Ausschuss: Das Jugendamt legte am Dienstag Zahlen für die Hilfe zur Erziehung vor.

Erkrath. Als 2006 Jahren der "Fall Kevin" bundesweit für Schlagzeilen sorgte, wurden Jugendämter in anderen Städten hellhörig. In Bremen hatte es das zuständige Jugendamt versäumt, die Familie entsprechend zu betreuen und im Blick zu behalten. Kevin starb.

"Wir sind natürlich seitdem sensibler geworden. Die Kosten für die Hilfen zur Erziehung sind erheblich gestiegen", sagt Jugendamtsleiter Uwe Krüger. Gestern stellte er im Jugendhilfeausschuss die aktuellen Zahlen vor.

Wurden 2007 noch 37 Familien durch den Ambulanten Sozialen Dienst betreut, waren es im vergangenen Jahr bereits 66. Die Kosten für diese Hilfen sind von 225000 Euro auf 407000 Euro angestiegen.

Warum sich hinter einer solchen Entwicklung nicht zwangsläufig Dramatik verbergen muss, erklärte Krüger so: "Nicht nur wir, sondern auch viele Bürger schauen genauer hin. Wir kümmern uns sofort um jeden auffälligen oder gemeldeten Fall und werden bei dem geringsten Verdacht auf Kindeswohlgefährdung sofort tätig".

Oft seien es auch Schulen und Kindergärten, die Auffälligkeiten an das Jugendamt weiterleiten. "Manche Kinder sind bei diesen Temperaturen nur im Pullover unterwegs."

Ambulante Betreuung statt Heimunterbringung

Sollten erzieherische Hilfen erforderlich sein, setzt Krüger auf das ambulante Modell. Dabei werden Kinder und Familien zuhause unterstützt. Die Alternative ist die Heimunterbringung. Für Krüger ist das nur Plan B. Abgesehen davon, dass diese Lösung erheblich kostenintensiver wäre, setzt man beim Jugendamt darauf, die Familien in den eigenen vier Wänden zu unterstützen.

Betreut werden sie durch qualifizierte Fachkräfte, die vom Jugendamt beauftragt werden. "Indem wir diesen Bereich extern vergeben, können wir flexibler reagieren", meint Krüger.

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