Politik: In der Podiumsdiskussion „Ist Haan noch zu retten?!“ ging es um dieSchuldenderStadt.

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WZ-Redakteurin Tanja Albrecht, Winfried Graw, Langenfelds ehemaliger Kämmerer, Sparkassenchef Peter Vogel, Bürgermeister Knut vom Bovert, Unternehmerin Rosemarie Discher und Filmemacher Rüdiger Daniel (v.l.) diskutieren über die städtischen Finanzen.

WZ-Redakteurin Tanja Albrecht, Winfried Graw, Langenfelds ehemaliger Kämmerer, Sparkassenchef Peter Vogel, Bürgermeister Knut vom Bovert, Unternehmerin Rosemarie Discher und Filmemacher Rüdiger Daniel (v.l.) diskutieren über die städtischen Finanzen.

Stefan Fries

WZ-Redakteurin Tanja Albrecht, Winfried Graw, Langenfelds ehemaliger Kämmerer, Sparkassenchef Peter Vogel, Bürgermeister Knut vom Bovert, Unternehmerin Rosemarie Discher und Filmemacher Rüdiger Daniel (v.l.) diskutieren über die städtischen Finanzen.

Haan. Winfried Graws Ansichten zu öffentlichen Finanzen sind pointiert: "Wenn Politiker ein Häufchen Geld sehen, stürzen sie sich darauf, wie die Geier." Als früherer Kämmerer von Langenfeld hatte er einen radikalen Sparkurs durchgesetzt.

Unter der Überschrift "Ist Haan noch zu retten?!" luden am Sonntag der Haaner Filmemacher Rüdiger Daniel und WZ-Redakteurin Tanja Albrecht zum Polit-Talk ins Sommerzelt am Haaner Strand. Vier Köpfe brachten die Moderatoren zum Rauchen bei Fragen um Haaner Schulden, städtische Beteiligungen und die Einbindung der Bürger.

"Wir werden zum Umdenken gezwungen."

Knut vom Bovert, Bürgermeister

Medizintechnik-Unternehmerin Rosemarie Discher schwört bei ihrer Arbeit auf die Kooperationsbereitschaft der Sparkasse. Worte, die Sparkassen-Vorstandschef Peter Vogel, sicher gefallen. Der Banker gibt zu bedenken: "Wir stehen voll im Wettbewerb. Bei jeder Stelle, die frei wird, prüfen wir, ob wir sie neu besetzen müssen." Für Bürgermeister Knut vom Bovert reicht in der gegenwärtigen Krise ein ungewisses Wir-Gefühl nicht aus: "Wir werden zum Umdenken gezwungen."

Die Eckpunkte bei den Positionen liegen weit auseinander. Hier Graw, der zugibt, dem Rat seiner Stadt gegenüber den Wohlstand verschleiert zu haben. Er habe keine Begehrlichkeiten wecken wollen. Nicht nur vom Bovert äußert Bedenken dagegen, so die Demokratie zu unterlaufen. Allenfalls das Ergebnis - die Entschuldung Langenfelds 2008 - scheine dafür zu sprechen. Auf der anderen Seite stehen basisdemokratische Modelle wie der "Bürgerhaushalt". An die Einbindung von Bürgern in die städtische Haushaltsplanung von 2002 bis 2007 in Hilden erinnert aus dem Publikum Ratsmitglied Dirk Raabe (FDP).

"Man muss auskommen mit dem, was hereinkommt."

Winfried Graw, ehemaliger Kämmerer der Stadt Langenfeld

In die Politik scheint kein Vertrauen zu bestehen. Vom Bovert erklärt, dass Parteien ihre Klientels bedienen müssten, immer kurzfristig bis zur nächsten Wahl rechneten. Außerdem seien ehrenamtliche Politiker eben keine Experten. Berge von Akten für die Ratsarbeit durchzusehen sei für viele nicht zu machen.

Weil die Stadt Haan ihren Haushalt 2010 nicht ausgleichen kann, befindet sie sich im sogenannten Nothaushalt und darf keine freiwilligen Leistungen mehr tätigen.

Aktuell liegt die Gewerbesteuer bei 385 Prozentpunkten. Eine Anhebung muss der Stadtrat für das nächste Jahr ins Auge fassen, um die Einnahmesituation der Stadt zu verbessern. Im Rekordjahr flossen 38,2 Millionen Euro in die Stadtkasse, 2009 waren es nur noch 23,8 Millionen Euro. In diesem Jahr erwartet die Kämmerin nicht mehr als 19 Millionen Euro.

Auch der Anteil Haans an der Einkommenssteuer fällt in diesem Jahr dramatisch niedrig aus, liegt bei 13,8 Millionen Euro und wird 2011 bei nur noch 11,7 Millionen Euro liegen.

Mit der Realisierung des Baus der Grundschule Mittelhaan und des Neubaus der Feuerwache steigen Haans Schulden in diesem Jahr auf rund 40 Millionen Euro. Das entspricht 1393 Euro Schulden pro Einwohner.

"Der Bürgermeister spricht von ’den Politikern’, als würde er nicht dazu gehören", beobachtet Besucher Olaf Kuhnt. Dem 42-Jährigen sind vor allem die vielen Sparideen nicht konkret genug. Mehr Motivation, vor allem mehr unbezahlte Überstunden von städtischen Mitarbeitern, gibt Klaus Eisner als Publikumsmeinung in die Diskussion. Verwaltungsstellen einsparen und Aufgaben wie Straßen- und Schulreinigung auf die Bürger verlagern sind zwei von Graws Rezepten aus Langenfeld. Mit den Filialleitern habe die Sparkasse eine ganze Hierarchieebene eingespart, informiert Vogel.

Einig ist sich die Runde, dass Sparkasse und Stadtwerke im Besitz der Stadt bleiben sollen. Solange die Stadt mit Verlust wirtschafte, sei es nicht sinnvoll, solche Werte zu verkaufen, so Sparkassenchef Vogel. Damit läuft es auf die Feststellung von Graw hinaus: "Man muss auskommen mit dem, was hereinkommt."

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