Die Parolen der Wahlplakate orientieren sich nicht zwangsläufig an Rechtschreibregeln.

wza_1500x1421_539780.jpeg
Alle wollen das Beste der Erkrather – ihre Stimme. Dafür nehmen Arno Werner und die CDU (unten links, weiter im Uhrzeigersinn), SPD-Mann Detlef Ehlert, die Bündnisgrünen und auch die Wählergemeinschaft BmU manch sprachliche Delle in Kauf.

Alle wollen das Beste der Erkrather – ihre Stimme. Dafür nehmen Arno Werner und die CDU (unten links, weiter im Uhrzeigersinn), SPD-Mann Detlef Ehlert, die Bündnisgrünen und auch die Wählergemeinschaft BmU manch sprachliche Delle in Kauf.

Dirk Thomé

Alle wollen das Beste der Erkrather – ihre Stimme. Dafür nehmen Arno Werner und die CDU (unten links, weiter im Uhrzeigersinn), SPD-Mann Detlef Ehlert, die Bündnisgrünen und auch die Wählergemeinschaft BmU manch sprachliche Delle in Kauf.

Erkrath. "Monster und Mythen" steht auf dem Plakat. Na, da scheint eine Partei auf die Kraft der Wahrheit zu setzen. Das ist doch mal ein hoch innovativer Wahlkampfspruch, der im kreativen Heiligtum einer der führenden Werbeagenturen geschaffen worden sein muss.

Ach so. "Monster und Mythen" wirbt gar nicht um Stimmen, sondern um Bildungsbürger. Die sollen nämlich ins Neanderthal Museum fahren, um sich dort die gleichnamige Ausstellung anzuschauen. Die ist übrigens völlig frei von Politik.

"Der Werbefachmann hat gesagt, dass der Spruch gut ist."

Aber das da ist eindeutig ein Wahlplakat. Warum das so unzweifelhaft ist? Weil den Betrachter ein Trio mit dentaler Superstrahlkraft begrüßt. Und weil die eine Dame und die beiden Herren so freundlich sind, versprechen sie "Wir können Erkrath".

"Wir", das ist die Wählergemeinschaft BmU. Der Rest ist kryptisch. "Wir können Erkrath". Was will uns der Dichter damit sagen? Können sie Erkrath retten oder wollen sie die Stadt ruinieren?

Dass sich da mit BmU-Chef Bernhard Osterwind ausgerechnet ein Oberstudienrat an deutscher Sprache verhoben haben soll, ist eigentlich nicht vorstellbar. Aber tatsächlich scheint ihm entgangen zu sein, dass Modalverben wie "können" oder "wollen" ein zweites, nachgestelltes Tätigkeitswort verlangen.

Nach Angaben von Ordnungsamtsleiterin Sylke Sackermann gibt es Auflagen, wo nicht plakatiert werden darf. "Dazu gehören Stellen, die den fließenden Verkehr beeinträchtigen". Schäden dürfen die Plakate auch nicht anrichten. So ist das Festnageln an einem Baum beispielsweise streng verboten.

Die BmU muss ihre Plakate bis einschließlich 2. september abgehängt haben. Die Partei gehen in die Verlängerung und plakatieren für die Bundestagswahl neu.

Die BmU hat ein gestohlenes Plakat bei der Stadt gemeldet und Anzeige erstattet. "Sonst ist es ruhig", sagt Sackermann.

"Wir können Erkrath - schützen", wäre so eine Möglichkeit. Und die Korrektur wird kommen, versichert Osterwind. "Das ist eine bewusst provokative Kampagne." Der zweite Teil werde kurz vor der Wahl plakatiert. Mit Verben wie "fördern", "bewahren", "bezahlen". Aber mal ehrlich: "Wir können Erkrath bezahlen" ist sprachlich auch nicht frei von Schlaglöchern.

Ehlert will "Bürgermeister für Alle" werden

Nicht einmal mit der Subtilität gekonnter Werbestrategie können sich die SPD und ihr Spitzenmann herausreden. Detlef Ehlert will "Bürgermeister für Alle" werden. Nur, dass es in der gesamten Stadt keinen Bürger gibt, der Herr oder Frau Alle heißt. Und der Mann für alle, also alle 45 500 Männer, Frauen und Kinder in Erkrath sein zu wollen, ist zwar eine große Aufgabe - "alle" wird aber trotzdem klein geschrieben.

Bei sprachlicher Kompetenz macht CDU-Konkurrent Arno Werner schon mal keinen Boden gut: "Erfolgreich mit Werner" ist schon wieder so eine Ablehnung des erklärenden Verbs. Wobei will uns Werner Erfolg bescheren? Beim Zocken, beim Ablegen der Fahrprüfung? Fragen - und eine ehrliche Antwort: "Der Werbefachmann hat gesagt, dass der Spruch gut ist", meint CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Jöbges. Außerdem gebe die Größe des Plakats den Raum für den Druck vor.

Auf dem Pappschild, das fünf Grüne halten, wäre locker noch Platz für ein Komma gewesen - für das Satzzeichen nach "grün" in dem Spruch "Erkrath, zu grün um laut zu sein". Bei Infinitivgruppen, die mit "um" eingeleitet werden, gehört sich das Komma.

So, jetzt haben wir ganz schön geschulmeistert und mit Steinen aus dem Glashaus auf die geworfen, die im Gegensatz zu Redakteuren nicht dafür bezahlt werden, die deutsche Sprache 100prozentig zu beherrschen. Oder schreibt man das jetzt 100-prozentig? Schreiben Sie uns doch...

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer