Bei der Stadtverwaltung ist deshalb Improvisationstalent gefragt.

Hausmeister Michael Kirsten überprüft die Lebensmittelvorräte in der Notunterkunft an der Hammerstraße.
Hausmeister Michael Kirsten überprüft die Lebensmittelvorräte in der Notunterkunft an der Hammerstraße.

Hausmeister Michael Kirsten überprüft die Lebensmittelvorräte in der Notunterkunft an der Hammerstraße.

Achim Blazy

Hausmeister Michael Kirsten überprüft die Lebensmittelvorräte in der Notunterkunft an der Hammerstraße.

Mettmann. Am Nachmittag waren sie in Hamburg in den Bus gestiegen. Fünf Stunden später standen sie am Kreishaus an der Düsseldorfer Straße vor der Tür. Die Ausländerbehörde wäre schon die richtige Adresse gewesen für die Flüchtlingsfamilie aus Syrien. Nur eben nicht um diese Uhrzeit, weil dort in den Abendstunden normalerweise niemand mehr am Schreibtisch sitzt. An diesem Abend hatten die Flüchtlinge Glück: Es war noch jemand im Haus, der die Szene beobachtet hatte. „Die Dame hat dann die Polizei angerufen und von dort aus wurden wir verständigt“, erinnert sich Marko Sucic.

Für den Leiter des Mettmanner Sozialamtes ging der Arbeitstag damit in die Verlängerung. „Nachdem wir die ersten Formalitäten erledigt hatten, waren alle Geschäfte längst geschlossen. Die Familie hatte Kinder, und die hatten Hunger“, so Sucic. Um schnell und unbürokratisch zu helfen, ist er um kurz vor Mitternacht zu McDonald’s gefahren.

Um nicht ständig in eine solche Notsituation zu geraten, hat die Stadt mittlerweile eine Notwohnung eingerichtet. In der städtischen Unterkunft am Hammerplatz gibt es zwei Zimmer mit zehn Betten, um dort Flüchtlinge unterzubringen, bis sie am nächsten oder übernächsten Tag in eine reguläre Unterkunft umziehen können. Dort werden auch Lebensmittel vorgehalten, mit denen der erste Hunger gestillt werden kann. „Wir schauen regelmäßig nach dem Haltbarkeitsdatum“, sagt Sucic. Er ist froh, dass es diese Möglichkeit für Notfälle gibt. Denn noch immer kommen Flüchtlinge in Mettmann an, die nur kurz zuvor von der Bezirksregierung angekündigt wurden. „Da wird einfach zu wenig mitgedacht“, kritisiert er die Abläufe.

Bei der Versorgung der Menschen hat sich Routine eingestellt

In diesem Monat rechnet Sucic noch mit etwa 20 Neuankömmlingen, bis zum Jahresende sollen es etwa 80 werden. Mittlerweile hat sich eine gewisse Routine eingestellt, wenn es darum geht, die Flüchtlinge zu versorgen. Allerdings tauchen immer noch Probleme auf, bei denen improvisiert werden muss. „Wenn die Menschen Freitagnachmittag ankommen, hat die Bank geschlossen. Dann bekommen sie das ganze Wochenende über kein Geld, und wir müssen Gutscheine ausgeben“, weiß Sucic.

Das größte Problem sei jedoch die Unberechenbarkeit mit Blick auf die Gesamtsituation. Um nicht wieder in Bedrängnis zu geraten, will die Stadt eine neue Unterkunft für 100 Personen auf dem Parkplatz des Sportzentrums bauen. Zuvor war ein ehemaliges Bürogebäude an der Seibelstraße angemietet worden. In beiden Fällen wurden langfristige finanzielle Verpflichtungen eingegangen. Niemand weiß, ob sie in diesem Umfang notwendig sein werden.

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