Die Firma Bohle stellt hochwertige Werkzeuge für Glasbearbeitung und Transport her – und die werden billig nachgemacht.

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Vorstandsvorsitzender Heinrich Ostendarp mit Nathalie Peters, Assistentin der Geschäftsleitung, und Marketingleiter Dominik Hintzen (v.l.) mit Holzgriffen für das Produkt, mit dem die Firma bekannt wurde: dem Glasschneider.

Vorstandsvorsitzender Heinrich Ostendarp mit Nathalie Peters, Assistentin der Geschäftsleitung, und Marketingleiter Dominik Hintzen (v.l.) mit Holzgriffen für das Produkt, mit dem die Firma bekannt wurde: dem Glasschneider.

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Vorstandsvorsitzender Heinrich Ostendarp mit Nathalie Peters, Assistentin der Geschäftsleitung, und Marketingleiter Dominik Hintzen (v.l.) mit Holzgriffen für das Produkt, mit dem die Firma bekannt wurde: dem Glasschneider.

Haan. Eine Auszeichnung ist nicht immer auch eine Ehrung. Wer mit dem sogenannten "Plagiarius", einem schwarzen Zwerg mit goldener Nase, ausgezeichnet wird, hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. "Im Gegenteil, hier geht es um betrügerische Absichten", sagt Heinrich Ostendarp. Denn als Vorstandsvorsitzender der Bohle AG mit Sitz in Haan ist der 45-Jährige einer von zahlreichen Betroffenen, die mit billigen Kopien hochwertiger Produkte und deren Verkauf zu kämpfen haben.

Erst kürzlich nahm Ostendarp bei der Frankfurter Konsumgütermesse "Ambiente" eine entsprechende Urkunde entgegen: "Für ihre Nachahmungsleistung wird der ‚Plagiarius 2010’ an die Firma Royal Union verliehen", so das Dokument. Royal Union sitzt in China. Das täuschend echt kopierte Produkt: ein seit 80 Jahren als Qualitätswerkzeug bekannter Glasschneider aus dem Hause Bohle - der "Silberschnitt 100.0".

Vom Glasschneider über Glasklebstoffe und Saugheber zum Transport von Glasplatten, bis hin zu Glas-Messgeräten reicht die Palette der Produkte, die das mittelständische Haaner Unternehmen herstellt. "Die verschlungenen Geschäftswege, auf denen das Plagiat von China aus europaweit vertrieben wurde, sind kaum nachvollziehbar", sagt Nathalie Peters (33). Die Assistentin der Geschäftsleitung hat inzwischen sowohl eine einstweilige Verfügung erwirken als auch Schadenersatz fordern können. Denn sie hat eine holländische Vertriebsfirma dingfest gemacht. "In Verschleierungsstrukturen wird seitens der Betrüger mehr Geld investiert als in die Warenproduktion selbst", weiß die 33-Jährige.

Eine enttäuschte vermeintliche Kundin gab den entscheidenden Tipp

Von der dreisten Kopie erfahren hatte Nathalie Peters erst durch den Anruf einer Dame. Sie habe den hochwertigen Glasschneider im "1-Euro-Laden" gekauft und sich über die "Verramschung" des Gerätes gewundert. Besonders schwierig werde es für Bohle, wenn zum Beispiel gefälschte Glaskleber verkauft würden, die - mangels Qualität - dann reklamiert würden. "In original Bohle-Flaschen waren die beanstandeten Klebstoffe abgefüllt."

Die Folge solcher Reklamationen ist ein geschäftsschädigender Imageverlust. Schlimmstenfalls auch ein finanzieller - nicht zu beziffernder - Schaden. "Schützen kann man sich vor Plagiaten nur durch rechtliche Absicherung und technischen Vorsprung", kommentiert Dominik Hinzen (34), Bohle-Marketingleiter, das Dilemma. Der 34-Jährige ist überzeugt davon, dass nur die ständige Weiterentwicklung eines Produktes, dessen Einzigartigkeit und Qualität gegenüber Plagiaten garantieren kann.

Der "Plagiarius" wurde 1977 vom Designer Rido Busse ins Leben gerufen, dessen Söhnle-Waage kopiert wurde. Danach begann er mit der Jagd auf Fälschungen. Der "Plagiarius" wird dieses Jahr zum 34. Mal bei der Konsumgütermesse "Ambiente" verliehen

Sein Tipp für Verbraucher: "Kaufen Sie Produkte nur beim Hersteller direkt oder beim Fachhändler.

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