Gerhard Tributh (60) ist Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde. Seit 1976 hat er viele musikalische Wünsche erfüllt.

Gerhard Tributh bei der Arbeit – seit 33 Jahren spielt er die Orgel in der Evangelischen Kirchengemeinde.
Gerhard Tributh bei der Arbeit – seit 33 Jahren spielt er die Orgel in der Evangelischen Kirchengemeinde.

Gerhard Tributh bei der Arbeit – seit 33 Jahren spielt er die Orgel in der Evangelischen Kirchengemeinde.

Stefan Fries

Gerhard Tributh bei der Arbeit – seit 33 Jahren spielt er die Orgel in der Evangelischen Kirchengemeinde.

Haan. Seit 1976 ist Gerhard Tributh Kantor in Haan. Ein "alter Hase" sei er in seinem Metier, wie er sich unaufgeregt beschreibt. Ein Mann, der in seiner Gemeinde seit 33 Jahren für die passende Musik zu allen Amtshandlungen von Taufen und Hochzeiten bis zu Beerdigungen zuständig ist. Folgerichtig hat dieser Musik-Profi allerlei erlebt. Beispielsweise hat er, wie er grinsend berichtet, "alle Heimatlieder des Ostens irgendwann einmal mal gespielt". Damit fasst er kurzerhand das Thema "Sonderwünsche an Beerdigungen" zusammen. Auch zu Hochzeiten hat er auch so manche Anekdote auf Lager.

"Ehe ich Geld für einen schlechten Solisten ausgebe, der mir die Löcher in den Socken zusammenzieht, lass’ ich’s lieber."

Gerhard Tributh, Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Haan

"Lange Zeit war ja ‚Ave Maria’ der Renner. Das ist insofern erstaunlich, als ja Maria in der evangelischen Kirche gar keine so gravierende Rolle spielt", sagt der 60-Jährige und verweist augenzwinkernd auf die Unkenntnis von Menschen, die zu bestimmten Anlässen mehr nach Melodien als nach Inhalten gehen.

In dem Kontext wundert es auch nicht, dass zum so genannten schönsten Tag im Leben von Paaren auch "So nimm’ denn meine Hände" gewünscht wird - ein Beerdigungslied. "Aber wenn sich jemand ‚So ein Tag, so wunderschön wie heute’ wünscht, da habe ich die Traute, auch einmal ‚Nein!’ zu sagen." Ansonsten ist er nach eigener Aussage "zu weichherzig", vor allem aber "immer der Qualität verpflichtet". Was er macht, das macht er richtig. "Und ehe ich Geld für einen schlechten Solisten ausgebe, der mir die Löcher in den Socken zusammenzieht, lass’ ich’s lieber."

Privat hört er auch gerne Pop - aber nur Stücke von vor 1975

Mit Musik verdient Gerhard Tributh, der ursprünglich von der Lahn stammt, also "ein Nassauer" ist und in Frankfurt am Main studierte, nicht bloß sein Geld, Musik beschäftigt ihn auch sonst. Privat hört er "oft klassische Musik. Und bei Pop alles, was von vor 1975 ist". Bevorzugt zählen dazu Jimmy Hendrix, Cream, Led Zepplin und manches von Peter Gabriel. Die meisten davon erlebte er auch live, schließlich hat er in Frankfurt studiert. "Guten Jazz höre ich gerne. Und was mich ärgert, ist nie Miles Davis live gehört zu haben." Ihn schätzt er besonders, weil er sich nie auf einen Stil festgelegt hat. Wenngleich: "Seine experimentellen Phasen mag ich nicht so."

Bei manchen gilt Tributh als kauzig, beim Publikum ist er überaus beliebt

Zukunft Im Jahr 2014 geht Gerhard Tributh als Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Haan in Pension. "Im Moment mache ich mir noch wenig Gedanken darüber. Wird es ein Unruhezustand? Gehe ich weg? Bleibe ich hier? Ich weiß es noch nicht."

Beruflich liebt er besonders Gesprächskonzerte. Wie es der Name andeutet, sind das Konzerte mit entsprechenden Erläuterungen zu einzelnen Musikstücken. Johann Sebastian Bach und seine versteckte Symbolik und Zahlenmythologie ist eines der Themen, die ihn faszinieren. Das beginnt mit dem "Buchstabenwert" des Namens "Bach" ("B" ist der zweite, "A" der erste, "C" der dritte und "H" der achte Buchstabe im Alphabet, macht zusammen 14) und endet bei der Häufigkeit des Wortes "Glocke", das jedes Mal anders vertont ist.

Nach dem alten Furtwängler-Ausspruch "das Orchester ist so schlecht wie sein Dirigent" hält es Gerhard Tributh mit seinen Chören. "Wenn ich überwiegend alte Sänger habe, muss ich das Programm entsprechend gestalten", heißt es bei ihm realistisch. Er macht nur selten das, was "die Leute so hören wollen, sondern entwickle lieber etwas mit rotem Faden". Eine Johannispassion würde er nie im November spielen, und weil das Mozart-Requiem kein abendfüllendes Programm ist, kombiniert er es kurzerhand mit Trauermusik von Hindesmith.

Bei manchen gilt er deshalb als kauzig, beim Publikum ist er deshalb überaus beliebt. Denn was er anbietet, ist Wohlklang für die Ohren - und beschäftigt den Geist.

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