Ein Stück Haaner Historie im Herzen der Stadt: Die katholische Kirche St. Chrysanthus und Daria wurde 1956 geweiht, sieben Jahre nach der Gründung des Geschichtsvereins. (Archiv
Ein Stück Haaner Historie im Herzen der Stadt: Die katholische Kirche St. Chrysanthus und Daria wurde 1956 geweiht, sieben Jahre nach der Gründung des Geschichtsvereins. (Archiv

Ein Stück Haaner Historie im Herzen der Stadt: Die katholische Kirche St. Chrysanthus und Daria wurde 1956 geweiht, sieben Jahre nach der Gründung des Geschichtsvereins. (Archiv

Stefan Fries

Ein Stück Haaner Historie im Herzen der Stadt: Die katholische Kirche St. Chrysanthus und Daria wurde 1956 geweiht, sieben Jahre nach der Gründung des Geschichtsvereins. (Archiv

Haan. 1949, das Jahr in dem die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, der Nato, des DGB und der SOS-Kinderdörfer beginnt, ist auch das Gründungsjahr des Bergischen Geschichtsvereins Haan, der jetzt 60 Jahre alt wird. Das wird mit einem Bürgerfest am 10. Mai auf dem Neuen Markt begangen.

Lothar Weller, er bearbeitet das Archiv der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und das Archiv der katholischen Pfarre, hat nicht nur die Geschichte der 60 Jahre des Vereins aufbereitet. Auch Historie, die 200 Jahre zurückliegt, hat er erforscht. Dabei kam ein historischer Fund zu Tage (siege Kasten).

Im Jahr 1949 erschien das Buch "Götter, Gräber und Gelehrte" und der Roman "1984". In den Kinos lief "Der dritte Mann", so Lokalhistoriker Weller. In der jungen Bundesrepublik habe es noch immer Lebensmittelkarten für Brot, Fett, Zucker, Fleisch gegeben, aber seit der Währungsreform im Jahr zuvor seien sie nicht mehr so lebenswichtig wie in den Jahren zuvor gewesen.

Weller: "Der Wiederaufbau ging voran. Dass es in dieser Zeit, in der der Blick allenthalben nach vorn gerichtet war, Haaner Bürger gab, die einen Geschichtsverein gründeten, ist außergewöhnlich. Und es waren nicht wenige. Nach der Gründung am 9. Mai 1949 und der Wahl von Ernst K. Laux zum ersten Vorsitzenden stieg die Zahl der Mitglieder schon bis zum Jahresende auf 42. Heute gehören ihm über 130Haaner und Gruitener an.

Von Jakob Litsch bis Friedhelm Stöcker

Zu den vielen, die sich in den 60 Jahren im Haaner Geschichtsverein engagiert haben, gehören einige, deren Namen nicht nur den geschichtlich interessierten Bürgern der Stadt bekannt sind.

Was es bedeutet hat, sich der Huldigungsanordnung der Obrigkeit zu widersetzen, wird deutlich durch das Auffinden eines 200 Jahre alten Dokuments, mit dem der Provinzialrat Graf von Spee dem damaligen Haaner Bürgermeister Schmachtenberg Instruktionen für die Huldigungszeremonie übermittelt hat - bis hin zu Anweisungen für den Pfarrer.

Der drei Seiten lange Brief ging 1809 mit Ergänzungen vom Haaner Bürgermeister an seinen Beigeordneten Benninghofen in Gruiten und blieb über Generationen zwischen vielen anderen alten Dokumenten im Besitz der Familie Kratz auf Hof Grund in Gruiten fast unversehrt erhalten. Das historische Dokument wird beim Haaner Bürgerfest am Stand des Bergischen Geschichtsvereins erstmals für alle Interessierten ausgestellt.

Da ist Jakob Litsch, der Mundartgedichte und Erzählungen veröffentlicht hat, zu nennen. Er hat der Stadt Haan den alten Hof Stöcken gestiftet, um ihn für die Bevölkerung zugänglich zu machen. Auf Initiative von Harro Vollmar wurde der Standort der alten, 1863 abgebrochenen romanischen Haaner Kirche archäologisch ergraben.

Von den bis in die Gegenwart aktiven Mitgliedern ist besonders Friedhelm Stöcker zu nennen, der für seine Verdienste um die Haaner Geschichte zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt wurde.

Beim Haaner Bürgerfest am 10. Mai soll der Blick am Stand des Geschichtsvereins noch weit als 60 Jahre zurückreichen. In diesen Tagen jährt sich zum 200. Mal die Einsetzung eines viereinhalbjährigen Knabens als Großherzog von Berg.

Napoleon I. hatte seinen kleinen Neffen Napoleon-Louis, den Sohn seines Bruders, dazu bestimmt. In Haan hat die für Ostermontag 1809 angeordnete Huldigung des jungen Großherzogs wohl eine besondere Note erhalten.

Die ehemaligen Haaner Pfarrer Glaser und Hess haben über ihren damals in Haan tätigen Amtsbruder Bellingrath berichtet, dass er kein Freund der Franzosen gewesen sei und deshalb - gegen alle Anordnungen - keine Huldigungspredigt gehalten habe.

Da der ganze Gemeinderat mit dem Bürgermeister an der Spitze verpflichtet worden war, geschlossen am Huldigungsgottesdienst teilzunehmen, war die Predigt ein Affront gegen die weltliche Obrigkeit. Bellingrath wurde nach Düsseldorf bestellt, um sich für seinen Ungehorsam zu verantworten.

Aber er antwortete, dass in solch unruhigen Zeiten der Hirte seine Herde nicht verlassen dürfe, er aber seinen Predigttext ungekürzt und unkorrigiert einsenden werde. Die Regierung in Düsseldorf war weise genug, es dabei bewenden zu lassen. Bellingrath blieb unbehelligt.

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