Die Schuldnerberatung der Caritas hat Kindern ein Gefühl für Geld vermittelt.

wza_1500x996_447154.jpeg
Vicky (l.) und Sophie wissen bereits, dass das Geld für ihre Spielzeuge nicht vom Himmel fällt.

Vicky (l.) und Sophie wissen bereits, dass das Geld für ihre Spielzeuge nicht vom Himmel fällt.

Stefan Fries

Vicky (l.) und Sophie wissen bereits, dass das Geld für ihre Spielzeuge nicht vom Himmel fällt.

Haan. 11 Uhr: Für die Zwillinge Vicky und Sophie (beide sechs Jahre alt) wird ihr Mädchentraum wahr. Und dieser Traum ist rosa-rot: Während Vicky eine Prinzessin aus Stoff, die im rosa Blümchen-Kleid auf einem Delfin reitet, aus dem rosa lackierten Regal fischt, hat Sophie ein Auge auf das Stoff-Pony mit rosa Sattel geworfen.

An diesem Morgen besuchen die zwei Schwestern mit anderen Kindern der katholischen Kindertageseinrichtung Chrysanthus und Daria das Spielzeuggeschäft "Spielmobil". Nachdem sich die Fünf- bis Sechsjährigen wochenlang mit dem Thema Geld auseinandergesetzt hatten, sollten sie das Gelernte in die Realität umsetzen: Für einen Euro dürfen sie sich ein Spielzeug aussuchen. Dass ein Euro für große Stofftier-Träume nicht reicht, spüren die Kunden schnell.

Die Werbung hat Kinder schon lange als Zielgruppe entdeckt

"Wo kommt das Geld her?", "Wie viel kostet Spielzeug?", "Wie spare ich?" sind Fragen, auf die die Kindergarten-Kinder mit Nicole Hafner Antworten gesucht haben. Die Schuldnerberaterin der Caritas will den "Kunden von morgen" ein Gefühl für Geld geben. Denn mit der Einschulung gibt’s in vielen Familien das erste Mal Taschengeld.

"Die Kinder sollen dafür sensibilisiert werden, dass Geld nicht vom Himmel fällt", sagt Hafner. Dabei erinnert sie daran, dass die Werbung Kinder als Zielgruppe für sich entdeckt hat. Kinder gelten als Multiplikatoren, deren Einfluss auf das Kaufverhalten der Eltern immer stärker wächst.

Dass Kinder Druck auf ihre Eltern ausüben, merkt auch Iris Blum, Inhaberin von "Spielmobil" in ihrem Arbeitsalltag. Ihrer Meinung nach würden Eltern schnell "einfach so" große Wünsche erfüllen. Bei den Kindern entstehe der Eindruck, dass "sie alles haben könnten, egal was es kostet".

Kinder sollen für ihr Lieblingsspielzeug sparen

Damit ihre kleinen Kunden lernen, mit dem Geld aus dem Sparschwein zu haushalten, hat Blum die "Taschengeld-Spartüte" erfunden: Wenn sich ein Junge in einen Dino verguckt hat, hat er Angst, dass genau dieser Plastik-Tyrannosaurus Rex verkauft ist, wenn er das Geld gespart hat. Diese Angst will die Spielzeugladen-Besitzerin den Kindern nehmen. Daher reserviert sie das Spielzeug mehrere Wochen für das Kind. So oft es will, kann es seine Spartüte mit einem Euro oder mehr Taschengeld im Laden füllen, bis es die Summe für das "Traum-Spielzeug" zusammen hat.

Es ist ein stilles Gewusel zwischen Puppen, Dinos und der Modelleisenbahn. Nur ab und an hört man eine Kinderstimme: "Das will ich haben", "und das auch". Die Kinderaugen werden größer und größer. Aber das Ein-Euro-Limit ist gesetzt.

Elena (5) kann sich nicht entscheiden. Das Büchlein "Conny zieht um" oder lieber doch ein Mini-Puzzle? Michelle (5) liest währenddessen schon die erste Seite von "Nele und das Zauberpony". Plötzlich nimmt die Fünfjährige einen Flummi mit Glitzerband aus einer der Spielzeugkisten, lässt ihn über ihre Handfläche kullern. "Meine Schwester hat so einen Flummi, lässt mich aber nie damit spielen", erzählt sie. "Jetzt habe ich endlich einen eigenen." Vorbei mit dem Geschwisterstreit im Kinderzimmer.

Das Mädchen geht zur Kasse. Der Preis: 99 Cent. Den einen Cent Wechselgeld und das Stück Papier, den Kassenbon, wie sie lernt, verstaut sie gleich in der Tasche ihres Anoraks. Für Elena ist das nichts Neues. "Mit meiner Mama geh’ ich auch immer einkaufen", sagt sie.

Wenn der Euro auch nicht für den großen Stofftier-Traum reicht, werden Vicky und Sophie zwischen Prinzessinnenkrönchen, Clownsmaske und Ritterschwert trotzdem fündig: Sophie und Vicky kaufen für 99 Cent ein kleines Kaleidoskop - na klar, im rosa Blümchenmuster.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer