Mit einem Besuch der Kleingartenanlage am Daniel-Schreber-Weg verlieren manche Vorurteile Gültigkeit.

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Klaus Wenzel, Kleingärtner aus Leidenschaft, inspiziert seine Stockrosen.

Klaus Wenzel, Kleingärtner aus Leidenschaft, inspiziert seine Stockrosen.

Dirk Thomé

Klaus Wenzel, Kleingärtner aus Leidenschaft, inspiziert seine Stockrosen.

Hochdahl. Wer in einer Wohnung lebt, schätzt sich glücklich, einen Balkon sein Eigen zu nennen. Einige wenige Quadratmeter Fläche in Form von Blumenkästen, an denen der grüne Daumen ausgelebt werden kann.

Es gibt jedoch eine Alternative, die bei den Hobbygärtnern das Herz höher schlagen lässt - und die nicht einmal teuer ist: der Kleingartenverein am Daniel-Schreber-Weg. Was nach Spießertum und Gartenzwergfanatikern klingt, stellt sich bei einem Spaziergang durch die großzügige und gepflegte Anlage jedoch als etwas anderes heraus: eine Möglichkeit für Stadtmenschen, ein Stück Natur zu genießen.

"Das Klischee vom Streit über den Gartenzaun hinweg erfüllen wir nicht."

Klaus Wenzel, Kleingärtner

Dort können Städter die ländliche Idylle nachzuempfinden, in der selbst geerntetes Gemüse auf den Tisch kommt und man von der Terrasse auf bunte, eigens angelegte Blumenbeete blickt.

Der Garten von Klaus Wezel ist ein solch grünes Kleinod, das und Gaumen erfreut. Prachtvolle Blumenbeete mit teilweise mannshohen Blütenstauden säumen den akkurat gemähten Rasen und den Weg, der zum Haus führt. Entlang des Gebäudes ranken Tomaten und Paprikapflanzen mit noch grünen Früchten. An einer weiteren Staude leuchten orangefarbene Hokkaido-Kürbisse.

Neben Apfelbäumen, die in Kreisen von Kleingärtnern eher zum Obligatorischen gehören, hat der 73-Jährige gemeinsam mit seiner Frau ein ganzes Beet voller Gemüse angelegt. "Zucchini, Zwiebeln, Rucola, Kräuter, Kartoffeln, Karotten, Salat", zählt er auf. Von dem Salat will er gerade einen Kopf ernten. "Der kommt gleich auf den Teller. Selbst geerntetes schmeckt anders als Waren aus dem Supermarkt."

Gärtner schwören auf Biogemüse aus eigenem Anbau

1969 ging die erste Bewerbung bei der Stadt um einen Kleingarten ein; im April 1975 wurde der Verein gegründet. Etwa ein Drittel der 113 Pächter sind bereits von Anfang an dabei. 1978 begann der Bau der Häuser, 1992 wurde das Vereinshaus errichtet.

Rund 350 Euro zahlen die Pächter im Jahr für ihr mehr als 300 Quadratmeter großes Stück Grün, inklusive Vereinsbeitrag, Wasser und Strom. Auf jeder der 113 Parzellen steht ein Haus von maximal 24 Quadratmeter Größe - geregelt durch das Bundeskleingartengesetz. Dieses sieht außerdem vor, dass auf den Parzellen nicht übernachtet werden darf. Wer Interesse hat, kann sich auf eine Warteliste setzen lassen: Die Parzellen sind alle vergeben, in diesem Jahr ist bislang nur ein neuer Pächter nachgerückt.

Der Kleingartenverein ist unter Telefon 02129/343737 zu erreichen.

Auch Josef Bermes, erster Vorsitzender des Vereins, schwört auf Biogemüse aus eigenem Anbau. "Nirgendwo anders weiß man so genau, dass nicht gespritzt wurde. Es ist schon seltsam, dass der Salat aus dem Geschäft eine Woche lang frisch aussieht", gibt der 75-Jährige zu bedenken.

Doch auch über die kulinarischen Genüsse hinaus wissen die beiden Männer ihre Parzellen zu schätzen. Beide sind dem Verein seit bereits rund 30 Jahren treu. "Es gibt immer etwas zu tun. Und es ist eine gute Gemeinschaft hier. Das Klischee vom Streit über den Gartenzaun hinweg erfüllen wir nicht", erzählt Wezel. Stattdessen helfe man sich gegenseitig, gebe Ratschläge, und auch der eine oder andere Setzling werde untereinander getauscht.

Dabei sind es keineswegs überwiegend Senioren, die Gartenschere und Harke in die Hand nehmen. Bermes: "Es gibt viele junge Familien hier. Wir haben eigens einen Spielplatz errichtet."

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