Nachgehakt: Seit mehr als einem Jahr verhilft die Caritas im Auftrag der Stadt, obdachlosen Menschen und Flüchtlingen in eine eigene Wohnung, wie Bernard Tambia aus Kamerun.

Haan. Bernard Tambia ist glücklich. Vor acht Jahren kam der 40-Jährige aus Kamerun nach Deutschland. Vor zwei Jahren hat er eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, seit sechs Monat lebt er in seiner eigenen Wohnung in Haan. Er arbeitet auf 400 Euro Basis in Hilden, bekommt Unterstützung von der Arge und hat sein Leben im Griff. Auf die Hilfe und Beratung der Caritas ist er nur noch in Notfällen angewiesen.

"Wir sind keine rettenden Engel, aber wir bringen unser Know-how ein."

Thomas Rasch, Bereichsleiter Integration & Rehabilitation des Caritasverbandes für den Kreis Mettmann

Das war mal anders. Denn Bernard Tambia hat bis zu seinem Umzug erst in der städtischen Unterkunft an der Hochstraße, später in der Unterkunft an der Düsseldorfer Straße gelebt. Dort war ihm zwar ein Einzelzimmer zugewiesen worden, aber es war winzig klein.

"Es ist sehr schwierig, dort zu leben", sagt er und sucht nach Worten, die Verhältnisse dort zu beschreiben. Gleichzeitig hatte er mit psychischen Probleme zu kämpfen. In seiner Heimat war er misshandelt worden, in Deutschland hatte er keine Arbeit, keine Aufgabe.

Die drohende Abschiebung setzte Bernard Tambia zu

"Ich hatte immer Angst. Ich habe auch viel Alkohol getrunken", sagt er. "Ich habe nach Arbeit gesucht, aber keine gefunden." Immer die drohende Abschiebung vor Augen, die Perspektivlosigkeit des Lebens in Deutschland - Bernard Tambia drohte abzurutschen. Hilfe kam von zweierlei Seiten. Zum einen erhielt er aufgrund seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung eine Aufenthaltsgenehmigung, zum anderen unterstützte ihn die Caritas im Rahmen des vom Stadtrats auf den Weg gebrachten Betreuungsmanagements.

Betreuungsmanagement zielt auf Wohnungslose und Flüchtlinge

Denn das soll nicht nur Wohnungslose zum Leben in den eigenen vier Wänden verhelfen, sondern auch Flüchtlingen. "Das war zwar nie ein zentrales Thema, ist aber auch erklärtes Ziel", sagt Martin Sahler, Abteilungsleiter des Fachdienstes für Integration und Migration der Caritas.

Im August 2008 hat der Caritasverband im Kreis Mettmann ein integratives Betreuungskonzept für Menschen, die in Notunterkünften der Stadt leben, übernommen. Ziel der Maßnahme ist es, Wohnungslose ebenso wie Flüchtlinge (wieder) in eine eigene Wohnung zu bringen und damit zurück in ein geregeltes Leben.

Zu Beginn des Projektes waren 78 Frauen und Männer (31Flüchtlinge und 47 Wohnungslose) in den Haaner Unterkünften am Neandertalweg (17), an der Ellscheid (13), an der Dellerstraße (14), am Heidfeld (16) und an der Düsseldorfer Straße (18) untergebracht. Bis zum 10. Dezember dieses Jahres kamen elf weitere Personen dazu (vier Flüchtlinge, sieben Wohnungslose). Ausgezogen sind inzwischen 40 Frauen und Männer (sechs Flüchtlinge und 36 Wohnungslose). 49 Personen leben derzeit in den Unterkünften an den fünf verschiedenen Standorten.

Um auch künftig Menschen aus den Unterkünften zu einer eigenen Wohnung verhelfen zu können, suchen die Mitarbeiter kleine Wohnungen (für eine Person 45 Quadratmeter für 270 Euro, für jede weitere Person werden 15 Quadratmeter und sechs Euro pro Quadratmeter berechnet.

Ansprechpartner ist unter anderem Andreas Goldbrunner im Büro der Caritas an der Hochdahler Straße 14, der sowohl für die Caritas-Wohnunglosenhilfe als auch für den Fachdienst für Integration und Migration zuständig ist, Telefon 3755263, E-Mail goldbrunner@caritas-mettmann.de

Und Bernard Tambia ist selig. Jetzt hat er Arbeit, nach der er so lange gesucht hat, und eine Rückzugsmöglichkeit. "Ich kann in meiner Wohnung machen, was ich will", sagt er. "Ich habe ein großes Zimmer mit Bad und Küche, ein Sofa und einen Schrank", zählt er auf. Nur eine Waschmaschine hat er noch nicht. Dafür reichte das Geld von der Arge für die Erstausstattung nicht.

Der Caritasverband macht Werbung für die Menschen

Bernard Tambia hat bislang noch nie in einer eigenen Wohnung in Deutschland gelebt. Und als Mensch ohne Arbeit und ohne Wohnung sah es auch nicht so aus, als ob sich das jemals ändern sollte. Mit Hilfe von Andreas Goldbrunner klappte es dann doch. "Wir machen Werbung für die Menschen", sagt der Caritas-Mitarbeiter. Ich habe mit Herrn Tambia den Mietvertrag durchgesehen, ihn zur Arge begleitet." Bernard Tambia steht stellvertretend für 40 Frauen und Männer, die die Caritas seit Beginn des Projekts in Wohnungen gebracht hat. "Natürlich schauen wir uns die Leute an, das muss passen", sagt Klaus Gärnter von der Caritas-Wohnungslosenhilfe.

Gesucht werden kleine Wohnungen für die Klienten

Für Bernard Tambia haben die Mitarbeiter nur Lob und Anerkennung übrig. "Er kommt hervorragend zurecht", sagen sie. Und deshalb würden sich die Caritas-Mitarbeiter wünschen, dass sich noch mehr Vermieter finden, die bereit sind, vor allem kleine Wohnungen an ihre Klienten zu vermieten. "Wir machen die Menschen wohnfähig, begleiten sie und stehen auch den Vermietern als Ansprechpartner zur Verfügung", sagt Thomas Rasch. "Und sollte die Miete mal ganz ausbleiben, springt im äußersten Notfall sogar die Stadt ein", sagt er. Aber in der Regel seien die Menschen sehr daran interessiert, ihre Wohnung zu behalten und würden sich dementsprechend an Hausordnungen und Regeln halten.

Die Stadt finanziert eineinviertel Stellen für das Projekt

Dass das Betreuungsmanagement der Caritas auch an Grenzen stößt, verheimlicht Rasch nicht. Da sind zum einen die Klienten, die weitaus mehr Betreuung brauchen als Bernard Tambia und auch nach dem Umzug regelmäßige Unterstützung in Anspruch nehmen müssen. Und zum anderen sind die finanziellen Mittel begrenzt. Die Stadt Haan finanziert eineinviertel Stelle und Sachmittel, wovon die Caritas ihr kleines Büro in Unterhaan an der Hochdahler Straße und die Betreuung ihrer Klienten bezahlt.

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