Auf der Schlüterstraße kommt Flüsterasphalt. Doch der ist extrem kälteempfindlich.

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Noch präsentiert sich die Schlüterstraße im Herzen Alt-Erkraths in einem desolaten Zustand. Wenn das Wetter mitspielt, wird sich das aber bald ändern.

Noch präsentiert sich die Schlüterstraße im Herzen Alt-Erkraths in einem desolaten Zustand. Wenn das Wetter mitspielt, wird sich das aber bald ändern.

Dirk Thomé

Noch präsentiert sich die Schlüterstraße im Herzen Alt-Erkraths in einem desolaten Zustand. Wenn das Wetter mitspielt, wird sich das aber bald ändern.

Erkrath. "Wir brauchen einfach besseres und vor allem wärmeres Wetter." Wenn Heinz-Peter Heffungs das sagt, dann nicht, um endlich die Frühjahrskollektion aus dem Kleiderschrank zu holen. Vielmehr schaut der Tiefbauamtsleiter tagtäglich aufs Thermometer, weil er herauskriegen will, wann in der Schlüterstraße endlich der Flüsterasphalt aufgetragen werden kann.

"Dieser Belag ist extrem kälteempfindlich. Um ihn verlegen zu können, braucht es mindestens drei Tage und drei Nächte plus sieben Grad und aufwärts - und zwar am Stück." Nach Wochen und Monaten mit Eiseskälte, Schnee und zuletzt tristem Regenwetter hellt sich sein Blick langsam etwas auf. Wenn das Quecksilber nicht wieder nach unten rasselt, "rechne ich damit, dass wir bis Ostern fertig werden".

Angefangen hatte alles mit der Erneuerung des Kanalsystems

Diejenigen, die die viel befahrene Schlüterstraße regelmäßig benutzen, und vor allem die Anwohner wird es freuen. Seit Anfang Mai vergangenen Jahres blicken sie nun schon auf eine einzige Baustelle direkt vor ihrer Haustür. "Das wird auch Zeit", meinte am Freitag eine Seniorin, die mit ihrem Einkaufsrolli im Schlepptau in Richtung Aldi unterwegs war.

Die Überquerung sei aufgrund der Schlaglöcher und Stolperfallen ein einziges Abenteuer. "Dann die Autos. Die rattern die Straße rauf und runter. Manche schnell, manche langsam. Außerdem staut es sich zum Kreisverkehr hin ständig." Abgesehen vom Lärm "ist die Holperei für die Wagen sicher nicht besonders gut".

Begonnen hatte das Ganze vor knapp einem Jahr mit der rund 300.000 Euro teuren Erneuerung des Kanals in der Schlüterstraße. Dieser Teilabschnitt ist mittlerweile beendet. Was fehlt, ist die Fahrbahndecke, die nach den Arbeiten "unter Tage" nur provisorisch wieder aufgetragen wurde.

Der Flüsterasphalt hat durch seine geringe Rauigkeit und die eingesetzten Materialien besonders schallschluckende Eigenschaften. Er besteht aus zwei Schichten mit offenporigem Belag: Die feiner aufgebaute obere Schicht wirkt wie ein Sieb und verhindert, dass Schmutzpartikel eindringen können. Die untere Lage aus grobkörnigerem Material wird so geschützt. Ein spezielles Entwässerungssystem sorgt für die Ableitung des Regenwassers.

Mit der Uni Bochum wurde eine neue Variante des Flüsterasphalts entwickelt - LOA (lärmoptimierter Asphalt Düsseldorf). Im Gegensatz zu den offenporigen Belägen, die zudem nur unter großem Aufwand herstellbar sind, entstehen bei LOA erst gar keine Rollgeräusche. Beim üblichen Belag entweicht die Luft zwischen den Profilstollen des Reifens und der Straße mit einem Zischen. Hier gerät die Luft gar nicht erst unter Druck. Untersuchungen ergaben, das bei einem 50 km/h schnellen Auto nur noch 85,4 Dezibel gemessen wurden - 8,5 Dezibel weniger als zuvor.

Der lärmoptimierte Asphalt auf der Schlüterstraße kostet rund 300.000 Euro mehr als ein üblicher Belag.

Dass ausgerechnet Flüster-asphalt verwendet wird, ist politischer Beschluss zugunsten der Anwohner, denen damit etwas Gutes getan werden soll. "Wir benutzen LOA-Asphalt", erklärt Heinz-Peter Heffungs. "Das ist lärmorientierter Asphalt, der schon bei 50 km/h seinen Wirkung hat. Normaler Flüster-asphalt, wie er etwa auf Autobahnen zum Einsatz kommt, reagiert erst ab 80 km/h."

Überhaupt ins Spiel gebracht hatten den Flüsterasphalt die Grünen, auf deren Betreiben hin in Erkrath neue Straßenbeläge grundsätzlich mit dieser Asphalt-art ausgestattet werden.

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