Auf dem katholischen Friedhof St. Nikolaus rupfen die Tiere die Rosenblüten und Stiefmütterchen von den Gräbern. Jagdpächter wollen zwei Rehe erschießen.

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„Rehe sind Feinschmecker“, sagt Jagdpächter Karl-August Niepenberg. Ein Grund, warum sich die Tiere auch gerne auf dem katholischen Friedhof in Gruiten tummeln und dort nur die Blüten und Knospen von Rosen und Stiefmütterchen fressen. Alles andere verschmähen sie.

„Rehe sind Feinschmecker“, sagt Jagdpächter Karl-August Niepenberg. Ein Grund, warum sich die Tiere auch gerne auf dem katholischen Friedhof in Gruiten tummeln und dort nur die Blüten und Knospen von Rosen und Stiefmütterchen fressen. Alles andere verschmähen sie.

dpa/Stefan Fries

„Rehe sind Feinschmecker“, sagt Jagdpächter Karl-August Niepenberg. Ein Grund, warum sich die Tiere auch gerne auf dem katholischen Friedhof in Gruiten tummeln und dort nur die Blüten und Knospen von Rosen und Stiefmütterchen fressen. Alles andere verschmähen sie.

Gruiten. Rehe auf dem Friedhof St.Nikolaus in Gruiten meldet Friedhofsverwalter Bernhard Töller. Eigentlich kein Grund zur Beunruhigung, wenn die Tiere nicht so verfressen wären.

"Zum ersten Mal sind die Schäden so massiv. Die Leute haben bei mir angerufen und sich beschwert, dass jemand die Rosenknospen von den Gräbern rupft", sagt Töller. "Und sie wollten dafür Schadensersatz haben."

Kirchengemeinde haftet nicht für die Schäden, die die Rehe anrichten

Darauf haben die Frauen und Männer, die dort die Gräber ihrer Angehörigen pflegen, aber keinen Anspruch. Denn es waren keine übermütigen Jugendlichen, die da die Rosenbüsche verunstaltet haben, sondern Rehe.

"In diesem Fall haften wir nicht, das ist höhere Gewalt", sagt Töller und verweist auf Paragraph 17, Absatz 3, der Friedhofsordnung, laut der die Kirchengemeinde nicht für Schäden aufkommt, die durch Wild und herrenlose Tiere verursacht werden.

Dennoch wollen er und die Mitglieder im Kirchenvorstand von St. Nikolaus den gierigen Tieren die Blumen auf den Gräbern nicht einfach so überlassen. Töller hat Kontakt zu den zuständigen Jagdpächtern aufgenommen. Mit den Brüdern Niepenberg hat Töller auf dem Friedhof die Spur der Rehe ausgemacht.

Auch auf dem Friedhof der Evangelisch-reformierten Gemeinde Gruiten an der Prälat-Marschall-Straße haben Rehe vor gut zwei Monaten die Rosen und Stiefmütterchen von den Gräbern gefressen. Laut Friedhofsverwalter Klaus-Peter Breidbach kamen die Tiere vom Feld aus Richtung Parkstraße und haben eine Vorliebe für die Knospen und Blüten. Alles anderen würden sie verschmähen. Unternommen hat Breidbach gegen die Rehe nichts, inzwischen seien sie aber auch kein Problem mehr.

Zwischen 80 und 100 Rehe tummeln sich im Gebiet des Hegerings Haan, der für rund 1100 Hektar so genannter bejagbarer Fläche in Haan und Gruiten verantwortlich ist. Hinzu kommt zum Teil bebautes Areal wie Straßen, Friedhöfe und Wohnsiedlungen. Aufgeteilt sind die 1100 Hektar in drei Reviere, die sich sechs Pächter teilen.

In den vergangenen Jahren ist der Bestand der Rehe auf etwa fünf Tiere pro 100 Hektar zurückgegangenen. Demnach gibt es zurzeit nur noch 50 bis 70 Rehe im Gebiet des Hegerings.

"Wir haben die Fährten der Tiere genau erkannt", sagt Töller. "Die kommen aus zwei Richtungen und überqueren immer eine Straße um auf den Friedhof zu kommen." Mehrmals sei zum Beispiel eine Ricke mit ihrem Kitz auf dem Weg zum Friedhof beobachtet worden.

Zum einen kommen die Tiere aus Richtung Golfplatz, zum anderen von der südlichen Seite aus Richtung Kläranlage des Bergisch-Rheinischen Wasserverbandes.

Und dort werden sich die Jäger in naher Zukunft auf die Lauer legen und versuchen, zwei Rehe zu schießen. "Es gibt eine Abschussquote, die von der Unteren Jagdbehörde festgelegt wird und die wir erfüllen müssen", sagt Karl-August Niepenberg, der mit seinem Bruder Peter das knapp 600 Hektar große Revier Gruiten einschließlich des Eigenjagdbezirks Benninghof betreut.

Etwa 80 Rehe tummeln sich in diesem Gebiet, 22 davon müssen sie jedes Jahr "entnehmen". Ein Drittel davon stirbt im Straßenverkehr oder wird von wildernden Hunden gerissen.

Duftzäune sollen das Wild von den Gräbern fernhalten

"Rehe sind Feinschmecker. Gibt es zu viele von ihnen, richten sie Schäden an, im Wald bei der sogenannten Naturverjüngung, der nachhaltigen Waldwirtschaft, aber auch in eingefriedeten Gebieten wie dem katholischen Friedhof", sagt Niepenberg. Und wenn ihre Population zu groß wird, werden sie nervös, vertreiben sich und laufen auf die Straßen.

Weil aber der Abschuss zweier Rehe das Problem des abgefressenen Blumenschmucks nicht lösen wird, empfehlen die Brüder Niepenberg in den Herbst- und Wintermonaten keine Hornveilchen oder Stiefmütterchen zu pflanzen und auf Rosensträuße auf den Gräbern zu verzichten.

"An anderen Pflanzen haben wir nämlich keine Schäden festgestellt", sagt Töller. "Die suchen sich das beste aus." Er geht davon aus, dass in der restlichen Zeit des Jahres das Wild in seinem Revier genügend Futter findet, so dass es das Friedhofsgelände vermutlich nicht mehr heimsuchen wird.

Denn den Ausbau eines Wildschutzzaunes kann sich die Gemeinde laut Töller nicht leisten, da sei man sich im Kirchenvorstand einig. Er wartet jetzt auf das Angebot für einen sogenannten Duftzaun, ein Mittel, das man auf Bäume und Sträucher sprüht, um das Wild fernzuhalten.

Karl-August Niepenberg: "Das wirkt. Wir haben Duftzäune schon an Wildwechseln, die über Straßen führen, ausprobiert. Die Unfallquote ist dort deutlich gesunken."

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