Gesundheitliche Gründe zwingen Herbert Raddatz (69), den Vorsitz des 2800 Mitglieder starken Vereins, der vor finanziell schwierigen Zeiten steht, abzugeben.

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Herbert Raddatz möchte seinen 70. Geburtstag nicht als HTV-Vorsitzender feiern. Jetzt vollzog er seinen bereits angekündigten Rückzug auf der Mitgliederversammlung.

Herbert Raddatz möchte seinen 70. Geburtstag nicht als HTV-Vorsitzender feiern. Jetzt vollzog er seinen bereits angekündigten Rückzug auf der Mitgliederversammlung.

Archiv Stefan Fries

Herbert Raddatz möchte seinen 70. Geburtstag nicht als HTV-Vorsitzender feiern. Jetzt vollzog er seinen bereits angekündigten Rückzug auf der Mitgliederversammlung.

Haan. 70 Jahre alt wollte Herbert Raddatz in seinem Amt nicht werden. Weil der Vorsitzende des Haaner Turnvereins aber schon 69 Jahre alt ist, setzte er jetzt seine Rücktrittsankündigung in die Tat um: Auf der Mitgliederversammlung vollzog er nach 27 Jahren HTV-Vorsitz seinen Rücktritt. Komplikationen nach einer Hüftoperation zwingen Raddatz bereits seit einigen Monaten, sich an Krücken fortzubewegen.

"Und es sieht so aus, als ob ich auch die kommenden Wochen nicht ohne auskommen werde", sagte er. "Ich bin gehandicapt." Den Verein noch ein weiteres Jahr zu führen, habe keinen Sinn. "Aber, wenn der Vorstand mich um Hilfe bittet, stehe ich selbstverständlich zur Verfügung."

Noch fehlen ein oder zwei Mitglieder für die künftige Vorstandsarbeit

Für die Frauen und Männer in der Vereinsführung kam Raddatz’ Schritt nicht überraschend. "Der Vorstand wusste es seit November. Die Abteilungsleiter habe ich im Januar über meinen Entschluss informiert", sagte er.

In Zukunft sollen vier Vorstandsvorsitzende die Geschicke des 2800 Mitglieder starken Vereins gleichberechtigt lenken. "Mit drei jungen Leuten an der Spitze hat der Verein gute Chancen für die Zukunft", sagte Raddatz. "Allerdings müssen noch ein oder zwei dazukommen."

Raddatz verlässt den Verein in finanziell alles andere als einfachen Zeiten. "Wir mussten unerwartete Nackenschläge verkraften", sagte er beim Blick zurück auf das vergangene Jahr. Er erinnerte an die Reparatur des Dachschadens der HTV-Turnhalle, die ursprünglich 50000 Euro kosten sollte, dann aber mit knapp 80000 Euro zu Buche schlug.

Jahresverlust des HTV belief sich auf mehr als 26000 Euro in 2008

Hinzu kam eine Betriebsprüfung des Finanzamtes für die Jahre 2003 bis 2005 mit dem Ergebnis, dass der Verein seine Einnahme- und Gewinngrenzen überschritten hat. Er musste 20.000 Euro Umsatz-, Gewerbe- und Körperschaftssteuer nachzahlen. Zählt man die gestiegenen Energiekosten hinzu, kommt der Haaner Turnverein auf einen Jahresverlust von 26505,55 Euro, den das Restguthaben des HTV auf 9650 Euro schrumpfen lässt.

Auch drei Kredite in Höhe von fast 846.000 Euro schränken den finanziellen Spielraum von Haans größtem Verein ein. Denn die kommenden 30 Jahre muss der Verein seine Schulden zurückzahlen.

Die auf einer außerordentlichen Versammlung beschlossene Beitragserhöhung (Kinder und Jugendliche zahlen seitdem 1,50 Euro, Erwachsene drei Euro im Monat mehr) habe dem Verein laut Raddatz einen kurzfristigen Erfolg beschert, weil die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahr um 90 gesunken, im CityFit, dem Fitnesszentrum des HTV, aber um 30 Zugänge höher war als vor einem Jahr.

Der noch beim Neujahrsempfang angekündigte Zuschuss zur Finanzierung der Sanierung der Sportanlage an der Hochdahler Straße in Höhe von 10.000 Euro (ursprünglich wollte der HTV 50.000 Euro beisteuern) wird der Verein nicht leisten können. Raddatz: Dafür müssten wir wieder einen Kredit aufnehmen."

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