürgen Venn

Pfarrer Christian Kreuzberg, Pfarrer Ernst Schmidt und Pfarrer Winfried Motter (v.l.) beim Neujahrsgottesdienst in St.Lambertus. Von 2000 bis 2006 haben katholische und evangelische Christen dort einen Gottesdienst gefeiert. Dann wurde diese Mettmanner Tradition vom Erzbistum Köln untersagt, weil nach einem Beschluss der deutschen Bischofskonferenz keine ökumenischen Gottesdienste gefeiert werden dürfen. (Archiv

Mettmann. Die Familienmesse Heiligabend in St. Lambertus sorgt in der Stadt für Diskussionen. Kaplan Andreas Büthe soll nur die katholischen Christen zur Eucharistiefeier und Kommunion eingeladen haben, was bei vielen Gottesdienstbesuchern für ernsthafte Irritationen gesorgt haben soll.

Mittlerweile ist die Debatte beim ökumenischen Arbeitskreis angekommen, dem auch Pfarrer Klaus Schilling von der Evangelischen Kirchengemeinde Mettmann angehört. "Beim gestrigen Treffen des Arbeitskreises sollte der ökumenische Gottesdienst morgen Abend vorbereitet werden. Das Gespräch nahm dann aber doch schnell eine andere Wendung", so Pfarrer Schilling. Denn offensichtlich sind viele Mitglieder des Arbeitskreises, darunter gemischt-konfessionelle Ehepaare, verärgert über die Ereignisse während der Familienmesse in St. Lambertus.

"Ich hätte nicht mit einer so tiefen Verletzung gerechnet", sagt Schilling. Vor allem die Mitglieder der evangelischen Gemeinde fühlten sich in ihrer Ernsthaftigkeit nicht verstanden und in einen Topf geworfen mit denjenigen, für die der Gottesdienst zu Heiligabend einem bloßen Event gleiche.

"Es muss eine theologische Klärung geben."

Klaus Schilling, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde

Aber auch die katholischen Mitglieder des Arbeitskreises hätten mit Unverständnis reagiert. "Das hat für große Unruhe gesorgt", glaubt Pfarrer Schilling. Es habe sogar Überlegungen gegeben, die Mitwirkung des ökumenischen Arbeitskreises beim Gottesdienst morgen abzusagen. Letztlich habe man sich dann aber doch anders entschieden. "Aber die Sache schwelt natürlich im Hintergrund. Es muss eine theologische Klärung geben. Dafür werden wir das Gespräch mit Kreisdechant Bosbach und Kaplan Büthe suchen."

Pfarrer Schilling hofft, dass sich die Wogen dann glätten werden. Zumal die Ausladung der Andersgläubigen von der Eucharistiefeier in anderen Bistümern nicht mit der gleichen Vehemenz durchgeführt werde wie in Mettmann. "Es ist zwar die geltende römisch-katholische Lehre, aber es wird nicht überall so ausgesprochen wie an Heiligabend in St. Lambertus", weiß der evangelische Seelsorger.

"Ich habe das alles nicht so dramatisch empfunden, wie es dargestellt wird."

Dirk Wermelskirchen, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der drei katholischen Gemeinden Mettmanns

Die Evangelische Kirchengemeinde und die katholischen Pfarrgemeinden laden Donnerstagabend um 19 Uhr zu einem ökumenischen Gottesdienst in die evangelische Kirche Freiheitstraße ein.
Pfarrer Klaus Schilling und Kreisdechant Markus Bosbach gestalten den Gottesdienst mit dem Ökumenischen Arbeitskreis.
Anschließend laden die Gemeinden zum Neujahrsempfang ins Kaplan-Flintrop-Haus, dem Gemeindezentrum von St. Lambertus an der Lutterbecker Straße ein.

Von 2000 bis 2006 haben katholische und evangelische Christen in St. Lambertus einen ökumenischen Gottesdienst in St. Lambertus gefeiert.
Diese Mettmanner Tradition wurde dann vom Erzbistum Köln untersagt. Es gebe einen Beschluss der deutschen Bischofskonferenz, nach dem an Sonn- und Feiertagen keine ökumenischen Gottesdienste gefeiert werden dürften.
Aus der Tradition heraus würden an Sonn- und Feiertagen die Gemeindemitglieder zum Herrenmahl, zur Eucharistiefeier, eingeladen. Das gemeinsame Abendmahl von Protestanten und Katholiken verbiete die katholische Kirche.

Dirk Wermelskirchen, Vorsitzender des neu gewählten Pfarrgemeinderates für alle drei katholischen Gemeinden, war Heiligabend auch in der Familienmesse in St. Lambertus. "Ich habe das alles nicht so dramatisch empfunden, wie es dargestellt wird", sagte Wermelskirchen gestern im WZ-Gespräch. Dass sich durch die Äußerungen des Kaplans Menschen ausgegrenzt gefühlt haben, kann er selbst nicht nachvollziehen. "Aber das mag jeder anders verstanden und interpretiert haben."

In der katholischen Kirche werde niemand zurückgewiesen, der zur Kommunion komme. "Wir sind eine offene Kirche." So sei die katholische Kirche bestrebt, die Ökumene weiter voranzubringen. Wermelskirchen: "Da gibt es gute Traditionen wie den ökumenischen Neujahrsgottesdienst und Neujahrsempfang morgen Abend." Gleichwohl, räumt er ein, müssten noch große Schritte gemacht werden, um die Ökumene zu verbessern. Deshalb habe der im November neu gewählte Pfarrgemeinderat das Thema Ökumene Ende Januar auf die Tagesordnung gehoben, "und das schon vor Heiligabend."

"Ich hab’ nicht mehr das Gefühl, dass ich in einem katholischen Gottesdienst willkommen bin."

Martina Müschenich, Mitglied des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Mettmann

Für Martina Müschenich, Mitglied im Presbyterium der Evangelischen Kirche und im ökumenischen Arbeitskreis, ist es ein Unding, dass Menschen zu einem Gottesdienst eingeladen werden, dann zum Abendmahl aber nicht willkommen sind. "So was geht meiner Meinung überhaupt nicht", sagt sie. Bei allen Bekenntnissen auf katholischer und evangelischer Seite zur Ökumene kann sie auf katholischer Seite keine großen Bemühungen erkennen, weiter aufeinander zuzugehen.

Martina Müschenich: "Im ökumenischen Arbeitskreis gibt es keine adäquate Begleitung durch einen katholischen Geistlichen mehr." Außerdem dürfe sie nicht mehr wie früher als evangelisches Gemeindeglied an der Firm- und Kommunionvorbereitung mitmachen. "Und ich hab’ nicht mehr das Gefühl, dass ich in einem katholischen Gottesdienst willkommen bin", sagt sie. Martina Müschenich ist mit dem Tierarzt Martin Müschenich verheiratet. Ihr Mann ist katholisch.

Pfarrer und Kreisdechant Markus Bosbach konnte gestern für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

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