Die Hilfsorganisation möchte im Sommer in Räume der Realschule an der Schmiedestraße umziehen.

Packen bei der Ausgabe an die Tafel-Kunden nicht nur fürs Foto mit an: die beiden Vorstandsmitglieder Dr. Beate Wirth und Jürgen Mann.
Packen bei der Ausgabe an die Tafel-Kunden nicht nur fürs Foto mit an: die beiden Vorstandsmitglieder Dr. Beate Wirth und Jürgen Mann.

Packen bei der Ausgabe an die Tafel-Kunden nicht nur fürs Foto mit an: die beiden Vorstandsmitglieder Dr. Beate Wirth und Jürgen Mann.

Dirk Thomé

Packen bei der Ausgabe an die Tafel-Kunden nicht nur fürs Foto mit an: die beiden Vorstandsmitglieder Dr. Beate Wirth und Jürgen Mann.

Erkrath. Gutmenschen treten nicht nach, sondern kommentieren Fragen nach dem Grund für den Wechsel vielsagend mit einem "Kein Kommentar". Monika Schön war gestern, Jürgen Mann ist heute. Die Gründerin der Erkrather Tafel, die im Vorjahr erneut den Vorsitz übernahm, hat auf Druck der Mitglieder auf eine Verlängerung ihrer Amtszeit verzichtet.

Das Hauptproblem der Hilfsorganisation, die seit 2001 Bedürftige mit Lebensmittelspenden versorgt, hat sich mit dem neuen Personal in der Chefetage allerdings nicht erledigt: "Wir sind immer noch auf der Suche nach Räumen", sagt Jürgen Mann (66).

"Ich kann mir Essen leisten. Andere können das nicht. Außerdem finde ich es unerträglich, wenn Essen weggeworfen wird."

(Dr. Beate Wirth, 2. Vorsitzende der Tafel)

Wobei die Suche eigentlich beendet ist, weil die Vorstandsmitglieder längst ein Wunschobjekt gefunden haben: die Außenstelle der Realschule an der Schmiedestraße, die zum kommenden Schuljahr geschlossen wird. Dann wird die Schule Ganztagsschule und zieht komplett ins Schulzentrum Rankestraße ein.

Damit ist ein Politikum garantiert. Bürgermeister und CDU-Mann Arno Werner will das Grundstück vermarkten und einen Investor für Seniorenwohnungen anlocken, andere Stimmen, wie die aus der Wählergemeinschaft BmU, unterstützen die Tafel-Idee.

"So einfach ist das Gelände nicht zu vermarkten", meint Jürgen Mann und verweist auf das ehemalige Hallenbad an der Sedentaler Straße. Die angegliederten Räume des Fitness-Studios hatte die Tafel nutzen wollen, war aber bei der Stadt mit ihrem Begehren abgeblitzt, weil ja der Abriss kurz bevorstünde. Seitdem sind drei Jahre vergangenen. Vom Abriss spricht derzeit niemand im Rathaus.

Im November 2001 gründeten Monika und Lutz Schön die Erkrather Tafel. Es gibt 89 Mitglieder - davon beteiligen sich 40 aktiv an de Arbeit. 180 Personen haben einen Berechtigungsausweis. Da die meisten von ihnen Familien haben, werden über die Tafel rund 400 Personen mit Lebensmitteln versorgt. Im Vorjahr gab die Tafel rund 110 Tonnen Lebensmittel aus, 22 Tonnen mehr als 2007.

1.Vorsitzender: Jürgen Mann, 2.Vorsitzende: Dr. Beate Wirth; Schatzmeisterin: Carla Giljohann, Schriftführerin: Susan Krüll, Beisitzer: Werner Schwarz.

Erkrather Tafel, Niermannsweg 11-15, 40699 Erkrath, Telefon 0211/2503333, E-Mail-Adresse: ínfo@erkrather-tafel.de

"Jetzt schimmelt das Gebäude vor sich hin. Eine Instandsetzung würde nun bereits 50 000 Euro kosten", sagt Mann, und Dr. Beate Wirth (69), die 2. Vorsitzende, ergänzt: "Die Schmiedestraße würden wir in einem guten Zustand erhalten, damit es nicht so verkommt wie das Abrissgebäude." Die Lokalität böte sich auch wegen der Lage bestens an. Dr.Wirth: "Unsere Kunden würden da nicht stören."

Das Problem ist der Zeitdruck

Zwar sind auch an der jetzigen Ausgabestelle, im Jugendcafé an der Sedentaler Straße, noch keine Beschwerden über die Kunden eingegangen - "das Problem ist jedoch die Tatsache, dass wir für die Ausgabe lediglich bis 13 Uhr Zeit haben", sagt Mann. Bis dahin muss der Raum bereits wieder für die angestammte Nutzung umgeräumt worden sein.

Dass an den beiden Ausgabetagen in der Woche - dienstags und freitags - jeder Bezugsberechtigte nur einmal zugreifen darf, hängt demnach nicht etwa mit einem Mangel an Lebensmittelspenden, sondern mit dem Mangel an Zeit aufgrund der Raumprobleme zusammen. "Wenn wir in die Schmiedestraße einziehen könnten, würden wir zweimal wöchentlich an alle verteilen", so Mann.

Die Notwendigkeit stellt der ehemalige Geschäftsführer eines mittelständischen Chemieunternehmens nicht in Frage: "Wir rechnen leider mit einem deutlichen Anstieg der Bedürftigen. Wer jetzt arbeitslos wird, meldet sich bei uns in einem halben Jahr." Deshalb wolle und müsse die Tafel auch weitere Spender gewinnen.

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