Nach einer Rechnung über 75 0Euro vom Ordnungsamt droht Udo Kampschulte mit dem Ende für den Weihnachtsmarkt.

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Das Ende der Gemütlichkeit droht: Der Weihnachtsmarkt im Lokschuppen am vergangenen Wochenende könnte die letzte Veranstaltung dieser Art gewesen sein. (Archiv

Das Ende der Gemütlichkeit droht: Der Weihnachtsmarkt im Lokschuppen am vergangenen Wochenende könnte die letzte Veranstaltung dieser Art gewesen sein. (Archiv

Dirk Thomé

Das Ende der Gemütlichkeit droht: Der Weihnachtsmarkt im Lokschuppen am vergangenen Wochenende könnte die letzte Veranstaltung dieser Art gewesen sein. (Archiv

Erkrath. Es ist die besondere Atmosphäre, mit der jede Veranstaltung im Lokschuppen ihre Besucher anlockt. Ob der Männergesangsverein ein Konzert gibt, Künstler ihre Werke oder das Heimatmuseum seine Exponate ausstellen: Die Erkrather kommen. Und sie zeigen sich meist begeistert von der gemütlichen Stimmung und der Qualität der Veranstaltungen - so auch am vergangenen Wochenende.

Hunderte Besucher wussten den bereits traditionellen Weihnachtsmarkt im Lokschuppen zu schätzen. Besonders das Dach über dem Kopf und die Bodenheizung unter den Füßen steigerte die Attraktivität der mehr als 30 Stände gegenüber den Märkten unter freiem Himmel. Doch ein Schreiben des Erkrather Ordnungsamtes sorgte für ein gewaltiges Stimmungstief.

"Durch eine solche Forderung wird das Ehrenamt nicht unterstützt, sondern geknechtet."

Udo Kampschulte, Vorsitzender des Eisenbahn- und Heimatmuseumvereins zur Rechnung über 750 Euro

"Wir haben eine Rechnung über 750 Euro erhalten", ärgert sich Udo Kampschulte, erster Vorsitzender des Eisenbahn- und Heimatmuseumsvereins. "Seit zehn Jahren veranstalten wir diesen Weihnachtsmarkt im Lokschuppen - selbstverständlich ordnungsgemäß angemeldet."

Eine Rechnung gab es dafür bislang nicht. "Der Weihnachtsmarkt fällt in die Kategorie Spezialmarkt: regelmäßig wiederkehrend, zeitlich begrenzt und durch bestimmte Produkte gekennzeichnet", erklärt Carsten Döhr, stellvertretender Ordnungsamtleiter. "Der Antrag, um den Markt am Sonntag öffnen zu können, wurde gestellt - und die Genehmigung ist mit Gebühren verbunden."

750 Euro entsprächen dabei dem üblichen Satz, der der Gebührenordnung entnommen wird. Warum diese Summe nicht bereits bei den vorigen neun Märkten fällig wurde, kann er nicht erklären. "Vielleicht wurde in den Vorjahren ein anderer Antrag gestellt", so Döhr.

Der erste Vorsitzende des Eisenbahn- und Heimatmuseumsvereins gehört außerdem dem Arbeitskreis zur Förderung des Tourismus und dem Organisationsteam des Trillser Straßenfestes an.

Der Lokschuppen ist ein Relikt aus der Epoche der Privateisenbahnen. 1991 wurde der Verein des Eisenbahn- und Heimatmuseums gegründet. Themen des Vereinslebens sind der Museumsbetrieb, das Archiv, die Fahrzeugausstellung und die Organisation von Veranstaltungen zum Unterhalt des Museums.

"Der Antrag für den Markt wurde sehr kurzfristig eingereicht; außerdem fehlten Unterlagen, die nachträglich angefordert werden mussten. Trotzdem wurde der Antrag rechtzeitig und sorgfältig geprüft", ergänzt Jörg Birkhölzer vom Ordnungsamt. "Bei einem Markt, auf dem nur Privatpersonen Waren anbieten, wäre kein Antrag erforderlich gewesen."

Aus der Tatsache heraus, dass Kampschulte einen Antrag gestellt hat, sei zu schließen gewesen, dass auch Gewerbetreibende an dem Markt teilnehmen würden. "Da die Teilnehmerliste nicht Gegenteiliges anzeigte, wurden Gebühren entsprechen der Verwaltungsgebührenordnung festgesetzt", so Birkhölzer.

In den nächsten Tagen soll über die Zahlung entschieden werden

Die Zahlungsfrist endet am 11.Dezember. In den nächsten Tagen soll entschieden werden, ob das Ordnungsamt auf seiner Forderung bestehen bleibt, oder ob die Summe erlassen oder ermäßigt wird. Sollte ersteres der Fall sein, wird das für Erkraths Kultur- und Freizeitlandschaft nicht ohne Folgen bleiben. "Wenn wir zahlen müssen, war das in diesem Jahr der letzte Weihnachtsmarkt im Lokschuppen", stellt Kampschulte verärgert klar.

Der Verein, die Aussteller und die Besucher seien angesichts der Forderung des Ordnungsamts entsetzt gewesen. "Wir sind kein kommerzieller Betreiber, sondern ein gemeinnütziger Verein. Das Geld, das wir durch den Markt einnehmen, kommen unserem Verein zugute - nach einer solchen Zahlung würde kaum etwas übrigbleiben", so Kampschulte. "Unsere Mitglieder haben die Veranstaltung bei Wind und Wetter vorbereitet. Mit einer solchen überzogenen Bürokratie macht das Ordnungsamt die ehrenamtliche Arbeit kaputt und frustriert unsere Helfer. Das Bürgerengagement wird so nicht unterstützt, sondern geknechtet."

Udo Kampschulte gehört außerdem dem Organisationsteam für das Trillser Straßenfest an. "Auch dort müssen wir von Jahr zu Jahr immer mehr Auflegen erfüllen - irgendwann ist das Fass voll." Mitorganisator Gottfried Bander sieht das beliebte Straßenfest trotzdem nicht gefährdet: "Wir stehen als Verantwortliche zwar ständig unter Druck. Maßnahmen wie Hygiene- und Sicherheitsvorschriften sind jedoch nötig und nachvollziehbar. Was das Fest in Trills angeht, bleibe ich gelassen."

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