Für den Einzelhandel brachte das Weihnachtsgeschäft nicht die erhofften Umsätze. Das Internet, Sparsamkeit und Baustellen in den Städten machen ihnen zu schaffen.

Einheitliche Öffnungszeiten und wenige baustellen in den Innenstädten wirken sich positiv auf die Umsätze des Handels aus.
Einheitliche Öffnungszeiten und wenige baustellen in den Innenstädten wirken sich positiv auf die Umsätze des Handels aus.

Einheitliche Öffnungszeiten und wenige baustellen in den Innenstädten wirken sich positiv auf die Umsätze des Handels aus.

Archiv/Ralph Matzerath

Einheitliche Öffnungszeiten und wenige baustellen in den Innenstädten wirken sich positiv auf die Umsätze des Handels aus.

Mettmann/Erkrath/Wülfrath. Recht unterschiedlich bewertet der örtliche Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft. Die Aussicht auf das neue Jahr ist durchwachsen. „Wir haben die Umsätze von 2015 nicht erreichen können“, sagt Axel Ellsiepen, Inhaber des Büro- und Schreibwarengeschäftes Bovensiepen in der Kreisstadt. Die Umsatzverluste habe er mit dem Online-Geschäft der Privatkunden auffangen können. Und: Das Weihnachtsgeschäft habe sich auf die letzte Woche vor dem Fest reduziert.

Das sieht auch Andreas Kortenhaus so, der Inhaber des gleichnamigen Juweliergeschäfts in Mettmann. „Bescheiden“, sagt er zum Weihnachtsgeschäft. Kollegen aus anderen Städten empfänden dies genauso. „Die allgemeine schlechte Stimmung, der Internethandel und die großen Prozentschlachten der Kaufhäuser, die ihre Waren teilweise mit Abschlägen von 20 Prozent vom Hersteller bekommen, haben uns geschadet“, so Kortenhaus. Hinzu komme, dass die Menschen mehr als früher auf ihr Geld achten. „Gerade beim Kauf von Luxusgütern fällt das auf.“

„Unserem Umsatz hat die Baustelle geschadet.“

Dirk Schlüter, Geschäftsinhaber in Wülfrath

Kortenhaus erwartet von diesem Jahr keine Wunder. „Doch wir bleiben am Ball, verfügen über ein neues Sortiment und haben viel Geld in den Umbau unseres Geschäftes gesteckt“, sagt er. Ein großes Fragezeichen macht er hinter der Baustelle in der Innenstadt. „Wann geht der Umbau der Breite Straße und der Johannes-Flintrop-Straße los? Mit welchen Einschränkungen müssen wir rechnen? All dies wissen wir noch nicht.“

Frank Hielscher, der das Geschäft „Leder aktuell“ in der Freiheitstraße in Mettmann betreibt, ist hingegen mit dem Umsatz sehr zufrieden. „Besser als im vergangenen Jahr.“ Das liege seiner Meinung nach auch daran, dass der Umbau der Fußgängerzone endlich abgeschlossen ist. „Die Baustelle hat uns viel Laufkundschaft gekostet. Langsam erholt sich die Situation.“

Der Handelsverband NRW kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Händler mit Umsatz und Frequenz vor allem dann zufrieden zeigten, wenn in den kleineren Städten Weihnachtsmärkte oder Gemeinschaftsaktionen, wie verkaufsoffene Sonntage oder lange Einkaufsabende, lockten. Dann seien deutlich mehr Kunden in den Städten unterwegs. „Deshalb haben wir den Blotschenmarkt in diesem Jahr bewusst in Richtung Weihnachten ausgedehnt“, sagt Ellsiepen. Zufrieden zeigten sich auch Händler, die mit speziellen Angeboten oder Nischenprodukten aufwarten beziehungsweise sich über die Jahre als Spezialisten für besondere, nicht alltägliche Geschenke etabliert haben. Als besonders wichtig wurden zudem einheitliche Öffnungszeiten der Händler und möglichst wenige Baustellen im Stadtgebiet während der Vorweihnachtszeit benannt, so Anne Linnenbrügger-Schauer vom Handelsverband NRW.

Ellsiepen, der auch gleichzeitig Vorsitzender der Werbegemeinschaft von Mettmann-Impulse ist, hofft, dass der neue Eigentümer der Königshof-Galerie für frischen Wind sorgen wird. „Es muss in der Kö-Galerie noch Potenzial geben, zumal viele Händler der Kö-Galerie dem Einkaufshaus ein schlechtes Urteil aussprechen. Da ist also noch Luft nach oben. Der Mettmanner Handel profitiert von einer starken Kö-Galerie.“

In Wülfrath haben die Händler in den vergangenen Monaten ebenfalls unter der Baustelle in der Innenstadt gelitten. Weil fast alle mit dem Auto zum Einkaufen in die Innenstadt fahren, mussten Umwege in Kauf genommen werden. „Unserem Umsatz hat die Baustelle geschadet“, sagt Dirk Schlüter vom gleichnamigen Genießertreff an der Wilhelmstraße. Die Kunden jetzt zurückzuholen, das brauche mit Sicherheit seine Zeit, so Schlüter. Der Umbau der Innenstadt sei sehr begrüßenswert, aber mit neuen Bänken und neuen Pflastersteinen locke man keine zusätzlichen Kunden in die Stadt. Nach Wülfrath komme keiner speziell zum Einkaufen, so Schlüter. Der Angermarkt habe sich auch nicht zum viel gepriesenen Frequenzbringer für die Innenstadt entwickelt.

Erkrath ist als Einkaufsstadt nicht gerade berühmt, einzig die inhabergeführten Geschäfte werden gut frequentiert. Eines davon betreibt Saskia Zoll. „Meine Prognose für 2017? Ich bin optimistisch.“ Im November feierte ihre Boutique 20. Geburtstag, der Umzug aus der Passage auf die belebtere Bahnhofstraße vor knapp zwei Jahren hat sich rentiert. Dass hier nun darüber nachgedacht wird, per Poller Autopendler auszuschließen, hält die Geschäftsfrau für keine gute Idee. Letztlich aber sind nicht städtebauliche Maßnahmen für ihren Geschäftserfolg wichtig. Das hat zuletzt das Weihnachtsgeschäft gezeigt. „Das Kaufverhalten vieler Kunden hat sich verändert“, weist sie auf individuelle Merkmale hin.

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