Das neue Domizil ersetzt fünf ehemalige Standorte. Leiter Claus Hippel schwärmt von dem „kompakten System“.

Haan. Betriebshofleiter Claus Hippel steht auf der Stahlbühne, die in die 1320Quadratmeter große Fahrzeug- und Lagerhalle ragt. Dann macht er eine ausladende Geste: "Hier gibt es einen eigenen Bereich für jede Kolonne. So ein kompaktes System mit verschiedenen Arbeitsbereichen hat sonst kein Betriebshof. Da muss man sich bis ins kleinste Detail Gedanken machen."

In seiner Stimme schwingt Stolz mit. Schließlich hat er die Planung seiner neuen Wirkungsstätte eng begleitet, an der vor 20 Jahren noch ein Friedhof entstehen sollte.

Nun also Betriebs- statt Friedhof. Doch Betrieb herrscht Dienstagvormittag wenig. "Die meisten sind draußen unterwegs", erklärt Hippel. "Winterdienst und Grünschnitt. Der Winter ist die einzige Zeit, in der wir bedenkenlos Bäume und Sträucher zurückschneiden können - wegen des Tierschutzes."

Doch an Grünpflege war nach dem Wintereinbruch am 4. Januar erst mal nicht zu denken. "Am Montag waren 30 Mitarbeiter den ganzen Tag im Zwei-Schicht-Betrieb im Einsatz. Dazu noch zwei Fremdfirmen für die Gehwege.

Dabei hat der Deutsche Wetterdienst einen Tag vorher noch Temperaturen um null Grad und Schneefälle von 1,4 Zentimetern angekündigt. Hinterher waren es 18 Zentimeter", berichtet der Betriebshofleiter. 200 Tonnen Salz wurden seitdem gestreut.

Die Gesamtfläche der Neubaus (Ellscheid 9a) beträgt 2450Quadratmeter (1320 Quadratmeter Halle, 530 Quadratmeter Werkstatt/Lager, 600 Quadratmeter Verwaltung/Sozialräume). Hinzu kommen 6000 Quadratmeter Außengelände.

Drei Milliarden Euro.

36 Mitarbeiter sind auf dem neuen Betriebshof beschäftigt.

Und das bedeutet für denjenigen, der Bereitschaftsdienst hat, frühes Aufstehen. "Morgens um 3.30 Uhr kontrolliert der Bereitschaftskollege", berichtet Claus Hippel. "Wenn gestreut werden muss, gibt er den Startschuss für den Winterdienst."

Der ist dann von 4 Uhr morgens an unterwegs. Kurze Nächte hatte daher auch Stefan Hirt in den letzten Wochen. "Da haben sich genug Überstunden angesammelt", sagt der Bauschlosser.

Er kennt den Winterdienst seit drei Jahren, doch eine solche Situation hat er noch nicht erlebt: "Am Sonntag waren wir bis 24 Uhr unterwegs." Jetzt hat er allerdings erst mal Pause, mehr als vier Stunden Lenkzeit am Stück sind verboten.

Dabei haben die Mitarbeiter eigentlich auch ohne Schnee genug zu tun. "Wir haben immer mehr Aufgaben übernommen. Ein paar habe ich mitgebracht", sagt Hippel, der vor fünf Jahren vom Tiefbauamt zum Betriebshof wechselte.

Dazu zählen auch Einsätze, die man nicht unbedingt vermuten würde. "Heute mussten wir die Katze eines Verstorbenen ins Tierheim bringen. Als verlängerter Arm des Ordnungsamtes müssen wir aber auch Tierkadaver einsammeln."

Beim Kanalbetrieb herrscht Schwarz-Weiß-Denken

Für die Pausen steht den Mitarbeitern ein spartanisch eingerichteter Gruppenraum mit Küchenzeile zur Verfügung. Nur die vier Mitarbeiter des Kanalbetriebs haben hier keinen Zugang, zumindest nicht in Arbeitskleidung.

Bei ihnen ist alles unterteilt in Schwarz und Weiß: Und wer Arbeitskleidung trägt, darf sich nach dem Gesetz nur in den "Schwarzräumen" aufhalten. "Das sehen die Hygiene-Vorschriften heute vor. Früher war das nicht so streng", berichtet Hippel, der seit fünf Jahren den Betriebshof - damals noch Bauhof - leitet.

Jede Abteilung, ob Straßenbauer, Gärtner oder Kanalarbeiter, hat in der Halle eine kleine Gitterbox mit eigenem Tor - Eigenverantwortung mit praktischem Hintergrund:

"Alles, was man für die Arbeit braucht, liegt direkt griffbereit. Dadurch geht das Beladen der Fahrzeuge viel schneller. Außerdem passiert es nicht so leicht, dass sich jemand aus einer anderen Abteilung ein Gerät leiht und vergisst, es zurückzubringen", erläutert der Betriebshofleiter.

Dann begibt er sich auf den Rückweg durch die verschiedenen Klimazonen des Betriebshofs. Die Halle ist der kälteste Ort, hat aber immer noch fünf Grad Celsius. "Damit nichts einfrieren kann", sagt Hippel.

Wo sich Menschen dauerhaft aufhalten, ist es natürlich wohliger: Lager und Werkstatt werden auf 17 Grad, Büros und Sozialräume auf 20 Grad geheizt. Natürlich mit modernster Technik, wie sie im gesamten Haus vorhanden ist.

So etwa bei der Gas-Warnanlage in der Halle, die bei zu hoher Kohlendioxidbelastung automatisch die Tore öffnet. Da bleibt eigentlich nur ein Wunsch offen: Eine korrekte Wettervorhersage.

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