Projekt: Achtklässler der Realschule prüften Alt-Erkrath auf seine Senioren- und „Rolli“-Tauglichkeit.

wza_1500x999_495439.jpeg
Ausweichen war an manchen Stellen für (v.l.) Christian Jordan, Mara Munsch (im Rollstuhl), Skadi Urner und Stefanie Wagner angesagt.

Ausweichen war an manchen Stellen für (v.l.) Christian Jordan, Mara Munsch (im Rollstuhl), Skadi Urner und Stefanie Wagner angesagt.

Dirk Thomé

Ausweichen war an manchen Stellen für (v.l.) Christian Jordan, Mara Munsch (im Rollstuhl), Skadi Urner und Stefanie Wagner angesagt.

Erkrath. Jeder zu hohe Bordstein ist plötzlich ein Hindernis. An manchen Stellen versperren Mülltonnen oder parkende Autos den Gehweg, an denen früher einfach vorbei marschiert wurde. Und bei einigen Ampeln ist schon wieder Rot, als die Schüler noch mitten auf der Fahrbahn sind.

"Wir hätten nicht gedacht, dass es teilweise so schwer ist, mit einem Rollstuhl durch Erkrath zu kommen", sind sich Mara Munsch (14), Skadi Urner (14), Stefanie Wagner (13) und Christian Jordan (13) einig. Die vier Achtklässler bildeten am Dienstag ein Team von sieben der Realschule Erkrath, die Alt-Erkrath auf seine Seniorentauglichkeit prüften - die Ergebnisse sollen später in einen alternativen Stadtplan fließen.

Wie können Menschen im "Quartier" alt werden?

"Im Quartier bleiben" heißt das Pilotprojekt des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen. "Dahinter steht die Frage: Was müssen Kommune und Land tun, damit man zu Hause alt werden kann?", sagt Monika Thöne von der Caritas-Begegnungsstätte Gerberstraße. Die Ortsbegehung der Schüler ist dabei nur ein Bestandteil.

Freiwillig nimmt jeder von ihnen im Rollstuhl Platz, akribisch wird aufgelistet, wo es Haken und Ösen gibt. "Das gilt an solchen Stellen ja nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für Menschen mit Rollator, mit Behinderungen oder auch Kinderwagen", sagt Thöne. Außerdem werden Angebote wie Apotheken, Sanitätshäuser, Gaststätten oder auch Briefkästen und Plätze zum Ausruhen aufgelistet.

Durchweg gute Noten gibt’s zum Beispiel für die Bushaltestellen, die Mara, Skadi, Stefanie und Christian in ihrem Teilbereich ablaufen bzw. abfahren. "Alle überdacht und mit Sitzbänken", wird zufrieden festgehalten. Weniger gut weg kommen dafür die Ampeln: Wer im normalen Tempo den "Rolli" über die Straße schiebt, ist fast nie bei Grün auf der anderen Seite. Ärgerlich sind auch Gehwege, bei denen die Absenkungen fehlen oder die, wie an einer Seite der Bachstraße, direkt ins Grün führen - für Rollstühle eine Sackgasse.

Die Ergebnisse - eine dritte Schulklasse ist heute noch unterwegs - werden gesammelt und am 22. Juni an der Gerberstraße präsentiert. "Wir freuen uns, dass wir etwas für andere Menschen tun können", sagt Skadi, "außerdem werden wir ja auch irgendwann alt." Und Christian hofft, dass die Schwachstellen, die sie gefunden haben, auch beseitigt werden. "Sonst machen wir das hier umsonst."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer