16 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen. Am Mittwoch sprach der Bürgermeister mit Investoren über die Folgenutzung.

Die Hertie-Filiale an der Bongardstraße wird geschlossen. Was mit Rewe passiert, ist noch unklar.
Die Hertie-Filiale an der Bongardstraße wird geschlossen. Was mit Rewe passiert, ist noch unklar.

Die Hertie-Filiale an der Bongardstraße wird geschlossen. Was mit Rewe passiert, ist noch unklar.

Die Bäckerei Kamps und Rewe sind Mieter im Hertie-Gebäude, das wiederum dem britischen Investor Dawnay Day gehört.

Dirk Thomé, Bild 1 von 2

Die Hertie-Filiale an der Bongardstraße wird geschlossen. Was mit Rewe passiert, ist noch unklar.

Erkrath. "Ich verbinde Sie weiter und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag." Die Stimme der Dame in der Telefonzentrale des Warenhauses Hertie an der Bongardstraße klingt freundlich wie immer. Dabei hätte sie allen Grund, an diesem Morgen auf die Höflichkeit zu pfeifen. Wurde sie doch, wie 15 weitere Mitarbeiter auch, am Dienstagabend von Hertie-Geschäftsführer Detlef Kalus im Personalkasino darüber informiert, dass die Erkrather Filiale geschlossen wird. 

Wie 19 weitere Filialen auch. "Das Datum für die Schließung ist noch nicht bekannt", sagte Kalus. Das war Mittwochmorgen. Mittags gab der Insolvenzverwalter Einzelheiten bekannt: Schon im Februar soll Schluss sein. Ein Sozialplan muss noch ausgearbeitet werden.

Schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt

"Wir hatten bis zum Schluss gehofft, dass es uns nicht trifft", sagt Angela Eberhard. Die Vorsitzende des Betriebsrats arbeitet seit 18Jahren in dem Kaufhaus, das bis 2005 Karstadt hieß. Andere haben über 25 Jahre Betriebszugehörigkeit vorzuweisen. "Viele davon sind Anfang 50", sagt Eberhard.

Deren Chancen, eine neue Stelle zu finden, seien einfach nur mies. "Und für den Vorruhestand sind sie noch zu jung." Entsprechend schlecht sei die Stimmung in der Belegschaft "Die Kollegen haben vergangene Nacht kein Auge zugemacht." Sie selbst ist 39 und hat damit bessere Chancen, einen neuen Job zu finden. Das Prinzip Hoffnung gilt auch für die beiden Auszubildenden, die noch ein Lehrjahr vor sich haben. Eberhard: "Noch haben sie keinen neuen Ausbildungssplatz gefunden."

Die Zukunft der Mieter im Hertie-Haus ist ungewiss

Vieles ist vage an diesem Morgen nach der vernichtenden Nachricht. Was passiert mit der Bäckerei-Filiale, was mit der Rewe-Niederlassung, wie reagiert die Betreiberin der Zeitschriften- und Tabakabteilung? Sie alle sind Mieter im Hertie-Gebäude, das wiederum samt Grundstück dem britischen Investor Dawnay Day gehört. Antworten waren am Mittwoch Mangelware oder wurden nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Die Quintessenz lautet jedoch: Genaues weiß noch niemand.

Die Klärung der Eigentumsverhältnisse hat für Arno Werner und Heribert Schiefer oberste Priorität. Ohne Informationen darüber können der Bürgermeister und sein oberster Stadtentwickler nicht zu Ergebnissen bei Verhandlungen mit neuen Investoren kommen. "Mittwochmorgen hat es bereits erste Gespräche gegeben", sagte Schiefer. Er habe die Idee, mehrere, kleinere Einzelhandelsgeschäfte ins Hertie-Gebäude zu holen.

Für die Übernahme der Filiale gibt es keine Interessenten

Auch der Bürgermeister betont, nicht erst am Dienstagnachmittag, mit Bekanntwerden der Schließungspläne, tätig geworden zu sein. "Wir haben uns zuvor an die Vereinbarung mit dem Insolvenzverwalter gehalten, nicht mit Interessenten zu verhandeln, um nicht den Eindruck zu erwecken, Hertie sei bereits abgeschrieben."

Kontakte zu Interessenten seien jedoch geknüpft worden. "Da ist aber keiner dabei, der Hertie übernehmen möchte." Inhalt von Gesprächen müsse nun auch sein, ob die jetzigen Mieter übernommen werden.

Die Notwendigkeit, neue Händler für das Hertie-Gebäude finden zu müssen, hat auch der Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat der SPD, Detlef Ehlert, erkannt. "Dazu gehören sicher in erster Linie neben dem vorhandenen Rewe-Markt Filialisten wie Strauß, H&M, Lidl, Penny, Schmuckgeschäfte wie Christ oder auch Douglas", meint er. Erkrather Einzelhändler könnten das Angebot ergänzen, "indem sie ihre Geschäfte verlagern oder vergrößern". Spruchreif ist das alles noch nicht.

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