In einem mobilen Krankenhaus auf einem Fußballfeld ist die Cristiane Radloff im Einsatz.

Christiane Radloff aus Erkrath.
Christiane Radloff aus Erkrath.

Christiane Radloff aus Erkrath.

Die Erkrather Hebamme Christiane Radloff mit eindem kleinen Schützling.

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Christiane Radloff aus Erkrath.

Erkrath/Carrefour. Wer an Haiti denkt, der denkt zurzeit vor allem an Menschen, die bei dem schweren Erdbeben im Januar ihr Leben verloren haben - oder zumindest die Grundlagen ihrer Existenz.

Inmitten von zerstörten Städten und Infrastrukturen erblickt jedoch auch neues Leben das Licht der Welt: Unter schwersten Voraussetzungen müssen haitianische Frauen ihre Kinder entbinden.

Unterstützend zur Seite steht ihnen unter anderem Christiane Radloff. Die 50 Jahre alte Erkratherin ist Mitglied einer Rotkreuz-Schwesternschaft und arbeitet seit 20 Jahren als Hebamme. Vor zwei Wochen ist sie gemeinsam mit knapp 30 anderen deutschen Ärzten, Hebammen und Schwestern auf der Karibikinsel Hispaniola angekommen.

Im Rahmen der größten Hilfsaktion, die jemals für ein einzelnes Land in Gang gesetzt wurde, haben Rotkreuz-Helfer aus der ganzen Welt in einem Fußballstadion in der haitianischen Stadt Carrefour ein mobiles Krankenhaus aus Zelten aufgebaut, das die Kapazität eines deutschen Kreiskrankenhauses hat.

Das mobile Krankenhaus heizt sich auf bis zu 40 Grad auf

"Das Krankenhaus ist strahlender Sonne und Außentemperaturen um die 35 Grad ausgesetzt - die Luft in den Zelten heizt sich dann auf bis zu 40 Grad auf", erzählt Christiane Radloff.

Im Fußballstadion in Carrefour, der zweitgrößten Stadt Haitis, westlich neben Port-au-Prince gelegen, hat das DRK ein mobiles Krankenhaus errichtet. Es entspricht der Kapazität eines Kreiskrankenhauses und stellt die medizinische Grundversorgung von bis zu 250000 Menschen sicher. Dieses modulare System ist vom DRK entwickelt worden und weltweit einmalig. Acht OP-Teams können in zwei aufblasbaren OP-Sälen arbeiten. Das Hospital wird von rund 100 Ärzten, Schwestern, Hebammen und Technikern betrieben, darunter knapp 30 Deutsche.

Das DRK befindet sich seit dem Erdbeben in Haiti in der größten Hilfsaktion, die je für ein einzelnes Land in Gang gesetzt wurde: 20 DRK-Katastrophen-Hilfe-Einheiten mit insgesamt 215 Delegierten sind im Einsatz.

Spenden an das DRK: Konto 414141, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 37020500, Stichwort: Haiti.

Sie ist als Pflegedienstleitung und Mitglied des Management Teams im Einsatz. "Ich organisiere die Abläufe in den einzelnen Stationen: Einheimisches Pflegepersonal muss rekrutiert, Dienstpläne müssen erstellt werden."

Seit Jahren steht die Erkratherin auf der Personal-Einsatzliste für die Auslandsarbeit des Deutschen Roten Kreuzes und hat bereits verschiedene Katastropheneinsätze hinter sich.

"Ich war nach dem Tsunami in Sri Lanka, im Iran und zuletzt nach einem Erdbeben in Pakistan", zählt Radloff auf. Kosten für Flug und Aufenthalt werden über die Einsatzbudgets finanziert.

Familie und Freunde erwarten bereits ihre Anrufe

"Meine Familie und Freunde wissen, dass ich an solchen Einsätzen teilnehme. Sie erwarten mittlerweile schon meinen Anruf, wenn sie von einer Katastrophe hören." Auch wenn ihre Angehörigen immer besorgt um sie sind, fühlt sich Christiane Radloff in dem haitianischen Fußballstadion sicher.

Seitdem das mobile Krankenhaus in Betrieb genommen wurde, sind bereits fünf Kinder dort zur Welt gekommen - das erste per Kaiserschnitt: Die kleine Katyama lag falsch und konnte nur in einer Notoperation gerettet werden.

"Die Menschen sind dankbar, dass wir hier sind und medizinischen Versorgung bringen. Es ist beeindruckend, wie sehr sich die Menschen bemühen, mit uns zusammenzuarbeiten. Sie sind erleichtert, wenn sie bei uns angestellt werden, und zeigen sich sehr einsatzbereit für ihr Volk", sagt die Erkratherin.

Bis zum 25. Februar bleibt Christiane Radloff in Haiti. Das mobile Krankenhaus wird noch mindestens ein halbes Jahr im Einsatz bleiben, auch unterstützt durch Gelder der Bundesrepublik.

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