Die Stadt Haan erhöht den Stundenlohn für Tagesmütter von 2,50 auf 4,50Euro pro Stunde. Eine von ihnen ist Beate Büse. Sie sagt: „Das ist dringend nötig.“

Beate Büse (46) arbeitet seit 16 Jahren als Tagesmutter. „Man muss sich organisieren können“, sagt sie.
Beate Büse (46) arbeitet seit 16 Jahren als Tagesmutter. „Man muss sich organisieren können“, sagt sie.

Beate Büse (46) arbeitet seit 16 Jahren als Tagesmutter. „Man muss sich organisieren können“, sagt sie.

Stefan Fries

Beate Büse (46) arbeitet seit 16 Jahren als Tagesmutter. „Man muss sich organisieren können“, sagt sie.

Haan. Für die 2,50 Euro, die das Jugendamt Tagesmüttern pro betreutes Kind und Stunde bislang bezahlt hat, hat sich Jugendamtsleiterin Elke Fischer immer geschämt. "4,50 Euro wären angesagt, und das ist ja auch nur brutto", sagte sie im Jugendhilfeausschuss und warb für die Erhöhung des Stundenlohns. Große Überzeugungsarbeit musste sie nicht leisten. Die Ausschussmitglieder folgten dem Verwaltungsvorschlag einstimmig.

"Die Erhöhung ist dringend nötig, auch wenn es im Endeffekt nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist", sagt Beate Büse. Seit knapp 16 Jahren ist die gelernte Kauffrau für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft als Tagesmutter tätig. "Eigentlich wickle ich seit 18 Jahren", sagt die Mutter zweier Söhne (16 und 18 Jahre alt) und lacht. Sechs Mädchen und Jungen unter drei Jahren, drei Kinder, die älter als drei Jahre alt sind, betreut die 46-Jährige zurzeit. Von 6.15 bis 18.30 Uhr ist sie für die Kinder im Einsatz, von denen maximal vier gleichzeitig in ihrer Obhut sind. "Aber reich werden sie mit dieser Arbeit nicht", sagt sie. "Dazu gehört schon eine ordentliche Portion Idealismus."

16 Tagesmütter sind dem Jugendamt zurzeit gemeldet. Beate Büse ist eine davon. "Viele Kolleginnen springen ab, weil sie sich seit Jahresbeginn selbst krankenversichern müssen", sagt sie. Sie wisse von fünf, die bereits aufgehört haben oder aber zum Sommer hin aufhören wollen. "Das ist traurig, irgendwo müssen die Kinder ja hin", sagt sie. "Ich hoffe sehr, dass es wieder mehr werden."

30 Prozent der Betreuungsplätze sollen in der Tagespflege entstehen

Bund, Länder und Kommunen haben sich darauf geeinigt, bis zum Jahr 2013 für bundesweit durchschnittlich 35 Prozent der Kinder im Alter von ein bis drei Jahren einen Betreuungsplatz in einer Kinderkrippe oder in der Tagespflege bereitzustellen. Rund 30 Prozent dieser Betreuungsplätze sollen in der öffentlichen Kindertagespflege entstehen. "Das ist ein wichtiges strategische Ziel", sagt Dagmar Formella, Beigeordnete für die Bereiche Kinder, Jugend und Soziales. "Wir haben damit ein zweites Standbein, das weiter ausgebaut werden soll." Natürlich würden die Tagesmütter entsprechend qualifiziert, damit ein gleichmäßiger Betreuungsstandard in der Stadt garantiert sei.

Denn es sind vor allem die Eltern von ganz kleinen Kindern, die auf die Hilfe und Betreuung einer Tagesmutter zurückgreifen. "Seit dem Jahr 2000 wurden meine Kinder immer jünger", sagt Beate Büse. Abgesehen von den drei Ausnahmen, die nur nachmittags kommen, sind alle ihre Schützlinge jünger als drei Jahre. Der jüngste ist ein Jahr alt. "Aber den habe ich im Oktober vergangenen Jahres übernommen", sagt sie. Und: "Ich bin die einzige, die die Kinder auch nach 16 Uhr noch betreut."

Beate Büse übernimmt Kinder, die über das Jugendamt vermittelt werden, arbeitet aber auch privat. Dann nimmt sie 6,50 Euro die Stunde. "Damit verdient man sich auch keine goldene Nase", sagt sie. Für das Mittagessen der Kinder, Obst für zwischendurch, bekommt sie kein Geld. "Aber Windeln bringen die Eltern mit."

Sich selbst beschreibt sich als total flexibel. Sie holt die Kinder auch bei ihren Eltern ab, bringt sie in Notfällen zu Großeltern. "Man muss sich organisieren können", beschreibt sie die wichtigste Voraussetzung, um als Tagesmutter tätig zu werden. "Manche Tage sind unendlich anstrengend", sagt sie. Und die Verantwortung, die man übernehme sei sehr groß. "Die Kinder sagen schließlich Mama zu mir." Vor allem dann, wenn die Kinder krank werden, müsse wohlüberlegt gehandelt werden. Beate Büse: "Von den Windpocken bis zur Mittelohrentzündung habe ich schon alles miterlebt. Und dann muss man gewissenhaft entscheiden, ob man ein Zäpfchen gibt oder zum Arzt fährt."

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