Bestattung: Zurzeit helfen Angestellte anderer Friedhöfe in Haan aus. Doch spätestens wenn die Pflanzzeit beginnt, müssen vier bis sechs Männer gefunden sein.

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Auch in Haan müssen die Sargträger schwarze Anzüge tragen. Nur Mützen, wie sie die Kollegen in Krefeld tragen, gehören dort nicht zur Ausstattung.

Auch in Haan müssen die Sargträger schwarze Anzüge tragen. Nur Mützen, wie sie die Kollegen in Krefeld tragen, gehören dort nicht zur Ausstattung.

Lothar Strücken

Auch in Haan müssen die Sargträger schwarze Anzüge tragen. Nur Mützen, wie sie die Kollegen in Krefeld tragen, gehören dort nicht zur Ausstattung.

Haan. Der Job ist ungewöhnlich, wird in der Regel von Männern im Rentenalter ausgeübt und setzt flexible Einsatzzeiten voraus. Die Rede ist von Sargträgern. Herren in Schwarz, die mit dafür sorgen, dass Beerdigungen einen würdigen Verlauf nehmen.

Auf den drei Friedhöfen in Haan fehlt es derzeit an Sargträgern. "Wir beschäftigen zurzeit noch einen Träger", sagt Heinz Mersch, Gärtner auf dem evangelischen Friedhof an der Alleestraße. Definitiv zu wenig, schließlich braucht es mindestens vier Männer, um einen Sarg in die Erde zu lassen.

Aus Alters- und Gesundheitsgründen haben einige Träger aufgehört

"Noch helfen wir uns untereinander aus", sagt Mersch. Das heißt, Angestellte anderer Friedhöfe werden als Aushilfen nach Haan bestellt. "Wenn wir Ende Februar mit den Frühjahrsarbeiten beginnen, wird das problematisch", sagt Mersch. Spätestens dann will er wieder vier bis sechs Männer beschäftigen, die diese Aufgabe übernehmen können. Aus Alters- und Krankheitsgründen hatten im vergangenen Sommer einige Träger aufgehört. Sie sollen so schnell wie möglich ersetzt werden.

Welche Voraussetzungen muss man als Sargträger erfüllen? Mersch denkt nach. Seit Jahren ist auch er immer wieder als Sargträger im Einsatz. Er hat überhaupt keine Probleme mit dieser Arbeit. "Ich bin auf dem Friedhof groß geworden", sagt er. "Schon mein Vater war Friedhofsgärtner." Wer Träger werden will, sollte körperlich fit sein, laufen und normal tragen können. "Eigentlich gibt es keine bestimmten Voraussetzungen", sagt er.

"Mit dem Trauerzug und den Angehörigen hat man ja nichts zu tun." Nur einen Bezug zu dem Verstorbenen dürfe man nicht aufbauen. Und dann fällt ihm doch eine Bedingung ein, die künftige Träger erfüllen müssen, Mersch: "Sie brauchen einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und entsprechende Schuhe. Die einheitlichen Jacken, die wir im Winter tragen, stellen wir."

Pro Beisetzung, eine gute Stunde Arbeit, werden 18 Euro bezahlt

In jeder Stadt gibt es eigene Lösungen für den Trägerdienst. In größeren Städten werden sie als Vollzeitangestellte beschäftigt. In Monheim übernehmen zum Beispiel die städtischen Busfahrer, die im Schichtdienst arbeiten, jeweils nach ihrem Einsatzplan das Tragen der Särge. In Köln gibt es inzwischen auch kräftige Frauen, die mittragen.

Die neuen Sargträger werden auf dem evangelischen, dem katholischen und dem städtischen Waldfriedhof in Haan eingesetzt.

Männer oder Frauen, die als Sargträger eingesetzt werden möchten, melden sich bei Heinz Mersch, Friedhofsgärtner auf dem evangelischen Friedhof, Alleestraße10, Telefon 0162/9165385.

In Regel sind es Rentner, die diese Aufgabe übernehmen. Sie werden bei der evangelischen und katholischen Friedhofsgärtnerei als geringfügig Beschäftigte angestellt und natürlich auch versichert. "Sie haben also zwei Arbeitgeber", sagt Mersch. 18 Euro erhalten sie pro Beisetzung - eine gute Stunde Arbeit - , ohne Abzüge. Bei maximal 15Beerdigungen im Monat gäbe es da für Rentner keine steuerlichen Probleme.

In der Regel würden die Sargträger zwei Tage vor der Beisetzung, die meistens am Vormittag oder über Mittag, spätestens aber um 14 Uhr stattfinden, über ihren Einsatz von Jörg Vavpotic informiert. Er ist Friedhofsgärtner auf dem katholischen Friedhof und "bucht" die Träger.

"Es wäre schön, wenn sich vier bis fünf Männer melden würden", sagt Heinz Mersch. Dann können auch Urlaubszeiten und Ausfälle wegen Krankheit problemlos überbrückt werden. Und: "Die Gemeinschaft der Träger in Haan war immer sehr gut."

Übrigens: Natülich können sich auch Frauen als Sargträgerinnen melden. "In der Vergangenheit waren es immer nur Männer, die diese Aufgabe übernommen haben", sagt Mersch. "Aber die Gesellschaft öffnet sich ja immer mehr. Warum sollten nicht auch Frauen dafür in Frage kommen?"

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