Kirchenasyl: Die Evangelische Gemeinde Hochdahl beherbergt fünf Menschen, die aus Afghanistan geflüchtet sind.

Groß war am Dienstag das Medieninteresse, als die afghanische Familie ihre Geschichte erzählte.
Groß war am Dienstag das Medieninteresse, als die afghanische Familie ihre Geschichte erzählte.

Groß war am Dienstag das Medieninteresse, als die afghanische Familie ihre Geschichte erzählte.

Dirk Thomé

Groß war am Dienstag das Medieninteresse, als die afghanische Familie ihre Geschichte erzählte.

Hochdahl. Die evangelische Kirchengemeinde Hochdahl hat zurzeit Gäste. Sie werden beherbergt, versorgt - und sie werden geschützt. Es sind keine normalen Besucher.

Der fünfköpfigen Familie, die seit dem 25. Januar an einem geheim gehaltenen Ort in Hochdahl wohnt, droht die Abschiebung nach Italien und von dort aus weiter nach Afghanistan. Daher hat Pfarrer Volker Horlitz entschieden, der Familie Kirchenasyl zu gewähren.

Denn zurück nach Afghanistan wollen Mutter Mari Sh. (34), ihr Lebenspartner Nahidullah Y. (24) sowie die Töchter Sonya (17), Sameera (10) und Sohn Soheil (15) nie mehr. Haben sie doch ihr Leben riskiert, um das Land hinter sich zu lassen, in dem sie das Grauen kennen gelernt haben.

Radikale Taliban töten den Vater und den Großvater

Am Dienstag stellte sich die Familie erstmals der Öffentlichkeit. Sonya, die eine neunte Klasse des Gymnasiums Hochdahl besucht, und bereits gut Deutsch spricht, erzählte vom Mord an ihrem Vater und Großvater, berichtete davon, Augenzeugin eines Überfalls radikaler Taliban auf ihre Mutter geworden zu sein.

"Sie haben ihr den Arm gebrochen. Dann haben sie sie mit Benzin überschüttet und angezündet." Die Narben auf der Haut der Frau sind verheilt, psychisch ist sie durch die Folter schwer traumatisiert. Über die Misshandlungen, die sie selbst erlitten hat, schweigt Sonya. Gutachter gehen davon aus, dass Mutter und Tochter versuchen würden, sich im Fall der Abschiebung das Leben zu nehmen. Sie werden therapeutisch betreut.

Sechs Monate liegt das zurück. Es war die Strafe der Taliban für das aus ihrer Sicht pro-westliche Verhalten der Familie. Mutter Mari Sh. arbeitete in Afghanistan als Schauspielerin. Dass in einem Film ein Stück ihrer Schulter und ihre nicht bekleideten Knöchel zu sehen waren, genügte den radikalen Taliban, um die Familie töten zu wollen.

Die Flucht endet nach drei Monaten im Übergangsheim Thekhaus

Im August flüchteten die Fünf aus dem Land. Auf den Ladeflächen von Lastwagen und auf Schiffen erreichten sie im Dezember Deutschland. Nach kurzem Aufenthalt in einem Auffanglager wurden sie Erkrath zugewiesen. Das Sozialamt brachte sie im Übergangsheim Thekhaus unter.

Als die Familie am 19. Januar den Abschiebungsbescheid erhielt, war es Erika Koch von der Flüchtlingshilfe, die alle Hebel in Bewegung setzte, um dieses Schicksal abzuwenden. Sie kontaktierte Rechtsanwalt Peter Knitsch, sprach mit dem Leiter des Gymnasiums Hochdahl, Dieter Smolka, an dessen Schule Sonya in die neunte Klasse geht. Koch: "Als ich die Familie kennen lernte, war auffallend, dass die Kinder unbedingt in die Schule wollten." Das sei nicht üblich. Soheil besucht die Carl-Fuhlrott-, Sameera die Sechseckschule.

Um die Abschiebung zu verhindern, hat Anwalt Peter Knitsch Anträge beim Ausländeramt des Kreises Mettmann und beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestellt sowie vorsorglich eine Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. "Ich hoffe auf eine positive Entscheidung, dass das Asylverfahren in Deutschland und nicht in Italien durchgeführt wird", sagt er.

Bis dahin gewährt die Gemeinde weiterhin Asyl. Die Tafel versorgt die Familie täglich mit Essen, die drei Frauen der Flüchtlingshilfe sind ebenfalls um ihr Wohlergehen bemüht. Pfarrer Horlitz rechnet mit einer "breiten Zustimmung, dass wir helfen", wenn über das Kirchenasyl berichtet wird. "Wir wollen den Menschen einen Schutzraum gewähren", sagt er.

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