In der Villa Kunterbunt Trills etwa werden jährlich rund doppelt so viele Kinder angemeldet wie Plätze vorhanden sind. Ein Konzept für Kinder unter drei Jahren ist schwierig – weil die Freien Träger für ihre elf Kitas höchst individuell planen.

Erkrath. Bis 2013 hat das Jugendamt Zeit, folgende Gleichung zu lösen: Wie schaffe ich es bei rückläufiger Zahl von Kindern, die älter als drei Jahre sind, dem Gesetz genüge zu tun, wonach in vier Jahren für 32 Prozent der Unter-Dreijährigen ein Betreuungsplatz angeboten werden muss? "Indem wir ein Gesamtkonzept erstellen", sagt Jugendamtsleiter Uwe Krüger.

Die Theorie erreicht nicht die Praxis

Klingt einfach, ist schwierig. Die Beherrschung rechnerischer Grundformen lässt nämlich außer Acht, dass den Freien Trägern das Hemd näher als die Hose ist. Theoretisch müssten bis 2013 sieben Räume frei stehen, in denen die ganz Jungen betreut werden können. Diese Zahl ist das Ergebnis des Rückgangs von Kindergartenkindern über drei Jahren von heute 1109 auf dann 932. Bei 25Kindern pro Gruppe kommen als Ergebnis die sieben Zimmer heraus.

Freie Träger wollen anbauen

Diese Rechnung hat das Jugendamt allerdings ohne die Freien Träger gemacht, die elf Kitas betreiben. Zehn sind in städtischer Hand. "Die Freien wollen nämlich anbauen, um für Eltern attraktiv zu bleiben", sagt Krüger. Aus seiner Sicht sei das nicht notwendig.

Als Folge solcher Planung, die nicht über den Tellerrand der eigenen Einrichtung hinausreiche, "haben wir dann nämlich leer stehende Räume". Aber Krüger kann sich entspannen: Nicht er, sondern Politiker entscheiden, wer anbauen darf und wer nicht.

Eine erste Nagelprobe steht im Mai kommenden Jahres an. Die Kita In den Birken will sich räumlich erweitern, gleichzeitig werden in der Willbeck Räume frei. "Die Eltern haben auch bei der U3-Betreuung kein Anrecht auf eine bestimmte Einrichtung", stellt Krüger klar. Aus seiner Sicht macht es daher Sinn, im dem konkreten Fall die Kita in der Willbeck mit Unter-Dreijährigen aufzufüllen.

Aktuell erfüllt Erkrath eine Betreuungsquote von 20 Prozent. Für 973 Kinder gibt es damit 169 Plätze. Bis 2013 soll sich diese Quote auf 32 Prozent erhöhen. Prognostizierten 935 Kindern im Alter bis zu drei Jahren stehen dann 246 Plätze zur Verfügung. Davon wiederum befinden sich - wie auch jetzt schon - 65 Prozent in Kitas. 35Prozent werden von Tagesmüttern betreut.

Die Betreuung der Unter-Dreijährigen kostet zurzeit jährlich knapp eine halbe Million Euro.

Dass Eltern damit erheblich an Wahlmöglichkeiten verlieren, nimmt der Amtsleiter in Kauf. "Bei normalen Kita-Plätzen ist es doch nicht anders: Da melden die Eltern ihre Kinder auch in drei oder vier verschiedenen Einrichtungen an, um überhaupt einen Platz zu bekommen."

Der Wunsch wird dann häufig nicht zum Betreuungsprogramm: In der Villa Kunterbunt Trills etwa werden jährlich rund doppelt so viele Kinder angemeldet wie Plätze vorhanden sind. Diese Überbuchung besonders begehrter Einrichtungen wird auch für die Betreuung Unter-Dreijährigen gelten. So viel steht zumindest schon fest.

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