Eine Expertin für Denkmäler forscht in der Antonius-Kapelle neben Gut Schlickum nach alten Gemälden.

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Von alten Bäumen umrahmt, steht die Antonius-Kapelle neben dem Gut Schlickum in Hochdahl.

Von alten Bäumen umrahmt, steht die Antonius-Kapelle neben dem Gut Schlickum in Hochdahl.

Dirk Thomé

Von alten Bäumen umrahmt, steht die Antonius-Kapelle neben dem Gut Schlickum in Hochdahl.

Hochdahl. Sie ist ein Kleinod, die Antonius-Kapelle neben dem Gut Schlickum. Inmitten groß gewachsener Bäume verbirgt sich das alte Gemäuer, dessen Geschichte einige Jahrhunderte zurückreicht.

1506 erstmals urkundlich genannt, gehen die Ursprünge der kleinen Kirche, die der ehemalige Besitzer von Gut Schlickum, Johann Baumann, der Katholischen Kirchengemeinde Hochdahl schenkte, vermutlich weit über den Zeitpunkt der ersten Erwähnung hinaus.

Die Gemeinde macht sich nun seit ein paar Monaten Gedanken darum, wie man die Kapelle aus dem Dornröschenschlaf wecken könnte. Deshalb reiste jetzt mit Sigrun Heinen eine Expertin vom Amt für Denkmalpflege des Landesverbandes Rheinland (LVR) an, um sich das historische Gebäude genauer anzuschauen.

Geschichtsforschung mit Hammer und Meißel

Mit Hammer und Meißel ging die Restauratorin zu Werke, da es innerhalb der Gemeinde nach wie vor Vermutungen gibt, dass sich unter dem Putz alte Gemälde verbergen könnten. "Wenn manche Erkrather sich mit geschlossenen Augen an ihre Kindheit erinnern, dann taucht rechts neben dem Altar ein Ritterbild auf", erzählt Achim Ansmann, der sich mit Mitstreitern der Kirchengemeinde in die Geschichte der Kapelle vertieft hat.

Deshalb sollten die Untersuchungen Gewissheit darüber bringen, was sich womöglich unter dem Putz verbirgt. Doch weder im Sockelbereich neben dem Altar noch in Höhe der Decke wurde Sigrun Heinen fündig.

1506 wird das Gut Schlickum mit einer Kapelle ausgestattet, die als Ziegelbau auf einem künstlichen Hügel errichtet. Sie hat zunächst sogar einen eigenen Priester und wird - nach den Wirren der Reformation - später von Erkrath aus versorgt. Anfang des 18. Jahrhunderts kaufen die Reichsgrafen von Nesselrode Haus Brück (in Alt-Erkrath) und Schlickum und bauen das alte Gut wieder auf. In den Berichten wird 1735 auch die Kapelle genannt. Es bleibt unklar, ob es sich dabei um die alte Kapelle von 1506 handelt, die erneuert wurde, oder ob die Kapelle ganz neu errichtet wurde. Beobachtungen am Baukörper lassen vermuten, dass die alte Kapelle renoviert und umgebaut wurde. Seit dieser Zeit ist sie unverändert geblieben. Im Zuge der Ausgrabungen im Neandertal erfuhr der Kapellenhügel der Schlickumer Kapelle reges historisch-romantisches Interesse: Man vermutete die Überreste römischer Legionäre aus der Zeit der Varus Schlacht in diesem Grabhügel. Bei Ausgrabungen 1965 wurden Bodenverfärbungen gefunden, die auf Begräbnisse in der Zeit zwischen 900 bis 1100 schließen lassen. 1963 schenkte der Besitzer von Gut Schlickum, Johann Baumann, die Kapelle der Katholischen Kirchengemeinde Hochdahl. Eine Tafel im Innern der Kapelle erinnert noch daran. 1965 wurde die Kapelle gründlich renoviert. Seitdem wird sie in den Sommermonaten einmal in der Woche (mittwochs, 8 Uhr) für den Gemeindegottesdienst genutzt.

"Oft wurde der Sockel mit Ölfarben gestaltet. Aber hier ist das entweder nicht so gewesen, oder die Farbe wurde vor dem neuen Putz entfernt", vermutet die Restauratorin. Auch Bauunternehmer Meinhard Sucker kann sich eine weiße Wand nicht vorstellen: "Vermutlich wurde vor dem Verputzen etwas abgeklopft."

Ideen gibt es viele - Finanzmittel deutlich weniger

Bei der Kirchengemeinde wartet man nun die Stellungnahme der Restauratorin ab, bevor über den Fortgang der Arbeiten entschieden wird. "Wir haben noch kein Konzept für die Finanzierung. Das hängt auch davon ab, was getan werden muss, um die Substanz zu erhalten", erklärt Pfarrer Christoph Hittmeyer die Pläne der Gemeinde.

Er könnte sich auch eine neue Beleuchtung vorstellen. "Aber dafür brauchen wir einen Sponsor", so Hittmeyer. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, muss ohnehin überlegt werden, was an Umbaumaßnahmen möglich ist.

Vor allem die Stockflecken an den Wänden machen dem Pfarrer und der Gemeinde Sorgen. "In der Vergangenheit wurde an der Fassade mit falschen Farben gearbeitet, deshalb gibt es jetzt Probleme mit der Feuchtigkeit. Womöglich macht es Sinn, im äußeren Sockelbereich den Putz abzuschlagen und die Natursteinmauern freizulegen, um dieses Problem zu lösen", meint die Erkrather Denkmalschutzbeauftragte, Dagmar Kuntner.

Auf jeden Fall soll die kleine Kapelle wieder so hergerichtet werden, dass Brautpaare Lust bekommen, sich dort das Ja-Wort zu geben. Neben den wöchentlichen Gottesdiensten soll es zukünftig auch mehr Aktivitäten in und um die Kapelle herum geben.

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