In einer Garage haben einige Männer eine 38,6 Meter lange Carrerabahn aufgebaut.

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Jürgen Kallenbach, Jürgen Heun und Markus van Orsouw geben Gas. Jeden Donnerstag treffen sich die Hobbypiloten zum Duell auf der Rennstrecke.

Jürgen Kallenbach, Jürgen Heun und Markus van Orsouw geben Gas. Jeden Donnerstag treffen sich die Hobbypiloten zum Duell auf der Rennstrecke.

Stefan Fries

Jürgen Kallenbach, Jürgen Heun und Markus van Orsouw geben Gas. Jeden Donnerstag treffen sich die Hobbypiloten zum Duell auf der Rennstrecke.

Haan. Die beiden Wagen rasen mit brummenden Motoren gleichauf die Rennstrecke entlang. In hohem Tempo geht es durch enge Kurven, dann auf eine lange Gerade vorbei an einer vollbesetzten Zuschauertribüne. Hinter rot-weiß-gestreiften Leitplanken und nebeneinander stehenden Heuballen stehen Reifenstapel und andere Rennwagen. Mitten drin tummeln sich Fahrzeugtechniker und Streckenposten.

Auf der Rennstrecke liefern sich der silberne Audi mit der Nummer 59 und der orange Porsche mit der Nummer 52 und dem Jägermeister-Werbeschriftzug ein heißes Rennen - bis der Audi aus der Kurve fliegt und in seinen Widersacher reinrutscht. Nach dem Crash rutschen beide Wagen gegen die Leitplanke, bis sie schließlich zum Erliegen kommen. Jetzt ist es für Jürgen Heun (50) und Jürgen Kallenbach (44) höchste Zeit einzugreifen. Blitzschnell sorgen sie auf der Strecke für "Erste Hilfe".

"Carrera ist ein Hobby für Kinder, und zwar für Kinder ab 30."

Jürgen Kallenbach

Allerdings sind die beiden Haaner weder Rettungssanitäter, noch Rennwagen-Mechaniker. Heun und Kallenbach sind begeisterte Carrerabahn-Fans. "Wir fahren manchmal, bis der Arzt kommt und die Regler glühen", sagt Heun mit einem breiten Grinsen, während er seinen Wagen wieder richtig in die Spur der 38,6 Meter langen Carrerabahn setzt. "Es ist eben ein Hobby für Kinder. Und zwar für Kinder ab 30", sagt Kallenbach augenzwinkernd.

Seit einigen Monaten haben die beiden gemeinsam mit Frank Meyer (42) aus Düsseldorf, Stephan Scharnagl (34) aus Solingen und Markus van Orsouw (39) aus Haan eine kleine Garage in einem Hinterhof im Haaner Zentrum gemietet. Dort wurde einen Monat lang Schwerstarbeit geleistet, um dem "Miniatur-Rennzirkus" dort ein neues zu Hause zu geben. Nun können dort bis zu vier Rennautos mit bis zu 50 km/h in einer beeindruckenden Rennarena ihre Runden drehen.

Carrera ist eine Marke, die durch den früheren Spielzeughersteller Neuhierl GmbH & Co. KG aufgebaut wurde. Seit den frühen 1960er-Jahren wurden spurgebundene Autorennbahnen verkauft. Nachdem das Unternehmen 1985 Konkurs anmelden musste, wurde es bis 1998 unter neuer Leitung und mit einem stark gestrafften Produktsortiment betrieben. Seit 1999 gehört Carrera der Stadlbauer Spiel- und Freizeitartikel GmbH in Nürnberg, die mit den dazugehörigen Produkten erfolgreich auf dem Spielzeugmarkt vertreten ist und die Marke national wie international weiter ausbaut.

Die Carrera-Fans haben zum Teil jeweils zwischen 50 und 200 eigene Carrera-Rennautos, die ab 50 Euro aufwärts kosten. Die wertvolleren Modelle werden in der Verpackung gelassen, damit sie nicht an Wert verlieren. Die Rennen bestreiten die fünf Herren vor allem mit DTM-Modellen.

Der gesamte Rennbahn-Komplex hat nach endgültiger Fertigstellung etwa einen Wert von 7000 Euro - ohne die Autos.

"Wer mag, kann gern zuschauen oder mitfahren", sagt Jürgen Kallenbach. Kontakt: fkhaan@t-online.de

Kaum sind die Wagen wieder platziert, geht das Rennen weiter. Auch van Orsouw hat seinen Wagen mittlerweile an den Start gebracht. Alle drei schauen konzentriert auf die kurvige Bahn, auf der ihre kleinen Flitzer ihre Runden drehen. Und das etatmäßige Kinderspielzeug verfehlt auch bei den erwachsenen Männern seine Wirkung nicht. Mit kindlichem Grinsen, einem leichten Lächeln auf den Lippen und aufmerksamem Blick scheinen die drei Männer nun in ihrer eigenen Welt zu sein. Und wer nicht gerade im Rausch der Geschwindigkeit ist, der schraubt oder lötet an seinem Wagen herum.

Trainiert wird jeden Donnerstag - doch der Spaß steht im Vordergrund

"Bei uns geht es nur um Spaß und Geschwindigkeit. Wir hatten alle früher schon Carrerabahnen, mit der Zeit schlief das dann etwas ein", erinnert sich van Orsouw, der ebenso wie die anderen von Jürgen Heun zusammengetrommelt und vor etwa sechs Jahren neu mit dem "Carrera-Virus" infiziert wurde. Heun hingegen ließ dieses Virus seit seiner Kindheit nicht mehr los.

"Weil das Hobby gemeinsam mehr Spaß macht, haben wir einfach unsere ganze Ausrüstung zusammengeworfen und am Computer eine große Bahn entworfen und anschließend auch gebaut. Jetzt fehlt nur noch die Zeitmessungsvorrichtung und ein paar Modelle, um die Umgebung etwas lebendiger zu machen", erklärt Kallenbach.

Jeden Donnerstag nach der Arbeit treffen sich die Fünf für ein paar Stunden, um ihrem Hobby nachzugehen. Fünf Leute, aber nur vier Bahnen? "Keine Sorge, da gibt es keinen Streit", sagt Heun schmunzelnd, "jeder setzt mal aus, damit können wir schon umgehen. Wir sind ja trotz allem schon erwachsen".

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