Obst und Gemüse fehlten am Freitag im Angebot. Die Hälfte der Händler blieb zuhause – die anderen froren.

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Im Sommer der Verlierer, im Winter der Sieger: Detlef Blum verkauft am Bäckereistand. Er hatte am Freitag die geringsten Probleme mit den Minusgraden.

Im Sommer der Verlierer, im Winter der Sieger: Detlef Blum verkauft am Bäckereistand. Er hatte am Freitag die geringsten Probleme mit den Minusgraden.

Dirk Thomé

Im Sommer der Verlierer, im Winter der Sieger: Detlef Blum verkauft am Bäckereistand. Er hatte am Freitag die geringsten Probleme mit den Minusgraden.

Erkrath. Malerisch stehen die wenigen Marktstände zwischen kniehohen Schneehaufen im morgendlichen Frühnebel auf dem Bavierplatz. Minus sieben Grad Celsius zeigt das Thermometer, und so ist es nicht verwunderlich, dass dick eingepackte Gestalten zwischen den Verkaufswagen umherhuschen und nur kurz vor den Ständen innehalten. Ob Marktbeschicker oder Kunde - alle frieren auf dem Wochenmarkt. Fast alle.

"So fünf bis sechs Kleidungsschichten werden es schon sein."

Viel ist es ohnehin nicht, was sie an diesem klirrend kalten Freitagmorgen auf dem Erkrather Wochenmarkt kaufen können. 14 Händler sind nur gekommen. Mehr als zehn haben vor der Kälte kapituliert und sind zuhause geblieben.

Am Fischstand rührt Nicole Smith mit der Kelle den Inhalt eines Soßentopfes. "Gestern war es wärmer", sagt sie. "Da sind mir die Soßen nicht angefroren." Beeindrucken lassen sich Smith und ihre Kollegen Marcel Nünnemann und Sultan Gök von der Kälte jedoch nicht. "Dick anziehen und viel bewegen", sagt Nünnemann. "So fünf bis sechs Kleidungsschichten werden es schon sein." Der Ware am Fischstand macht die Kälte nichts aus - die Meerestiere liegen sowieso schon auf Eis.

Der Wetterbericht im Fernsehen spricht von sibirischer Kälte, doch die sieht man Cornelia Wegmann nicht an. "Das ist nicht so schlimm. Ich gehe ja von Geschäft zu Geschäft." Ein paar Marktstände vermisst die Erkratherin aber schon. "Der Obsthändler und der Gemüsestand fehlen", sagt sie.

Am Stand der Metzgerei Häusler hat Alfred Krahwinkel ein anderes Rezept gegen die Kälte. "Heizung", sagt er knapp. "Aber viel nützt es nicht." Nur ein wenig warme Luft aus dem Gasofen erreicht seine Beine - die Hände sind den niedrigen Temperaturen schutzlos ausgesetzt. Seine Theke, eigentlich eine Kühltheke, gerät bei den Minusgraden zur Heizung. "In der Theke ist es wärmer als draußen", sagt er und packt ein dickes Stück Rinderbraten ein.

"Das hält ja kein Mensch aus", ist der Kommentar des Zeitungsverkäufers. Vor der Kälte hat er sich in den Eingang von Hertie zurückgezogen und verkauft ein Straßenmagazin. "Meine Kunden finden mich trotzdem."

Beim Bäcker unter der Martkhalle ist die Wärmequelle schnell ausgemacht. Weißer Rauch steigt aus dem großen Ofen in der Ecke des Standes auf. "Den Brötchen macht die Kälte nichts aus", sagt Verkäufer Detlef Blum. "Die werden nur ein bisschen kalt." Seine ebenfalls kühlen Finger hält er in regelmäßigen Abständen vor die wärmende Flamme, die auf dem Boden des Ofens flackert. Dass der Backofen wärmt, hat sich schon bis an das andere Ende des Marktes herumgesprochen. Normalerweise verkauft Said Ramadan griechische Feinkost. Doch für ein Schwätzchen am warmen Ofen ist immer Zeit.

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