Naturschutz: Schutzzäune verhindern, dass die Amphibien überfahren werden.

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Steigt das Thermometer auf sieben Grad über Null, beginnt die alljährliche Wanderung der Kröten zu ihren Laichgewässern. Damit sie auf ihrem Weg nicht überfahren werden, haben Beate Wolfermann, Gianluca (9) und Maximilian (8) am Samstag entsprechende Schutzzäune in Gruiten aufgebaut und Eimer in die Erde gebuddelt, in denen die Amphibien gesammelt werden.

Steigt das Thermometer auf sieben Grad über Null, beginnt die alljährliche Wanderung der Kröten zu ihren Laichgewässern. Damit sie auf ihrem Weg nicht überfahren werden, haben Beate Wolfermann, Gianluca (9) und Maximilian (8) am Samstag entsprechende Schutzzäune in Gruiten aufgebaut und Eimer in die Erde gebuddelt, in denen die Amphibien gesammelt werden.

Stefan Fries

Steigt das Thermometer auf sieben Grad über Null, beginnt die alljährliche Wanderung der Kröten zu ihren Laichgewässern. Damit sie auf ihrem Weg nicht überfahren werden, haben Beate Wolfermann, Gianluca (9) und Maximilian (8) am Samstag entsprechende Schutzzäune in Gruiten aufgebaut und Eimer in die Erde gebuddelt, in denen die Amphibien gesammelt werden.

Gruiten. Da ist es wieder, dieses Krötengefühl: In den ersten feuchtwarmen Frühlingstagen schleicht es sich bei Beate Wolfermann regelmäßig ein. Was die Lebensgewohnheiten der wandernden Amphibien angeht, ist sie mittlerweile Expertin. Seit Jahren baut sie mit anderen fleißigen Helfern der Haaner Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (Agnu) an der Zufahrt zum Reiterhof Hermgesberg die Krötenschutzzäune auf und versenkt die Eimer, in denen die Amphibien gesammelt werden. Genauso lange gibt es im Hause Wolfermann genaue Aufzeichnungen über Wetterverhältnisse, Temperaturschwankungen und die Launen der Frühjahrswanderer.

Feuchtwarmes Klima versetzt die Tierherden in Wanderlaune

"Ich schau jeden Tag aufs Thermometer und werde schon unruhig, wenn es langsam wärmer wird", sagt Beate Wolfermann. Sind die sieben Grad erreicht, fällt der Startschuss für den Zaunbau, denn dann werden auch die Kröten aktiv. Milde Temperaturen und feuchtes Klima bringen riesige Tierherden in Wanderlaune. Meist gibt es drei oder vier Tage, an denen besonders viele Kröten unterwegs sind.

"Man freut sich immer, wenn man mal diese Krötentage erwischt", sagt Beate Wolfermann, die auch oft mit Schulklassen entlang der Krötenzäune unterwegs ist. Die Eimer werden übrigens auch an kalten Tagen kontrolliert, da sich ab und an auch schon mal eine Maus dorthin verirrt. "In den letzten Tagen war es noch ziemlich kalt, aber die ersten Kröten sind dieses Jahr schon gelaufen. Im März ist dieses Auf und Ab normal", plaudert Beate Wolfermann quasi aus dem Reisetagebuch ihrer Schützlinge.

Und das sieht ungefähr so aus: Aufwachen, Laub abschütteln und loswandern, wenn es in der Abenddämmerung warm genug ist. Auf halber Strecke eingraben, wenn es wieder kälter wird. Wieder ausgraben, wenn die Temperatur nach oben geht.

Krötenweibchen tragen die Männer kilometerweit auf dem Rücken

Vor allem für die Frauen unter den Kröten ist die jährliche Pilgertour zum Laichgewässer eine anstrengende Sache. Denn wenn den Herren der Zunft unterwegs die Puste ausgeht, lassen sie sich schon mal auf dem Rücken der Damen kilometerweit tragen. Am Laichgewässer angekommen, sind es wieder die Frauen, die durch das Ablaichen in Stress geraten. "Die Kröten fressen in dieser Zeit nichts, und viele sterben nach der großen Anstrengung.

Den Krötentransport aus den Eimern sollte man besser den ehrenamtlichen Helfern der Agnu überlassen. Sie wissen, wo die Tiere ausgesetzt werden müssen, um die Laichgewässer zu finden. Außerdem wird jedes Jahr der Bestand in den Eimern gezählt, und "Irrläufer" verfälschen die Statistik.

Aber auch Krötenmütter können alt werden", sagt Beate Wolfermann. Da die Tiere im vermeintlichen Schutz der Dämmerung auf Wanderschaft gehen, leben sie beim Überqueren der Straßen sehr gefährlich. Dabei folgen sie seit Generationen dem gleichen Weg, um ihr Laichgewässer zu erreichen. "Wir sammeln jedes Jahr etwa 1000 Kröten aus den Eimern", sagt Beate Wolfermann.

Nicht nur der Agnu sind die possierlichen Tierchen längst ans Herz gewachsen. Trotz Krötenschutzzäunen sollte man bei entsprechenden Hinweisschildern langsam fahren, denn immer häufiger sind Tierfreunde auch nachts unterwegs, um die Kröten über die Straße zu tragen.

Übrigens leben die pilgernden Amphibien auch auf dem Rückweg zum Winterquartier gefährlich. Allerdings sind sie dann nur vereinzelt unterwegs.

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