Erkather Feuerwehr-Teams bei den Deutschen Meisterschaften im Skyrun: Mit schwerer Brandschutzkleidung, einer schweren Atemluftflasche auf dem Rücken müssen die Männer die Treppen erklimmen.

Berlin/Erkrath. Auf dem Alexanderplatz ist immer etwas los. Künstler, Akrobaten und die ewigen Baustellen sorgen dafür, dass es im ehemaligen Zentrum Ost-Berlins immer etwas zu sehen gibt. Doch heute lässt ein neuer Anblick die Menschen die Köpfe wenden.

Vor dem Eingang des 125 Meter hohen Park Inn Hotels stehen brav in Zweierreihe rund 150 Feuerwehrleute in voller Montur. Ihr Ziel: Die oberste Etage des ehemaligen Prachthotels der DDR.

Aber es ist kein Feuer, das die Männer und vier Frauen zum Lauf durch das Treppenhaus mit seinen 770 Stufen motiviert, sondern sportlicher Ehrgeiz. Mitten unter ihnen sind die Erkrather Feuerwehrleute Andy Kisser, Gerd Struck, David Herresbach und Guido Söhnchen.

39 Etagen, 770 Stufen. Das klingt erst einmal machbar. Doch mit schwerer Brandschutzkleidung, einer schweren Atemluftflasche auf dem Rücken und dem Willen, eine gute Zeit zu schaffen, sieht die Sache schon anders aus.

Treppenlaufen hat mit der Arbeit der Feuerwehrleute viel gemein

"Die Idee kam uns spontan", sagt Guido Söhnchen. Mit seinem Feuerwehrkollegen Andy Kisser beschloss der Malermeister aus einer Laune hinaus beim Berliner Skyrun mitzulaufen. "Sportliche Herausforderung", nennt Kisser als Motivation für diese extreme Form des Treppenlaufens.

Gerd Struck, David Herresbach, Andy Kisser und Guido Söhnchen sind Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Erkrath.

In voller Einsatzmontur mit Helm und Atemluftflasche müssen die Mannschaften in kürzester Zeit 125 Meter, 39 Etagen, 770 Stufen erklimmen. Die Zweierteams müssen gemeinsam das Ziel erreichen, bevor ihre Flasche mit Atemluft leer ist.

Den ersten Platz holten zwei Beamte der Berufsfeuerwehr Göttingen. Die Erkrather Teams landeten auf den Plätzen 31, 36 und 49.

So verrückt es auch klingen mag, Treppenlaufen hat mit der Arbeit der Feuerwehrleute viel gemein. Brennt es in einem Hochhaus, können sich die Brandschützer auch nicht einfach den Aufzug rufen, um zum Brandherd zu gelangen.

Ihren ersten Extremtreppenlauf hatten die Erkrather vergangenes Jahr im Düsseldorfer Fernsehturm. Da ging es 160 Meter hoch. An diesem Tag am Alexanderplatz sind es nur 125. Dafür geht es um nicht weniger als die Deutsche Meisterschaft im Treppenlaufen für Feuerwehrleute. "Wir rechnen uns schon Chancen aus", sagt der 24-jährige David Herresbach.

Seit sechs Monaten hat sich der Unterbrandmeister aus dem Alt-Erkrather Löschzug gemeinsam mit seinen Mitstreitern in Hochdahler Treppenhäusern auf den Wettkampf vorbereitet.

Auch im Wettkampf gilt: Die eigene Gesundheit geht vor

Noch fünf Minuten bis zum Start. "Denkt immer daran, dass eure Gesundheit wichtiger ist als eine gute Zeit", gibt ein Sprecher der Berliner Feuerwehr den Sportlern als letzten Rat mit auf den Weg.

Jetzt wäre eigentlich Zeit für letzte Bedenken, doch Andy Kisser und Guido Söhnchen sind zwar aufgeregt, aber fest entschlossen. "Da denkst du drüber nach aufzuhören, doch je näher du zum Start kommst, umso mehr willst du da hoch", sagt Kisser.

Als erster Erkrather geht Gerd Struck an den Start. Der 51-Jährige hat den Düsseldorfer Feuerwehrazubi Thorsten Janiszewski (24) als Partner dabei. Mehr als 770 Mal werden sie ihr eigenes Körpergewicht plus 20 Kilo Ausrüstung Stufe für Stufe die Treppe hochwuchten.

Auf das Startsignal hin sprinten sie los in die Hotellobby und verschwinden im Treppenhaus. Weniger als neun Minuten später kommen sie nicht mehr ganz so schnell, dafür aber erschöpft und nassgeschwitzt in der 39. Etage an. Geschafft. Gerd Struck ist zufrieden. "Auf Etage 29 wollte ich kurz stehenbleiben", gibt er zu. Doch Struck und Partner Janiszewski haben durchgehalten und werden mit einem vorläufigen 17. Platz belohnt.

Den inneren Schweinehund in Grenzsituationen überwinden

Kurze Zeit später erreichen auch Guido Söhnchen und Andy Kisser das Ziel. "Stolz bin ich auf jeden Fall", sagt Kisser erschöpft. Auch wenn er gerne eine bessere Zeit gehabt hätte. Doch den Feuerwehrleuten geht es um mehr als gute Zeiten: Den inneren Schweinehund überwinden und herausfinden, wie viel der eigene Körper wirklich leisten kann.

Für den Sieg hat es an diesem Tag noch nicht gereicht - da waren andere bis zu zwei Minuten schneller. Platz 31 ist das Ergebnis der besten Erkrather Gruppe mit einer Zeit von acht Minuten und 29 Sekunden. Doch entmutigen lassen sie sich dadurch nicht. Die Anmeldung zum nächsten Treppenlauf im Düsseldorfer Fernsehturm ist bereits abgeschickt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer