Plötzlich ging alles ganz schnell. Statt am kommenden Samstag wurde das Kaufhaus bereits am Mittwoch geschlossen.

Kein Stoff mehr am Puppenleib: Hertie als Kaufhaus ist seit Mittwochabend Geschichte. Für die 15 Mitarbeiter hat das Warten auf den letzten Tag noch kein Ende.
Kein Stoff mehr am Puppenleib: Hertie als Kaufhaus ist seit Mittwochabend Geschichte. Für die 15 Mitarbeiter hat das Warten auf den letzten Tag noch kein Ende.

Kein Stoff mehr am Puppenleib: Hertie als Kaufhaus ist seit Mittwochabend Geschichte. Für die 15 Mitarbeiter hat das Warten auf den letzten Tag noch kein Ende.

Dirk Thomé

Kein Stoff mehr am Puppenleib: Hertie als Kaufhaus ist seit Mittwochabend Geschichte. Für die 15 Mitarbeiter hat das Warten auf den letzten Tag noch kein Ende.

Erkrath. Bitter ist, wenn Pleiten den Umsatz ankurbeln. Eigentlich sollte die Hertie-Filiale erst am kommenden Samstag endgültig geschlossen werden. Der Ausverkauf mit Nachlässen von bis zu 70 Prozent hat die Erkrather jedoch geweckt. Als Ergebnis liefen die Geschäfte so gut, dass bereits der Mittwoch als der letzte Öffnungstag notiert werden muss.

"Ich werde mich wohl arbeitslos melden."

Detlef Kalus, Leiter der Hertie-Filiale Erkrath

Bereits am Dienstagnachmittag legte sich eine bedrückende Stille schwer zwischen die Regale. Kunden und Mitarbeiter wirkten sprachlos. Alles war gesagt. Über die bevorstehende Schließung war schließlich seit Wochen diskutiert worden. Restwaren sind bereits an andere Filialen abgegeben worden oder ausverkauft, den Rest hat ein Billighändler erworben.

"Ich komme schon seit Wochen jeden Morgen mit Magenschmerzen zur Arbeit", sagt ein Angestellter und gewährt diesen kurzen Moment lang Einblick in sein Innenleben. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen - aus Sorge um seine berufliche Zukunft. "Ich arbeite seit 35 Jahren hier und habe den Laden mit eingeräumt. Und jetzt muss ich alles ausräumen. Mit 56 Jahren habe ich keine gute Perspektive auf dem Arbeitsmarkt", sagt der Mann.

Noch hat niemand die Kündigung erhalten, aber alle wissen, dass sie gehen müssen. Unklar ist nur der Zeitpunkt. Deshalb werden sie auch weiterhin jeden Morgen zur "Arbeit" kommen und auf den Tag warten, der dann endgültig der letzte sein wird. Bis dahin wird das Ladenlokal für den neuen Besitzer ausgekehrt.

Drei Unternehmen wollen das Gebäude kaufen

Wer das wird? "Ich stehe mit allen drei Interessenten in Verbindung", sagte gestern Immobilienmakler Christoph Meyer auf Nachfrage. Gemeint sind neben einem Immobilieninvestor auch noch Rewe und Edeka. Kaufangebote liegen vor, jetzt beginnt die harte Phase des Verhandelns.

Wadim Krasnoborodkin hat ganz andere Sorgen. Der Auszubildende wechselt von Erkrath in die Hertie-Filiale Langenfeld. "Wie es dort weitergehen wird, weiß ich aber auch nicht. Die Zukunft von Hertie ist auch dort nicht geklärt", sagte er. "Ich fürchte das Schlimmste." Da geht es ihm wie seinem Chef: "Ich werde mich wohl arbeitslos melden", so Filialleiter Detlef Kalus.

Enttäuscht waren gestern zahlreiche Kunden. "Jetzt kann man Erkrath wirklich vergessen", sagte Christa Hein-Janke. Hildegard Glinka hat sich schnell noch mit Schnürsenkeln eingedeckt: "Dafür muss ich demnächst wohl nach Düsseldorf fahren", meinte sie.

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