Einer Solingerin (50) wird vorgeworfen, zwei Haaner Rentnerinnen um rund 60.000 Euro betrogen zu haben.

Haan/Velbert. Hat eine 50 Jahre alte Frau aus Solingen zwei Rentnerinnen aus Haan um rund 60.000 Euro gebracht? Dieser Frage geht seit gestern das Velberter Schöffengericht im bereits zweiten Anlauf nach.

Die Solingerin, die die alten Damen in deren Wohnungen betreute, hatte sich laut Anklage zwischen April 2005 und November 2006 in einem Umfang Bargeld aushändigen lassen, Barschecks eingelöst und Geld mit einer EC-Karte abgehoben, der über den tatsächlichen Bedarf der Frauen weit hinausging.

Vielmehr habe sie einen großen Teil in die eigene Tasche gesteckt. Nachdem die Angeklagte im ersten Prozess vor sechs Wochen beharrlich geschwiegen hatte, rollt das Gericht das Verfahren nun an drei Verhandlungstagen mit einer Vielzahl zusätzlicher Zeugen neu auf.

Auch am Mittwoch machte die 50-Jährige keinerlei Aussagen

An der Haltung der Beschuldigten hat das nichts geändert. Auch am Mittwoch machte die 50-Jährige keine Aussage. Jetzt muss die Kammer unter Vorsitz von Richter Michael Dittmann aus einem Puzzle von Zeugenausssagen, Indizien und Beweisen herausfinden, was mit dem vielen Geld der Haanerinnen geschah.

Diese können selbst nicht mehr beziehungsweise nur noch unter einigem Aufwand aussagen: Eine Seniorin starb im vergangenen Jahr im Alter von 98Jahren. Für das Verfahren kann nur ihre Ende 2006 während der Ermittlungen aufgenommene Aussage verwendet werden. Die zweite Betroffene ist 84 Jahre alt und gesundheitlich so angeschlagen, dass sie im Februar in ihrer Wohnung von Richter Dittmann vernommen wurde.

Bankkauffrau forschte nach und kam der Solingerin auf die Spur

Den Stein ins Rollen brachte ein Besuch im November 2006: Die 84-Jährige beklagte sich bei einer heute 49 Jahre alten Bekannten, dass sie bei der Angeklagten mehrfach vergeblich die Aushändigung ihrer Bankauszüge gefordert hatte.

Mit einer Vollmacht ausgestattet, stellte die 49-Jährige - von Beruf Bankkauffrau - daraufhin Nachforschungen bei der Haaner Stadt-Stadtsparkasse an und stieß nicht nur auf eine Vielzahl von Abbuchungen in erheblichem Umfang, sie registrierte auch mehrere Abhebungen, die mit der EC-Karte der Seniorin in Polen getätigt worden waren. Auf dem Girokonto befand sich inzwischen ein dickes Minus, von dem die 84-Jährige nichts wusste.

Die 49-Jährige, die gestern als Zeugin aussagte, schaltete damals die Polizei ein, die die Angeklagte mit den Vorwürfen konfrontierte. Seinerzeit erklärte die Solingerin der Polizei, in Polen ihre eigene Karte nicht dabei gehabt und deshalb auf die der Seniorin zurückgegriffen zu haben. Damals behauptete die Angeklagte, die Haanerin habe auf eine Rückerstattung verzichtet.

Bleibt die Frage, was mit den übrigen Abhebungen von den Konten der 84-Jährigen geschehen war. Große Anschaffungen, Urlaubsreisen oder Zuwendungen an Familienmitglieder gab es nach Aussage weiterer Zeugen wie dem Stiefsohn der Haanerin nicht. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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