Nach Erhöhung der Tarife für die Anmietung des Bürgerhauses kündigt der Ausrichter der Handwerkermärkte.

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Kaufen und schauen: Die Märkte im Bürgerhaus boten Kunsthandwerk hautnah.

Kaufen und schauen: Die Märkte im Bürgerhaus boten Kunsthandwerk hautnah.

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Kaufen und schauen: Die Märkte im Bürgerhaus boten Kunsthandwerk hautnah.

Erkrath. Wer sich gern mit schönen Dingen umgibt, hat bisher dreimal im Jahr eine Plattform im Hochdahler Bürgerhaus gefunden. Gemälde, Schmuck, Textilien, Keramik - der Markt von Veranstalter Michael Strohmayer bot seinem Publikum seit mehr als 20 Jahren regelmäßig eine bunte Vielfalt, die weit von kommerziellem Kitsch entfernt war. Damit ist nun Schluss: Die Erkrather müssen sich von dem beliebten Markt verabschieden; Strohmayer hat seinen Vertrag mit der Stadt Erkrath gekündigt.

Der Hintergrund: Am 17. Dezember hat der Rat beschlossen, die Tarifstufen für die Anmietung des Bürgerhauses zu ändern. Statt zwischen ortsansässigen und auswärtigen Gewerbetreibenden zu unterscheiden, zahlen beide Gruppen nun denselben Betrag. Günstiger kommen nur noch Privatpersonen davon.

"Statt rund 2300 Euro müsste ich künftig etwa 5300 Euro für ein Wochenende zahlen. Die Märkte tragen sich gerade eben selbst - ich verdiene daran kein Geld, sondern betreibe sie als Hobby. Den höheren Betrag kann ich als Rentner nicht zahlen", sagt Strohmayer. "Das Eintrittsgeld ist mit drei Euro bereits ausgereizt; wenn ich erhöhe, kommt niemand mehr."

"Die Stadt wollte mehr an den Märkten verdienen, jetzt verdient sie gar nichts mehr daran."

Michael Strohmayer, Organisator der Märkte im Bürgerhaus

Gleiches gelte für die Standmieten, die zwischen 100 und 140 Euro plus Mehrwertsteuer liegen. "Das Absurde an der Geschichte: Es gibt keinen Gewinner. Ich verliere mein Hobby, die Stadt eine beliebte Veranstaltung und die Aussteller eine Plattform. Die Stadt wollte mehr an den Märkten verdienen, jetzt verdient sie gar nichts mehr daran", so Strohmayer.

Ulrich Schwab-Bachmann, Leiter des Amtes für Schule, Kultur und Sport, formuliert Zahlen: "Durch den Wegfall der Märkte hat die Stadt 7000 Euro jährlich weniger Einnahmen. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, die Preise insgesamt moderat zu erhöhen; so dass es niemandem weh tut, die Stadt aber trotzdem etwas mehr Geld in der Kasse hat." Die neue Ratsmehrheit habe jedoch anders entschieden.

"Privatpersonen zahlen weiterhin die subventionierte Miete. Trotzdem war ein höherer Kostendeckungsbetrag nötig", sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Detlef Ehlert. "Wer Geld an seiner Veranstaltung verdient, soll auch mehr zahlen. Darum haben wir die Gebühren für alle Gewerbetreibenden einheitlich angehoben."

Michael Strohmayer sei jedoch ein besonderer Fall, da er an den Märkten kein Geld verdient. "Uns liegt daran, die Märkte zu erhalten. Es gäbe die Möglichkeit, die Märkte wie früher als Ehrenamtler für die Volkshochschule zu betreiben. Damit würde er aus der Kategorie ’gewerbetreibend’ herausfallen."

Diese Idee ist für Strohmayer jedoch gleichermaßen unbekannt wie unrealistisch. "Von diesem Vorschlag weiß ich nichts - und ich halte ihn für ein Windei. Wer soll denn die Kosten für die Märkte tragen?", fragt er.

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