Das Mettmanner Urgestein Paul Brenger feiert am Dienstag seinen 90. Geburtstag.

Mettmann/Wülfrath. Zwar hat er sich in den vergangenen Jahren in Mettmann rar gemacht, doch zu großen Ereignissen wie etwa dem Krönungsball der St.Sebastianus Schützebruderschaft kommt der Wahl-Wülfrather immer wieder gern in seine alte Heimatstadt zurück. Das Mettmanner Urgestein Paul Brenger feiert am Dienstag seinen 90. Geburtstag.

Schlips und Kragen: Paul Brenger ist immer perfekt gekleidet

Am 5. Januar 1920 kam Brenger in Mettmann auf die Welt, er bewohnte mit seinen Eltern das Haus Bismarckstraße 46. In 90 Jahren hat er viele Spuren nicht nur in Mettmann hinterlassen. Stets perfekt gekleidet mit Schlips und Kragen, sehr höflich und zuvorkommend, aber auch väterlich, freundschaftlich und hilfsbereit begegnet Brenger seinen Mitmenschen bis heute. Er ist aber auch ein Mann, der sich durchzusetzen weiß, und mit seiner Meinung nicht hinterm dem Berg hält. Er schätzt Offenheit und Ehrlichkeit. Eigenschaften, die Brenger bei den Pfadfindern lernte.

Nachdem er 1945 aus dem Krieg nach Mettmann zurückgekehrt war, wurde die Wohnung der jungen Familie Brenger im Haus Markt 9 ein Treffpunkt der heimgekehrten Pfadfinder. Die Georgspfadfinder wurden neu gegründet. Brenger und andere Helfer bauten Jugendwohnheime in Mettmann und Neviges für obdachlose und hungernde junge Menschen. "Allzeit bereit, das wurde zur Richtschnur für mein ganzes Leben - bis auf den heutigen Tag", sagt Paul Brenger.

Das gesellschaftliche Leben in Mettmann hat Paul Brenger maßgeblich mit geprägt, ob als Schützenkönig 1954/55 oder als Unternehmer des ersten Geschäftes mit Haushaltswaren an der Herrenhauser Straße, das mit großen Ausstellungsräumen auf Selbstbedienung eingerichtet war. Danach gründete Brenger noch die Firmen Brenger Inform, Brenger Work Shop, Brenger Bad Shop, Brenger Haustechnik, Sanitär und Heizung und Brenger Großhandel.

Paul Brenger war 1971 Mitbegründer der Park- und Werbegemeinschaft (heute "Mettmann Impulse") und er war mit Waldemar Murjahn und Ernst-August Kortenhaus einer der Gründungsväter des Blotschenmarktes im Jahre 1972. 25 Jahre war Brenger mitverantwortlich für den Weihnachtsmarkt.

Seit mehr als 50 Jahren ist Paul Brenger ein "Auler Mettmanner"

Im Jahre 1950 war Paul Brenger Miterfinder einer abgerundeten Heizplatte. Brenger: "Dafür wurde ich geldlich nicht entlohnt, sondern bekam ein neues VW-Cabriolet. In dieser Zeit traute ich mich nicht, mit diesem auffälligen Auto durch die zerbombte Stadt zu fahren."

Blotschenmarkt Paul Brenger und Siegfried Hoffstaedter sind für die Weihnachtsbaumversteigerung auf dem Jahr für Jahr eine Woche lang von Geschäft zu Geschäft gezogen und haben für die Versteigerung gesammelt. Brenger: "Die Sachen wurden dann vom Karnevalisten Herrmann Schmitz versteigert. Nach 15 Märkten hatten wir bereits eine Millionen Mark zusammen."

"Im 106. Stockwerk des World Trade Centers hielt ich einen Vortrag über die unterschiedliche Entwicklung des Handels in Amerika und Deutschland. Im amerikanischen Handelsministerium leitete ich eine Diskussionsrunde über das gleiche Thema", so Paul Brenger.

Zuvor hatte Brenger 1968 den Lions-Club Mettmann-Wülfrath mitbegründet, in dem er seit mehr als 30 Jahren Altpräsident ist. Seine Heimatverbundenheit spiegelt sich in seiner langjährigen Mitgliedschaft und Unterstützung der Bürger- und Heimatvereinigung "Aule Mettmanner wider: 2003 ehrte ihn "Aulen"-Chef Helmut Kreil für seine 50-jährige Mitgliedschaft.

Aber auch weit über die Stadtgrenzen Mettmanns hinaus war Paul Brenger stets ein vielgefragter Mann. Im Jahre 1966 wurde er Sprecher des größten deutschen Einkaufsverbandes, des Nürnberger Bundes. 1975 wurde vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) zum Ingenieur ernannt. 1985 bekam Brenger das Bundesverdienstkreuz. Als Pressesprecher des Fachverbandes hat er mit der Regierung in Bonn gegen die Aufhebung des Rabattgesetzes gekämpft. 1992 erfolgte Brengers Ernennung zum Schweizer Presseattaché. Er besuchte Weltwirtschaftsgipfel und verfasste darüber Bücher: "Die neue Partnerschaft gestalten", "Der Globalisierung ein menschliches Gesicht geben".

Geforscht hat Brenger aber auch in seiner eigenen Geschichte - angefangen beim Bauern Caspar Brenger im Jahre 1680. Die Familienchronik seiner Familien und unzählige weitere Veröffentlichungen zu Themen wie Kunst, Wirtschaft und Reisen hat Paul Brenger seitdem herausgebracht.

Nach dem Tode seiner Frau Gerda 1984 heiratete Brenger ein Jahr später Rosel Lutz-Brenger, mit der er heute in Wülfrath lebt. Und dort bleibt er ehrenamtlich engagiert, zum Beispiel für den Erhalt des Museums.

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