Projekt: Schüler des Gymnasiums am Neandertal entwickeln Vorstellungen für eine moderne Schule. Und die Angebote machen so viel Spaß, dass sie sogar auf Freistunden verzichten.

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So viel Kreativität auf einem Bogen Papier: Herbert Griesmann und Yannic Arnold (v.l.) mit dem Vorentwurf der Planungen für eine neue Schule.

So viel Kreativität auf einem Bogen Papier: Herbert Griesmann und Yannic Arnold (v.l.) mit dem Vorentwurf der Planungen für eine neue Schule.

Dirk Thomé

So viel Kreativität auf einem Bogen Papier: Herbert Griesmann und Yannic Arnold (v.l.) mit dem Vorentwurf der Planungen für eine neue Schule.

Erkrath. Ein Gymnasium direkt am Unterbacher See, mit eigenem Zoo, einem Kino und einem Theater, einer Halfpipe, einem Stadion und einem Hochseilgarten - "Wir müssten gleich ein Hotel dazu bauen, weil die Schüler nicht mehr nach Hause wollen würden", sagt Hans Gruttmann lachend, Schulleiter des Gymnasiums am Neandertal. Was unter dem Motto "Zukunftswerkstatt" auf einem Plakat an Ideen für eine noch attraktivere Schule entstanden ist, ist großenteils fiktiv.

Die Schüler haben die kreativen Ideen einfach fließen lassen

"Wir haben uns zusammengesetzt und die Ideen fließen lassen, losgelöst von Kriterien wie Finanzierung und Platz. Dann haben wir uns in die Realisierungsphase begeben und geschaut, was davon umsetzbar ist. Denn kleine Schritte vorwärts sind besser als Perfektion, die nicht erreichbar ist", erklärt Elternvertreter Frank Neas.

Und tatsächlich sind einige Details des Plakats bereits Realität: Ein kleines Theater gibt es bereits am Gymnasium, einen Spieleraum ebenfalls. Im Dezember soll außerdem die neue Mensa mit rund 200 Sitzplätzen fertiggestellt sein. "Dann können wir den gebundenen Ganztag so umsetzen, wie er sein soll: mit einer gemeinsamen Mittagspause", sagt Gruttmann.

Das erste Schuljahr im Ganztag haben Lehrer und Schüler in Alt-Erkrath hinter sich gebracht - Zeit, Bilanz zu ziehen. Mit 75Fünftklässlern ist das Gymnasium in den Ganztag gestartet. Unterstützt wurde das Lehrerkollegium dabei nicht nur von Eltern, sondern auch vom Kooperationspartner SKFM.

Beim Mittagessen, in der Betreuung der Arbeitsstunden und der Realisierung einer bewegten Mittagspause hat sich die Zusammenarbeit bewährt. "Wichtig war dabei immer, den Kindern die Umstellung des Schulrhythmus so leicht wie möglich zu machen", betont Karin Tost vom SKFM. "Wir helfen nicht nur Menschen in Not, sondern wollen auch dazu beitragen, dass sie gar nicht erst in Not geraten", sagt SKFM-Leiter Norbert Baumgarten. "Der Ganztag hilft, Familie und Beruf zu vereinen."

Die Schule wird zu einer neuen Art Treffpunkt für die jungen Leute

Konkret sieht der Stundenplan drei lange Tage bis jeweils 15.05Uhr und zwei kurze bis 13.25 Uhr vor. Danach werden bis 15.55 Uhr Arbeitsgemeinschaften wie Handball, Cheerleading, Klettern, Schach oder eine Big Band, aber auch Arbeitsstunden für Hausaufgaben angeboten. Die Teilnahme daran ist jedoch freiwillig. Wer vermutet, dass die Schüler sich auf dem schnellsten Weg nach Hause verabschieden, irrt.

"50 der 75 Fünftklässler haben an den Angeboten im freiwilligen Bereich teilgenommen", weiß Gruttmann. "Die Schule wird zu einer neuen Art Treffpunkt. Vor kurzem gab es hitzefrei, als eine Arbeitsgemeinschaft gerade mit dem Bau von Floßen beschäftigt war: Die wenigsten sind nach Hause gegangen", erzählt Erprobungsstufenkoordinatorin Beate Gorgels.

"Die Akzeptanz des Ganztags ist bei den Schülern sehr groß", sagt stellvertretende Schulleiterin Katy Wenning. "Der Ganztag ist eine kleine Revolution. Durch ihn lässt sich das Lernpotential der Kinder aktivieren. Dank der Entschleunigung des Schulalltags arbeiten die Kinder auch in einer achten Stunde noch konzentriert." Die Umstellung bringt noch weitere Vorteile mit sich. "Selbstständiges Lernen und Arbeiten sind wichtig für den späteren Berufsalltag", weiß Norbert Baumgarten.

Yannic Arnold, der Sprecher der zwölften Jahrgangsstufe: "Nicht nur die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern wird lockerer, sondern auch der Umgang zwischen den Schülern: So bieten Oberstufenschüler Arbeitsgemeinschaften für die Unterstufe an; Zwölftklässler kickern gegen Sechstklässler."

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