Die 24-jährige Erkratherin hat mit ihren Installationen den Jury-Preis der LOKart gewonnen.

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Aus alten Katalogen entstehen Laura Ohlendorfs Installationen wie „Iconic Turn“.

Aus alten Katalogen entstehen Laura Ohlendorfs Installationen wie „Iconic Turn“.

Dirk Thomé

Aus alten Katalogen entstehen Laura Ohlendorfs Installationen wie „Iconic Turn“.

Hochdahl. Kunst ist brotlos. So war es bereits vor hundert Jahren, und so ist es oftmals heute noch. Wer sich dennoch für die Kunst entscheidet, muss damit leben können - oder reich heiraten, wie man so schön sagt. Für die Siegerin des diesjährigen LOKArt-Jurypreises, Laura Ohlendorf, ist letzteres jedenfalls nicht der Weg, den sie gehen möchte.

Deshalb hat die 24-Jährige Kompromisse gemacht: Sie studiert nicht nur Kunst, sondern zusätzlich noch Mathematik, um später als Lehrerin arbeiten zu können. "Ich möchte selbstständig und unabhängig bleiben", sagt sie über ihre Zukunftspläne, die sie mit Konsequenz verfolgt. Dass es irgendwie mit Kunst weitergehen sollte, wusste die selbstbewusste Nachwuchskünstlerin bereits, als sie nach der 10.Klasse vom Gymnasium auf das Wuppertaler Berufskolleg wechselte, um dort eine gestaltungstechnische Ausbildung und gleichzeitig ihr Abitur zu absolvieren. "Der Kunstunterricht am Gymnasium war einfach schlecht. Der Lehrer hat oft einen Plausch mit Kollegen vorgezogen, statt uns etwas beizubringen", erinnert sich Ohlendorf.

Der Lehrer inspirierte zur Wahl eines künstlerischen Berufs

Auf dem Berufskolleg ging es dann ganz anders weiter: "Es wurde zwar kreativ, aber sehr viel mit dem Computer gearbeitet." Das sei auch nicht wirklich ihr Ding gewesen, wie Laura Ohlendorf heute sagt. Einer ihrer Lehrer habe sie jedoch sehr inspiriert und gefördert, so dass sie sich schließlich doch für eine berufliche Zukunft in der Kunstwelt entschieden hat. Wo sie ihr Weg hinführen wird, weiß Laura Ohlendorf allerdings noch nicht so ganz genau. "Ich würde gerne unterrichten - aber vielleicht nur mit einer halben Stelle, damit ich nebenher noch meine eigenen Sachen machen kann", sagt sie. Der LokArt-Jurypreis dürfte sie in diesem Vorhaben zumindest besonders bestärkt haben.

Schließlich wagte sich die Erkratherin mit der Teilnahme an der bekanntesten Kunstausstellung der Stadt zum ersten Mal jenseits von Gruppenausstellungen mit Kommilitonen in die Öffentlichkeit. Dass dieser erste Schritt gleich ein so erfolgreicher werden könnte, hatte sie nicht erwartet. "Ich bin bei der Preisverleihung mit schlotternden Knien nach vorn gegangen", gesteht sie. Ihre Installationen aus zerschnittenen Katalogen, teilweise in Schaukästen angebracht und hinterleuchtet, haben offenbar Eindruck hinterlassen und werden nun das Thema der Einzelausstellung sein, die sie als Gewinnerin des Jurypreises in der Kreissparkasse ausrichten darf.

Nicht zaghaft, sondern mit Hilfe einer Motorsäge geht Ohlendorf vor

Dafür schmiedet Laura Ohlendorf auch schon Pläne, die alles andere als vorsichtig und behutsam zu sein scheinen: Mit einer Kettensäge möchte sie in der Garage ihrer Eltern, in der sie derzeit an ihren Werken arbeitet, ihre Katalogskulpturen bearbeiten. Freunde sind schon eingeweiht, keine Kataloge und Telefonbücher mehr wegzuwerfen. Den hinterlassenen Gegenständen des Alltags ein Eigenleben zu schaffen, das die Zeit überdauert - das ist der Gedanke, von dem sich Laura Ohlendorf bei ihrer Arbeit leiten lässt. "Ich möchte nur Denkanstöße geben, ich mache die Trends ja auch selbst mit", sagt die junge Künstlerin. Zweifel daran, dass die Kunst ein Irrweg sein könnte, kommen dem aufmerksamen Beobachter bei so viel Zielstrebigkeit und Selbstvertrauen jedenfalls nicht auf.

war eine von 21 Künstlern und Künstlerinnen, die bei der diesjährigen LOkArt ihre Werke ausgestellt haben. Die 24-Jährige, die in Wuppertal Kunst und Mathematik auf Lehramt studiert, hat auf Anhieb den Jurypreis gewonnen und kann nun eine Einzelausstellung in der Kreissparkasse ausrichten.

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