Zwischen Museumsverein und Politikern ist ein Streit darüber entbrannt, wo die historische Seilzuganlage stehen soll.

Noch steht sie am S-Bahnhof. Auf Wunsch des Museumsvereins soll die Umlenkrolle jedoch vor dem Lokschuppen aufgestellt werden.
Noch steht sie am S-Bahnhof. Auf Wunsch des Museumsvereins soll die Umlenkrolle jedoch vor dem Lokschuppen aufgestellt werden.

Noch steht sie am S-Bahnhof. Auf Wunsch des Museumsvereins soll die Umlenkrolle jedoch vor dem Lokschuppen aufgestellt werden.

Dirk Thomé

Noch steht sie am S-Bahnhof. Auf Wunsch des Museumsvereins soll die Umlenkrolle jedoch vor dem Lokschuppen aufgestellt werden.

Hochdahl. Die Umlenkrolle vereint die politischen Geister Erkraths. "Denkmäler gehören dahin, woran sie erinnern. Und sie sollen möglichst vielen Menschen zugänglich sein - das ist beim Museumsgelände nicht der Fall", sagte Peter Knitsch (Bündnisgrüne), auf der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung.

"Die Verlagerung ist für den Museumsverein eine gute Sache, aber der Ablauf ist nicht in Ordnung gewesen", ergänzte SPD-Fraktionsvorsitzender Detlef Ehlert. Und auch Helmut Rohden (CDU) ist der gleichen Meinung: "Es wäre sinnvoller, die Rolle an ihrem jetzigen Standort zu lassen und mit einem Schild auf den Lokschuppen hinzuweisen." Meinhard Sucker, der den Radkasten 1986 im Gleisbett gegenüber des alten Hochdahler Bahnhofgebäudes gefunden hat, nennt das Vorhaben gar "eine Entweihung eines historischen Denkmals".

"Das ist ein Sturm im Wasserglas, ein Schauspiel. Haben Erkraths Politiker keine wichtigeren Dinge zu tun?"

Udo Kampschulte, Vorsitzender des Museumsvereins

Der Hintergrund: Die Umlenkrolle half bis 1926 den Lokomotiven bei der Überwindung von 81,60 Meter Höhenunterschied zwischen Erkrath und Hochdahl - der steilsten Eisenbahnstrecke Europas - über den Berg. Nachdem sie zunächst ihren Platz am S-Bahnhof in Alt-Erkrath fand, zog sie 1987 um an ihren heutigen Standort. Der soll sich in naher Zukunft nochmals ändern.

Die Rolle - im Besitz der Deutschen Bahn - soll künftig auf dem Gelände des Lokschuppens am Ziegeleiweg stehen. "Wir wollen sie so originalgetreu wie möglich aufstellen", sagt Udo Kampschulte, Vorsitzender des Eisenbahn- und Heimatmuseumsvereins und Pressesprecher der Deutschen Bahn. So, wie sie jetzt aufgestellt sei, würde sie sich nicht nur jeglichem Verständnis des Betrachters entziehen, sondern auch regelmäßig das Opfer von Graffitikünstlern.

Damit die Installation nicht für Besucher unsichtbar im Erdreich verschwindet, soll auf dem Lokschuppen-Gelände eine Treppe in einen nachgebauten Gewölbekeller führen. Außerdem sollen Plakate die Funktion der Anlage erläutern. "Die Deutsche Bahn und wir vom Verein sind überzeugt, dass der neue Standort sinnvoller ist. Das Museum hat jährlich rund 10000 Besucher und ist außer dienstags frei zugänglich. Auch der Oberkonservator des Landschaftsverbandes war vor Ort und ist einverstanden", so Kampschulte.

Dass es noch keine konkreten Pläne für die Umsetzung des Denkmals gibt, liege lediglich am Zeitmangel und habe nichts mit dem politischen Widerstand zu tun. "Es ist amüsant, dass sich bis jetzt über Jahrzehnte niemand um dieses Denkmal gekümmert hat. Das ist ein Sturm im Wasserglas, ein Schauspiel. Haben Erkraths Politiker keine wichtigeren Dinge zu tun? Ich bin stinksauer über dieses Verhalten", ärgerte sich Kampschulte.

"Rechtlich haben Rat und Ausschuss keine Einflussmöglichkeiten auf das Vorhaben", gab Kämmerer Heribert Schiefer zu bedenken. Trotzdem soll die Umlenkrolle in der Ratssitzung am kommenden Donnerstag nochmals Thema sein.

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