Bei der Hellseherin Mara gibt es keinen Hokuspokus.

Haan. "Mara" - schon der Name verrät das mystische Metier. In Erwartung eines hoffentlich guten Schicksals wage ich mich in den gemütlichen, blauen Wagen der alten Dame - in der Hoffnung auf eine Antwort auf die vielen Fragen des Lebens.

Seit 30 Jahren orakelt Mara schon auf der Haaner Kirmes. Ihre Kunden kommen aus Neugier, manchmal haben sie konkrete Fragen. Einige kommen jedes Jahr wieder. "Es geht oft um Liebe, Gesundheit und Partnerschaft", verrät Mara. Also die großen Themen, die einen mal mehr und mal weniger bewegen.

Die rosarote Brille bleibt in der Schublade

Ich gestatte Mara einen Blick in meine Hände und nenne mein Geburtsdatum. So erfahre ich etwas über mein Freiheitsbedürfnis und unruhige Jahre, die hinter mir liegen. "Volltreffer", denke ich und werde neugierig darauf, was meine Hände sonst noch verraten. "Sie sind sehr selbstständig und vertragen keinen Druck. Dann rasten Sie aus", warnt Mara vor Neidern und Schwierigkeiten. Die von mir erwartete rosarote Brille bleibt in der Schublade, stattdessen schlägt sie ein ums andere Kapitel meines Lebens auf.

Die Wahrsagerin hat weder eine Glaskugel noch eine schwarze Katze

"Wenn jemand die Wahrheit verträgt, sage ich sie auch", entkräftet Mara meine Vorstellung, man bekomme auf der Kirmes nur Hokuspokus zu hören. Auch ansonsten erinnert das Ambiente kaum an mystischen Zauber oder Hexerei. Es gibt weder eine Glaskugel auf dem Tisch noch eine schwarze Katze auf der Couch.

"Ich sehe die Vergangenheit und die Gegenwart, die Zukunft kann ich nur erahnen", widerspricht Mara der Annahme, ihr Metier hätte etwas mit Kaffeesatzleserei zu tun. Allerdings warne sie ihre Besucher auch vor Gefahren und Schwierigkeiten, jedoch vor dem Hintergrund, "dass man immer eine Chance hat, das Schicksal zum Guten zu wenden". Übrigens scheint die Gabe zum Wahrsagen in der Familie zu liegen. "Meine Großmutter und meine Mutter konnten es, zwei meiner Kinder können es auch", erzählt die Handleserin.

Ich verlasse den Wagen auch mit dem Wissen um eine lange Lebenslinie. "Die Hand ist für mich ein Wunder, man kann vieles darin sehen", sagt Mara, während ich schon fast vor der Tür und wieder im Hier und Jetzt angekommen bin. Vor dem Wagen schaue ich sie mir noch mal genau an, meine Hand, in der man angeblich alles sehen kann. Viele Linien, es sieht chaotisch aus. Aber eine ist wirklich ganz besonders lang.

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