Nach dem Amoklauf in Erkrath im Februar 2014 half Florian Ring Menschen aus der brennenden Kanzlei.

Erkrath/Solingen
Flammen schlugen aus dem Gebäude

Flammen schlugen aus dem Gebäude

Aus der Hand von Ministerin Sylvia Löhrmann nahm Florian Ring seine Medaille entgegen.

Archiv, Bild 1 von 2

Flammen schlugen aus dem Gebäude

Florian Ring ist einer, der für andere sein Leben riskiert. Er ist aber keiner, der das an die große Glocke hängt. Der IT-Experte bekam jetzt von Schulministerin Sylvia Löhrmann in Vertretung der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen.

Mutig hatte der Solinger, der in Unterfeldhaus arbeitet, am 28. Februar des vergangenen Jahres einen körperbehinderten Anwalt im Rollstuhl aus dessen brennender Kanzlei am Neuenhausplatz 73 gerettet, nachdem ein Amokläufer auf ihn geschossen hatte. Für die Anwaltsgehilfin kam jede Hilfe zu spät. Sie war an ihrem Arbeitsplatz erschossen worden (WZ berichtete).

Erkrath/Solingen
Flammen schlugen aus dem Gebäude

Flammen schlugen aus dem Gebäude

Aus der Hand von Ministerin Sylvia Löhrmann nahm Florian Ring seine Medaille entgegen.

Roberto Pfeil, Bild 1 von 2

Aus der Hand von Ministerin Sylvia Löhrmann nahm Florian Ring seine Medaille entgegen.

Rückblick: Wegen eines verlorenen Gerichtsverfahrens läuft ein Mann Amok. Er fühlt sich von seinen Rechtsanwälten ungerecht behandelt und will sich rächen. In einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei ersticht er eine Anwältin und ihren Kollegen, legt Feuer und flüchtet.

In Erkrath setzt er seinen Amoklauf fort. Um die Mittagszeit betritt der Mann mit einer Pistole und einem mit Benzin gefüllten Kanister die Kanzleiräume seines ehemaligen Rechtsanwalts am Neuenhausplatz 73. Er schießt ohne Vorwarnung auf die Rechtsanwaltsgehilfin, die zusammenbricht. Der zweite Schuss trifft den Anwalt im Rollstuhl.

Täter schüttete in allen Räumen Benzin aus und legte Feuer

Der Täter schüttet Benzin in allen Räumen aus und legt ein Feuer. Die Tür zieht er hinter sich ins Schloss und überlässt die Verletzten ihrem Schicksal.

Florian Ring, der in der Etage unter der Anwaltskanzlei bei einer Softwarefirma arbeitet, hört zunächst Schüsse. Seine Kollegin nimmt Hilferufe aus der Anwaltskanzlei wahr. Ring läuft durch das Treppenhaus in die obere Etage. Rauch schlägt ihm durch die verschlossene Eingangstür entgegen. Er ruft seiner Kollegin zu, die Rettungskräfte zu informieren und zerschlägt mit einem Feuerlöscher die Glasscheibe der Eingangstür. Er zieht die von innen vor der Tür liegende reglose Frau behutsam ins Treppenhaus, ehe er sich in die brennende Anwaltskanzlei durchkämpft und dem schwer verletzten Rechtsanwalt hilft, mit seinem Rollstuhl selbst in den Aufzug zu fahren.

Anschließend warnt Ring weitere Personen in dem Bürogebäude vor dem Feuer. Dann läuft er ins Erdgeschoss und fährt den verletzten Rechtsanwalt mit dessen Rollstuhl aus dem Aufzug vor das Haus. Er eilt erneut in die brennende Etage, um die angeschossene und noch im Flur liegende Frau in die Tiefgarage zu bringen. Die dort inzwischen eingetroffenen Rettungskräfte versorgen den schwer verletzten Rechtsanwalt, der ins Krankenhaus kommt. Die Rechtsanwaltsgehilfin ist tot.

Viel Aufhebens mag der mutige Mann aus Solingen um seine Tat nicht machen. Dennoch macht die Auszeichnung ihn stolz. Die Stadt Erkrath hatte ihn für die Medaille vorgeschlagen.

Ministerin nennt Lebensretter einen „Helden und Vorbild“

In einer Feierstunde in Köln dankte die Ministerin Ring und sieben weiteren Retterinnen und Rettern für ihren Einsatz: „Mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ehren wir Persönlichkeiten, die außergewöhnlichen Mut bewiesen und unter Gefahr für sich selbst das Leben anderer Menschen gerettet haben. Sie sind wirkliche Heldinnen und Helden und Vorbilder für uns alle“, sagte sie. „Ohne seine Hilfe wäre der Mann in den brennenden Räumen gestorben. Dabei setzte sich Florian Ring Lebensgefahr aus. Er wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung und wegen verletzter Hand ins Krankenhaus eingeliefert, das er nach einigen Stunden wieder verlassen konnte. Ihm verleiht das Land NRW die Rettungsmedaille.“

Der Täter ist inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

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