Hyacinta Hovestadt, Preisträgerin des LokArt-Jurypreises, stellt seit Donnerstag in der Kreissparkasse an der Bahnstraße aus.

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Mächtig im Eindruck, leicht an Gewicht: Hyacinta Hovestadt neben einem ihrer Kunstwerke, das den Titel „Astike“ trägt.

Mächtig im Eindruck, leicht an Gewicht: Hyacinta Hovestadt neben einem ihrer Kunstwerke, das den Titel „Astike“ trägt.

Dirk Thomé

Mächtig im Eindruck, leicht an Gewicht: Hyacinta Hovestadt neben einem ihrer Kunstwerke, das den Titel „Astike“ trägt.

Erkrath. Wenn Börsen, Banken und betriebswirtschaftliche Systeme keinen Gewinn versprechen, macht die Entwicklung eines PlanB Sinn.

Für Hyacinta Hovestadt ist das eine hübsche kreative Herausforderung, der sie mit ihren "Wertpappen" begegnet. "So bringe ich im Finanzdurcheinander ein bisschen Wert in die Bank", erklärt die Künstlerin die "leichte Ironie" ihrer Ausstellung, die am Donnerstag durch Filialdirektor Wolfgang Soldin in der Kreissparkasse eröffnet wurde.

Aus Zivilisationsmüll wird Kunst

Der Titel ist nicht allein ein Wortspiel - obwohl die studierte Kunstwissenschaftlerin das Spiel mit Worten "besonders gerne" mag. "Wellpappe ist nützlich, aber ein Wegwerfartikel." Wenn allerdings Hyacinta Hovestadt diesen Zivilisationsmüll verarbeitet, ist er von Wert. Denn die Preisträgerin des LokArt-Jurypreises 2008 formt daraus bemerkenswerte Skulpturen.

"In dieses Material war ursprünglich die Schrankwand meiner Nachbarn verpackt", verweist sie auf eine Arbeit, die unter den für sie typischen Titel "Nester, Hüllen und Höhlen" passt. "Hohlräume haben es mir angetan", erklärt sie.

Diese Anmutung von sich zurückziehen können oder von Formen, die Schutz versprechen, "zum Reinkrabbeln und sich wohlfühlen" sind ihr Metier. Schicht für Schicht sind die einzelnen Papplagen aufeinander gelegt und durch Holzleim verbunden. "Offensichtlich muss man auch etwas von Statik verstehen, denn diese ‚Welle’ hätte eigentlich stehen und nicht liegen sollen", beschreibt sie ein sich nun horizontal erstreckendes Werk.

Aber dieses Zufällige ist typisch für ihren Umgang mit dem Material. Wie bei der "Kapsel", ein in verschiedene Richtungen gearbeitetes Teil, das in seinem Inneren kristalline Wellenformen birgt, ergab sich aus mancher Klebedelle eine neue Dynamik. "Bei der Arbeit passiert etwas. Oft steuere ich dagegen, manchmal nehme ich die Idee auf."

Und so entstehen mächtige Skulpturen wie die "Kooge" oder "Astike", die dank des Materials federleicht sind. Aber nicht nur stehende Objekte werden in der Ausstellung an der Bahnstraße gezeigt. "Dunkel" erinnert an ein Bild mit Textur. Das Fragmentarische und Archäologische ("Es könnten alte Stoffe von Moorleichen sein") findet sie selbst am interessantesten an diesem Stück.

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