Zahlreiche Organisationen planen gemeinsam mehrere Benefiz- Veranstaltungen.

Erkrath. "Wir durchleben zurzeit die schwierigsten Augenblicke in unserer Geschichte. Mir fehlen die Worte, um dieses Erdbeben zu beschreiben. Es ist so, als seien wir im Krieg." Es sind eindringliche Worte, mit denen Pater Pierre Roland Bien-Aimé von der Gemeinde St. Maria Goretti in Chambellan die Situation auf Haiti beschreibt. Am Dienstag war der Brief im Mail-Eingang von Cäcilia Meves und Bernd Roland vom Erkrather Freundeskreis Chambellan.

"Endlich ein Lebenszeichen von unseren Freunden", sagt Meves, die zuvor vergeblich versucht hatte, Kontakt zu der Partnergemeinde aufzunehmen. "Diese Ungewissheit war schlimm. Vor allem, wenn man täglich die schrecklichen Bilder sieht."

Offenbar hat das Städtchen, mit dem die Gemeinden St. Johannes der Täufer Erkrath und St. Mariä Himmelfahrt Unterbach seit 1993 eine tiefe Freundschaft verbindet, die Katastrophe einigermaßen überstanden. "Dennoch", schreibt Père Bien-Aimé weiter, "ist das Leben beschwerlich, zumal jetzt auch noch Leute aus Port-au-Prince zu uns kommen. Das ist schlimm, denn sie verlangen von uns Nahrung oder auch Geld - was wir ihnen beides nicht geben können."

Angesichts der Verbundenheit zu Haiti hat sich der Freundeskreis mit der in Erkrath ansässigen Ökumenischen Initiative für die Dritte Welt zusammengetan und das "Aktionsbündnis für Erdbebenhilfe für Haiti" gegründet. Erster Akt dieser Kooperation: das Verfassen einer Resolution, in der alle Bürger zu Solidarität aufgerufen werden.

"Wir haben die Resolution an alle Gruppen, Verbände und Vereine, an Schulen, die Stadtverwaltung und an die Kirchen geschickt. Mit der Bitte, uns tatkräftig zu unterstützen", erklärt Roland. "Die Resonanz ist überwältigend."

In der Partnergemeinde St. Maria Goretti in Chambellan, 120 Kilometer westlich von Port-au-Prince, hielt sich die Zerstörung in Grenzen. Allerdings brach der Kirchturm zusammen, und durch das Pfarrhaus ziehen sich tiefe Risse.

In der Stadt rund 25 Kilometer nördlich von Port-au-Prince betreut die Ökumenische Initiative für die Dritte Welt eine Gesundheitsstation. "Sie ist weitgehend unversehrt", sagt Mitglied Regina Inger.

Seit 1981 flossen rund 500 000 Euro Spendengelder von Erkrath aus nach Haiti.

Ziel des Aktionsbündnisses ist es, möglichst viel Geld zu sammeln, das konkreten Projekten zugute kommt. "Wir haben bereits Kontakt zu Adveniat in Essen aufgenommen und wollen Waisenhäuser, Schulen, Kirchen oder Krankenhäuser unterstützen - sobald die großen Organisationen abgezogen sind. Denn uns geht es neben der Soforthilfe vor allem um den langfristigen Wiederaufbau", so Roland.

Bis es so weit ist, wird gesammelt. "Uns schweben verschiedenste Aktionen vor", sagt Meves. "Das kann ein Spendenlauf der Schulen sein. Oder ein ,Tag für Haiti’." Anvisiert wird der 29.Januar. Ort: die Albert-Schweitzer-Schule.

Roland: "Wir denken an Live-Auftritte von Bands. Von einigen gibt es schon Zusagen. Aber auch Vereinen und Organisationen soll eine Möglichkeit gegeben werden, sich und ihre Arbeit zu präsentieren. Wenn also jemand Ideen hat oder noch mitmachen will - ein Anruf genügt." Zu erreichen ist das Aktionsbündnis unter Tel. 0211/251286 (Cäcilie Meves) und 0211/241613 (Bernd Roland).

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