Der Sachschaden ist gering – die Empörung hingegen umso größer.

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Küsterin Monika Fieberg hält den Opferstock in der Hand, den die Diebe aus der Wand rissen, dann aber auf dem Boden liegen ließen.

Küsterin Monika Fieberg hält den Opferstock in der Hand, den die Diebe aus der Wand rissen, dann aber auf dem Boden liegen ließen.

Stefan Fries

Küsterin Monika Fieberg hält den Opferstock in der Hand, den die Diebe aus der Wand rissen, dann aber auf dem Boden liegen ließen.

Gruiten. "Was sind das nur für Menschen?" Kaplan Tobias Zöller schüttelt den Kopf. "Ich bin noch richtig geschockt. Zwar habe ich von ähnlichen Vorfällen schon gehört. Aber persönlich bin ich damit noch nicht konfrontiert worden."

Was ist passiert? Irgendwann zwischen Montag und Mittwoch haben Unbekannte aus der katholischen Kirche St. Nikolaus in Gruiten einen Opferstock gestohlen.

Dort, wo er an der Wand befestigt war, bröckelt nun der Putz. Ein zweiter wurde zwar ebenfalls herausgestemmt, allerdings ließen ihn die Diebe ungeöffnet zurück.

"Vielleicht wurden die Ganoven von Gläubigen gestört, die zum Beten in die Kirche gekommen sind", mutmaßt Zöller. An einem dritten Opferstock hatten sich die Täter die Zähne ausgebissen: Er widerstand sämtlichen Hebel- und Stemmversuchen.

"Manchen Leuten ist nichts mehr heilig."

Tobias Zöller, Kaplan

Entdeckt hatte das Unheil Küsterin Monika Fieberg: "Ich wollte die abgebrannten Opferkerzen wegnehmen. Da hab’ ich dann die Bescherung entdeckt. Ich war total geschockt." Gemeinsam mit Pfarrkirchenvorstand Heribert Herring rief sie die Polizei.

Der Gotteskasten, der aus dem "Oblationarium" hervorgegangen ist, ist seit dem Mittelalter ein Behältnis zur Aufbewahrung des Geldes einer Kirchengemeinde. Später wurde er auch für das im Gottesdienst gesammelte Geld verwendet, indem er durch die Kirchenbänke gereicht wurde. Aus dieser Zeit rührt der Begriff Opferstock.

Das Geld aus den Opferstöcken dient dem Erhalt der Kirche, unterstützt soziale Anliegen, fördert karitative Projekte und/oder kommt dem Gemeindeleben zugute. Entweder wirft der Gläubige einen Obolus "einfach so" in den Opferstock, oder er verbindet die Spende mit dem Anzünden einer Kerze - meist vor der Marienfigur.

"Es geht nicht um die Summe, die gestohlen wurde", sagt der Kaplan. "Zumal in dem gestohlenen Opferstock nicht allzu viel drin gewesen sein dürfte. Der Schaden an den Wänden ist viel größer." Was den Kirchenmann am meisten schockiert, ist, "dass manchen Leuten wohl nichts mehr heilig ist".

Zuerst der Diebstahl in einer Kirche, einem heiligen Ort - und als Diebesgut auch noch Geld, das für karitative Zwecke gedacht war. "Diese Kombination ist bedenklich", so Zöller. Das findet auch Polizeipressesprecher Frank Sobotta. "Auch wenn der angerichtete Schaden gering ist - moralisch ist diese Tat besonders verwerflich."

Die Kirche St. Nikolaus in Gruiten ist tagsüber für die Gläubigen geöffnet. Nur nachts sind die Portale geschlossen. "Jeder, der möchte, kann herein", sagt Zöller.

"Ein Angebot, das vor allem in Gruiten, wo stets viele Spaziergänger und Ausflügler unterwegs sind, rege in Anspruch genommen wird." Kontrolliert werden die Menschen, die von morgens bis abends ein- und ausgehen, nicht. "Küsterin und Hausmeisterin werfen schon mal einen Blick herein, aber das war’s."

Welche Konsequenzen die Pfarrgemeinde aus der Tat ziehen wird, steht noch nicht fest. "Wir werden uns natürlich überlegen müssen, wie so etwas künftig zu verhindern ist", so Zöller. "Dass wir das Gotteshaus schließen, kommt allerdings nicht in Frage."

Den Tätern, sollten sie erwischt werden, droht derweil viel Ärger. "Die Anzeige lautet auf schweren Diebstahl", sagt Polizeisprecher Frank Sobotta. Darauf steht eine Haftstrafe zwischen drei Monaten und zehn Jahren.

» Hinweise an die Polizei: Telefon 02129/93286380.

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