Mit den neuen Fahrzeiten der Rheinbahn-Busse können viele Haaner nicht gut leben.

Probleme mit der Linie 792: Nach dem Fahrplanwechsel schafft es eine Schülerin nicht mehr, mit dem Bus rechtzeitig von der Haltestelle „Pütt“ zur Grundschule Steinkulle zu kommen.
Probleme mit der Linie 792: Nach dem Fahrplanwechsel schafft es eine Schülerin nicht mehr, mit dem Bus rechtzeitig von der Haltestelle „Pütt“ zur Grundschule Steinkulle zu kommen.

Probleme mit der Linie 792: Nach dem Fahrplanwechsel schafft es eine Schülerin nicht mehr, mit dem Bus rechtzeitig von der Haltestelle „Pütt“ zur Grundschule Steinkulle zu kommen.

Stefan Fries

Probleme mit der Linie 792: Nach dem Fahrplanwechsel schafft es eine Schülerin nicht mehr, mit dem Bus rechtzeitig von der Haltestelle „Pütt“ zur Grundschule Steinkulle zu kommen.

Haan. Könnte es sich Andreas Hesse leisten, würde der Diplom-Sozialarbeiter nicht länger mit Bus und Bahn zur Arbeit nach Erkrath fahren, sondern aufs Auto umsteigen. Dem 50-Jährigen und seiner Familie, mit der er an der Ohligser Straße wohnt, bescherte der so genannte kleine Fahrplanwechsel der Rheinbahn zum 13.Dezember nur Verschlechterungen.

Bestes Beispiel ist seine Tochter Leonie. Die Zehnjährige stieg täglich in einen Bus der Linie 792, um von der Haltestelle "Pütt" zu ihrer Grundschule Steinkulle zu fahren. "Das würde auch nach dem Fahrplanwechsel noch funktionieren, wenn der Bus pünktlich käme", sagt ihr Vater.

Laut Fahrplan erreicht die 792 die Haltestelle vor der Schule um 7.57 Uhr. Tatsächlich hat der Bus jedoch rund fünf Minuten Verspätung. Das sei auch kein Wunder, meint Hesse, denn für die Strecke von Solingen Hauptbahnhof bis zur Haltestelle "Pütt" soll der Bus laut Fahrplan sieben Minuten benötigen.

"Das ist unmöglich", sagt Hesse. Und seine Tochter ergänzt: "Das ist ganz, ganz doof. Der Busfahrer kann gar nicht so schnell fahren, um die Zeiten einzuholen." Inzwischen haben ihre Eltern das Schokoticket gekündigt und bringen sie im Wechsel mit anderen Eltern jetzt mit dem Auto zur Schule.

Ihr Vater bleibt dem Öffentlichen Personennahverkehr treu, muss aber längere Wartezeiten in Kauf nehmen und geht seit der Fahrplanumstellung viel zu Fuß. "Früher hatte ich einen direkten Anschluss von Haan nach Gruiten mit der 792", sagt er. Nachdem die Linie aber geteilt wurde, muss Andreas Hesse am Markt umsteigen. Und meistens zehn bis 15Minuten auf den Bus der Linie O1 warten. "Das ist schlicht und einfach zeitaufwändig", klagt er. Noch schlimmer sei es am Abend. Wenn er mit der O1 vom Gruitener Bahnhof kommt, erreicht er den Haaner Markt kurz nach 19 Uhr, sein Anschlussbus fährt erst gegen 20 Uhr.

Zum 13. Dezember hat die Rheinbahn unter anderem die Buslinien O1 und 792 getrennt. Wer von Gruiten nach Solingen möchte, kann nicht mehr im Bus sitzen bleiben, sondern muss am Markt umsteigen.

Die Stadt wird an den Kosten des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) finanziell beteiligt und zahlt dafür jährlich einen Euro pro Buskilometer, insgesamt rund eine Million Euro pro Jahr. Weil sich durch die Fahrplanumstellung die Zahl der in Haan gefahrenen Buskilometer erhöht, steigen die Kosten für Haan um 30 000 Euro.

Die Eine-Million-Euro-Grenze soll laut Planungsamtsleiter Jürgen Rautenberg nicht überschritten werden. "Und wir wollen gleichzeitig das Bestmögliche für die Bürger." Die Stadt will hinterfragen, ob die 30 000 Euro Mehrkosten sinnvoll eingesetzt worden sind oder nicht.

Andreas Hesse und seine Frau Gabriele haben noch eine Reihe weiterer Nachteile der Fahrplanumstellung für die Haaner Bürger aufgelistet und in einem offenen Brief an die Stadtverwaltung formuliert. Die Gruitener Gymnasiasten haben täglich nur noch eine direkte Verbindung zu ihrer Schule an der Adlerstraße. Hesse: "Schüler, die erst zur zweiten oder dritten Stunde Unterricht haben, müssen am Markt oder am Windhövel aussteigen und von dort zu Fuß gehen."

Nun haben Andreas Hesse und Gabriele Wortmann Post aus dem Rathaus erhalten. "Das ging schnell, das finde ich gut", sagt Hesse, auch wenn ihm die Stadt darin "kurzfristige Maßnahmen kaum in Aussicht stellen kann".

Aber immerhin kommen Vertreter von Politik und Stadtverwaltung, des Kreises Mettmann und der Rheinbahn am 1. Februar zu einem Gespräch zusammenen, um über die Beschwerden der Bürger und des Gymnasiums zu beraten. "Es geht um die Frage, ob sich der Linienplan kurzfristig nachbessern lässt, oder erst zum Fahrplanwechsel im Sommer Veränderungen möglich sind", sagt der Leiter des Planungsamtes, Jürgen Rautenberg.

Am Ende steht eine Abwägungsentscheidung. "Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Wir müssen sehen, dass wir in der Bilanz möglichst viele Gewinner haben", sagt Rautenberg und meint damit die Entscheidung der Rheinbahn.

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