Die Zahl der Asylbewerber ist sprunghaft gestiegen. Viele Städte haben damit Probleme.

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Zurzeit kommen wieder vermehrt Flüchtlinge aus Serbien, Mazedonien und Montenegro.

Zurzeit kommen wieder vermehrt Flüchtlinge aus Serbien, Mazedonien und Montenegro.

dpa

Zurzeit kommen wieder vermehrt Flüchtlinge aus Serbien, Mazedonien und Montenegro.

Kreis Mettmann. Seit Jahren ist die Zahl der Flüchtlinge gesunken, die in den Städten des Kreises Mettmann gelebt haben. Die Kommunen, beispielsweise Ratingen, reagierten und bauten die Zahl der Übergangsheime ab, in denen die Flüchtlinge bis dahin untergekommen waren. Doch die Lage hat sich abrupt geändert.

In vergangenen Jahr sind wieder mehr Flüchtlinge nach Deutschland gekommen und damit auch in den Kreis Mettmann.

Denn wer in die Bundesrepublik als Flüchtling einreist und einen Asylantrag stellt, wird über den so genannten Königsteiner Schlüssel des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge an die einzelnen Städte verteilt – und damit auch an die Kommunen im Kreis.

Zahl der Asylbewerber ist um 40 Prozent gestiegen

Dass die Zahl der Flüchtlinge zugenommen hat, bestätigt Thomas Jarzombek, Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes des Kreises Mettmann. „Die Zahl der Asylantragsteller ist in den vergangenen Monaten sprunghaft um 40 Prozent gestiegen “, sagt er. Konkrete Zahlen kann er aber nicht nennen.

„Genaue Zahlen über den Flüchtlingsstrom sind hier ebenso wenig vorhanden wie ein Überblick über die Situation in den Unterkünften der kreisangehörigen Städte“, sagt er. Nach WZ-Informationen sollen aber in den vergangenen zwei Monaten insgesamt 300 Menschen im Kreis Mettmann gekommen sein.

Die meisten von ihnen stammen aus Serbien, Montenegro und Mazedonien. Dies geht auch aus einer Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hervor. Der Grund: Für diese Länder wurde die Visumspflicht abgeschafft.

Das heißt, dass Menschen aus diesen Staaten nun einfacher nach Deutschland einreisen können – ohne langes Antragsverfahren.

Die Menschen nutzen dies, um ihr Land zu verlassen, weil es sich vor allem um Gruppen handelt, die in ihren Herkunftsländern eine Minderheit sind und deswegen diskriminiert werden, erklärt der Flüchtlingsrat NRW und die Organisation Pro Asyl.

In Ratingen sind seit September 63 Flüchtlinge in Übergangsheimen untergekommen. Insgesamt leben 235 Menschen in den Einrichtungen, die einen Asylantrag gestellt haben. „Damit sind unsere Kapazitäten ausgeschöpft. Wir sind bis unters Dach voll“, sagt Erhard Raßloff, Leiter des Sozialamtes.

In der Regel seien es Menschen, die vor Jahren schon einmal in Deutschland gelebt haben, dann aber wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt sind. „Sie stellen jetzt so genannte Folgeanträge auf Asyl“, erklärt Raßloff.

Zur Not müssen aus Lagerräumen Unterkünfte werden

„Wenn es noch mehr werden, müssen wir uns was einfallen lassen“, sagt der Sozialamtsleiter. Zur Not würden Lagerräume der Stadt zu Unterkünften umfunktioniert werden. 675 000 Euro hat die Stadt im Haushalt vorgesehen, um den Lebensunterhalt und die medizinische Versorgung der Bewohner in den Übergangsheimen zu bezahlen.

„Wenn jetzt noch mehr kommen, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als den Kämmerer zu bitten, den Betrag aufzustocken.“

Auch in Monheim ist die Lage angespannt. Dort leben nach Aussage der Sozialamtsleiterin Marion Warden insgesamt 85 Flüchtlinge, von denen 23 im Oktober gekommen seien. „Die Übergangsheime sind ausgelastet.“

Die Ankunft von Flüchtlingen sei aber nichts nur wegen der Platzprobleme schwierig. 400 000 Euro seien im Haushalt vorgesehen, um die Versorgung der Flüchtlinge zu gewährleisten.

„Für eine Kommune, die im Nothaushalt ist, ist das schon ein Hammer“, sagt sie. Zumal es auch keine Zuschüsse seitens des Bundes und Landes gebe.

Verhältnismäßig entspannt ist die Lage dagegen in Erkrath. Hier haben sich im Oktober in einer Woche 14 Flüchtlinge bei der Stadt gemeldet, teilt Uwe Krüger, Leiter des Sozialamtes, mit. „Wir haben einen heftigeren Ansturm erwartet.“ Krüger rechnet nicht mehr damit, dass noch weitere Flüchtlinge kommen. „Ich denke, dass sich das jetzt erledigt hat.“

Wie viel Geld, die Stadt für den Lebensunterhalt der Flüchtlinge im Jahr ausgibt, kann Krüger nicht sagen. „Mir liegen die Zahlen nicht vor. Sie sind zurzeit auch nicht zu bekommen.“

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